Bahnbrechendes Urteil: VPNs müssen illegale Sport-Streams blocken
NordVPN und Proton VPN müssen auf Anordnung eines spanischen Gerichts den Zugang zu illegalen Fußball-Streams blockieren. Der Verband LaLiga kann die Sperrlisten dabei in Echtzeit aktualisieren, um Piraterie während laufender Spiele sofort zu unterbinden.
Geklagt hatten der Liga-Verband LaLiga sowie der Rechteinhaber Telefónica. Das Gericht stufte die VPN-Dienste als technologische Vermittler gemäß dem Digital Services Act (DSA) der Europäischen Union ein, was eine Mitverantwortung bei Urheberrechtsverletzungen begründet.
Das Besondere an dieser Maßnahme ist der dynamische Charakter der Sperren. LaLiga kann die Liste der zu blockierenden IP-Adressen während der laufenden Spiele in Echtzeit aktualisieren, ohne dass für jede neue Adresse ein richterlicher Beschluss notwendig wäre. Das Verfahren fand inaudita parte statt, also ohne Anhörung der Gegenseite. Das Gericht begründete diesen Schritt mit der Dringlichkeit, da die VPN-Dienste in ihren Marketingmaterialien teils damit werben würden, Geoblocking-Maßnahmen effektiv umgehen zu können.
Wie das spanische Wirtschaftsblatt El Economista in einem aktuellen Bericht ausführt (via TorrentFreak), handelt es sich hierbei um die erste dynamische gerichtliche Maßnahme dieser Art in Europa, die direkt auf die Infrastruktur von VPN-Anbietern abzielt. Laut dem Bericht wurden die Gerichtsdokumente ins Englische und Französische übersetzt, um den Betreibern zugestellt zu werden. Das Ziel sei es, die Umgehung von geografischen Restriktionen, die TV-Sender zum Schutz ihrer Lizenzrechte einsetzen, technisch zu unterbinden.
Hintergrund der Klage ist die aggressive Strategie von LaLiga. Der Verband setzt seit Jahren massiv auf technische Lösungen zur Pirateriebekämpfung und entwickelte dafür eigens die Software Marauder. Das Tool durchsucht das Internet automatisiert nach illegalen Streams und meldet diese.
Kritiker werfen dem Verband dabei vor, den Datenschutz und die Netzneutralität zu missachten, um kommerzielle Interessen durchzusetzen. Das aktuelle Urteil markiert einen neuen Höhepunkt in dieser Auseinandersetzung, da nun nicht mehr nur Hosting-Provider oder Access-Provider, sondern auch Tools zur Anonymisierung ins Visier geraten.
Bereits im Dezember 2024 hatte ein ähnliches Vorgehen gegen das Content Delivery Network Cloudflare in Spanien für Aufsehen gesorgt, da es zu weitreichenden Ausfällen bei unbeteiligten Webseiten führte. Das Urteil aus Córdoba steht nicht isoliert da, sondern reiht sich in eine europäische Tendenz ein, härter gegen Urheberrechtsverletzungen vorzugehen. Ähnliche Bestrebungen gibt es bereits in Frankreich, wo Gerichte Internetanbieter anwiesen, DNS-Zugänge zu Piraterie-Seiten zu blockieren. Das spanische Urteil geht jedoch einen Schritt weiter, indem es direkt die VPN-Infrastruktur anvisiert.
Haltet ihr solche dynamischen Netzsperren für technisch sinnvoll oder überwiegt für euch die Gefahr von Overblocking? Wie bewertet ihr das Vorgehen der spanischen Justiz gegen internationale VPN-Anbieter? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare.
Siehe auch:
Dynamische Netzsperren gegen VPN-Dienste
Das Handelsgericht Nummer 4 im spanischen Córdoba hat eine einstweilige Verfügung gegen die bekannten VPN-Anbieter NordVPN und Proton VPN erlassen. Das Urteil verpflichtet die Unternehmen dazu, den Zugang zu bestimmten IP-Adressen zu blockieren, über die illegal Spiele der spanischen ersten Fußballliga übertragen werden.Geklagt hatten der Liga-Verband LaLiga sowie der Rechteinhaber Telefónica. Das Gericht stufte die VPN-Dienste als technologische Vermittler gemäß dem Digital Services Act (DSA) der Europäischen Union ein, was eine Mitverantwortung bei Urheberrechtsverletzungen begründet.
