Tesla "wirbt" für Full Self-Driving mit Fahrer, der kaum sehen kann

Der US-Autobauer Tesla bewirbt seine Software Full Self-Driving mit dem Video eines Cybertruck-Käufers, der das System wegen nachlassender Sehkraft nutzt. Sicherheitsexperten schlagen bei diesem Marketing für ein Level-2-Assistenzsystem Alarm.
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Gefährliches Marketing für Level zwei

Tesla steht aktuell im Zentrum einer Debatte um die Vermarktung seiner Fahrerassistenzsysteme. Viele werfen dem US-Autobauer vor, (technisch) zu viel zu versprechen und dadurch Fahrer und andere Verkehrsteilnehmer zu gefährden. Das Social-Media-Team des Unternehmens teilte nun erneut ein bedenkliches Video.

Darin erklärt ein Besitzer eines Cybertrucks, er habe das Fahrzeug wegen seiner nachlassenden Sehkraft gekauft. Sein Augenarzt habe ihm explizit zu der Software Full Self-Driving geraten. Der Fahrer gab an, das System habe das Auto bei der Probefahrt eineinhalb Stunden lang selbstständig gesteuert.

Sicherheitsexperten sehen das Teilen solcher Erfahrungsberichte durch offizielle Kanäle kritisch. Obwohl der Name eine vollständige Autonomie suggeriert, stuft der Hersteller Full Self-Driving selbst als Assistenzsystem der Stufe zwei ein. Das bedeutet, dass die Person am Steuer jederzeit aufmerksam bleiben und die Verantwortung für das Fahrzeug tragen muss - oder in diesem Fall: genau hinsehen. Eine nachlassende Sehkraft steht im direkten Widerspruch zu der Anforderung, da die visuelle Überwachung des Verkehrs zwingend erforderlich ist.


Risiko der Selbstüberschätzung

Wie ein Bericht auf Electrek ausführt, wächst die Gefahr der Selbstüberschätzung bei solchen Systemen. Die Software kostet derzeit 7.500 Euro in der Anschaffung.

Psychologische Studien untermauern das Problem der Automation. Menschen benötigen fünf bis acht Sekunden, um sich nach einer längeren automatisierten Fahrt wieder mental auf das komplexe Verkehrsgeschehen einzustellen. In Notsituationen fehlt dem menschlichen Gehirn schlicht das Zeitfenster für eine angemessene Reaktion. Dazu kommt, dass die Technik fehleranfällig bleibt und menschliche Intuition nicht komplett ersetzen kann.

Die Diskrepanz zwischen Marketing und technischer Realität ruft zunehmend US-Behörden auf den Plan. Die Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA führt derzeit weitreichende Untersuchungen gegen das Unternehmen von Elon Musk durch. Das teure Assistenzsystem steht im Fokus mehrerer Verfahren. Ein Gericht erklärte die Bezeichnungen Autopilot und FSD bereits zu irreführenden Begriffen. Die Ermittler konzentrieren sich dabei auf folgende Schwerpunkte:

  • Prüfung des FSD-Systems in über drei Millionen Fahrzeugen weltweit
  • Analyse von mehr als 80 dokumentierten Verkehrsverstößen unter FSD-Einfluss
  • Auswertung von Unfallberichten, deren Herausgabe sich laut internen Quellen verzögert

Rechtlich gesehen sichert sich der Hersteller durch die Einstufung als Assistenz der Stufe 2 ab, da die Haftung bei Unfällen stets beim Fahrer verbleibt. Gleichzeitig suggerieren geteilte Videos wie das des Käufers eines Cybertrucks, dass die Software Aufgaben übernehmen kann, für die sie nicht zugelassen ist. Zwar bewältigt das System oft lange Strecken ohne Eingriffe, doch bei einem unvorhergesehenen Ereignis muss der Mensch zwingend eingreifen. Auch die NHTSA prüft bereits, ob Millionen Autos zurückgerufen werden könnten.

Wie bewertet ihr die Kommunikation von Tesla bezüglich der Fähigkeiten von Full Self-Driving?

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Siehe auch:

Zusammenfassung
  • Tesla steht wegen der Vermarktung seiner Assistenzsysteme weltweit in der Kritik
  • Ein offizielles Video zeigt einen sehbehinderten Fahrer bei der Nutzung von FSD
  • Der Konzern stuft die Software rechtlich als reines Level-2-Assistenzsystem ein
  • Sicherheitsexperten warnen vor der langen Reaktionszeit bei plötzlichen Notfällen
  • Die US-Behörde NHTSA untersucht aktuell mögliche Verstöße in Millionen Fahrzeugen
  • Bezeichnungen wie Full Self-Driving suggerieren fälschlicherweise volle Autonomie
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