Das Besondere an dieser Maßnahme ist der dynamische Charakter der Sperren. LaLiga kann die Liste der zu blockierenden IP-Adressen während der laufenden Spiele in Echtzeit aktualisieren, ohne dass für jede neue Adresse ein richterlicher Beschluss notwendig wäre. Das Verfahren fand inaudita parte statt, also ohne Anhörung der Gegenseite. Das Gericht begründete diesen Schritt mit der Dringlichkeit, da die VPN-Dienste in ihren Marketingmaterialien teils damit werben würden, Geoblocking-Maßnahmen effektiv umgehen zu können.
Wie das spanische Wirtschaftsblatt El Economista in einem aktuellen Bericht ausführt (via TorrentFreak), handelt es sich hierbei um die erste dynamische gerichtliche Maßnahme dieser Art in Europa, die direkt auf die Infrastruktur von VPN-Anbietern abzielt. Laut dem Bericht wurden die Gerichtsdokumente ins Englische und Französische übersetzt, um den Betreibern zugestellt zu werden. Das Ziel sei es, die Umgehung von geografischen Restriktionen, die TV-Sender zum Schutz ihrer Lizenzrechte einsetzen, technisch zu unterbinden.
Herausforderung durch Sitz im Ausland
Die Umsetzung des Urteils dürfte sich jedoch als juristisch und technisch komplex erweisen. Beide betroffenen Unternehmen haben ihren Hauptsitz außerhalb der EU: Proton VPN operiert aus der Schweiz, NordVPN aus Panama. Beide Anbieter gaben laut übereinstimmenden Medienberichten an, bisher nicht offiziell über das Verfahren informiert worden zu sein. Proton VPN betonte in einer Stellungnahme, dass Verfahren ohne Anhörung der Betroffenen fundamentale Prinzipien eines fairen Prozesses verletzen würden. NordVPN bezeichnete den Ansatz als inakzeptabel und technisch verfehlt, da er nicht die Ursache - die Hosting-Provider der illegalen Streams - bekämpfe.Hintergrund der Klage ist die aggressive Strategie von LaLiga. Der Verband setzt seit Jahren massiv auf technische Lösungen zur Pirateriebekämpfung und entwickelte dafür eigens die Software Marauder. Das Tool durchsucht das Internet automatisiert nach illegalen Streams und meldet diese.
Kritiker werfen dem Verband dabei vor, den Datenschutz und die Netzneutralität zu missachten, um kommerzielle Interessen durchzusetzen. Das aktuelle Urteil markiert einen neuen Höhepunkt in dieser Auseinandersetzung, da nun nicht mehr nur Hosting-Provider oder Access-Provider, sondern auch Tools zur Anonymisierung ins Visier geraten.
Bereits im Dezember 2024 hatte ein ähnliches Vorgehen gegen das Content Delivery Network Cloudflare in Spanien für Aufsehen gesorgt, da es zu weitreichenden Ausfällen bei unbeteiligten Webseiten führte. Das Urteil aus Córdoba steht nicht isoliert da, sondern reiht sich in eine europäische Tendenz ein, härter gegen Urheberrechtsverletzungen vorzugehen. Ähnliche Bestrebungen gibt es bereits in Frankreich, wo Gerichte Internetanbieter anwiesen, DNS-Zugänge zu Piraterie-Seiten zu blockieren. Das spanische Urteil geht jedoch einen Schritt weiter, indem es direkt die VPN-Infrastruktur anvisiert.
Haltet ihr solche dynamischen Netzsperren für technisch sinnvoll oder überwiegt für euch die Gefahr von Overblocking? Wie bewertet ihr das Vorgehen der spanischen Justiz gegen internationale VPN-Anbieter? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare.
Zusammenfassung
- Spanisches Gericht zwingt NordVPN und Proton VPN zur Blockade illegaler Fußballstreams
- LaLiga darf Sperrlisten dynamisch in Echtzeit während laufender Spiele aktualisieren
- Verfahren fand ohne Anhörung der VPN-Anbieter statt und basiert auf dem DSA
- Urteil markiert ersten direkten Angriff auf VPN-Infrastruktur in Europa
- Betroffene VPN-Anbieter kritisieren Urteil als unfair und technisch verfehlt
Siehe auch:
- Neue Härte gegen IPTV-Piraterie: Griechen nehmen auch User ins Visier
- Amazon Fire TV: Linux-basiertes Vega OS soll Stream-Piraterie stoppen
- Meta bestreitet Porno-Piraterie für KI-Training: "Private Nutzung"
- Anti-Piraterie-Firma will ICANN wegen .to-Top-Level-Domain verklagen
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