Nach Tesla-Türgriffen sagt China nun Halblenkrädern den Kampf an

Das chinesische Industrieministerium verbietet ab 2027 sogenannte Yoke-Lenkräder in Neuwagen. Die neuen Sicherheitsstandards schreiben eine geschlossene Struktur vor, da halbe Lenkräder bei wichtigen Crash-Tests durchfallen und den Fahrer gefährden.
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Alexander Migl/CC BY-SA 4.0

Sicherheitsbedenken: China verbannt Yoke-Lenkräder

Das chinesische Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) hat einen neuen Entwurf für Sicherheitsstandards veröffentlicht, der das Ende für sogenannte Yoke-Lenkräder auf dem größten Automarkt der Welt bedeuten dürfte. Ab dem 1. Januar 2027 treten die neuen Vorschriften in Kraft, die faktisch ein Verbot für Lenkräder bedeuten, die nicht rund und oben geschlossen sind. Der Hintergrund ist dabei nicht ästhetischer Natur, sondern begründet sich in strengeren Crash-Test-Anforderungen und physischen Belastungstests, die eine durchgehende Struktur erfordern.

Die Problematik liegt primär in der Bauweise der halben Lenkräder, wie sie Tesla in den letzten Jahren wieder populär gemacht hat. Die neuen Regularien schreiben vor, dass Lenkräder an mehreren spezifischen Punkten entlang des Kranzes auf ihre Aufprallfestigkeit getestet werden müssen - insbesondere am oberen Scheitelpunkt (die sogennante "12-Uhr-Position"). Da Yoke-Varianten über keinen oberen Kranz verfügen, können diese physischen Testpunkte schlicht nicht geprüft werden.

Ohne diese Messdaten ist eine Zertifizierung des Fahrzeugs für die chinesischen Behörden unmöglich. Zudem befürchten die Regulierer, dass der Oberkörper des Fahrers bei einem Unfall über das abgeflachte Lenkrad hinweg in Richtung Armaturenbrett geschleudert werden könnte, anstatt vom Lenkradkranz abgefangen und stabilisiert zu werden.

Wie CarNewsChina berichtet, zielt der neue nationale Standard GB 11557-202X darauf ab, Verletzungen durch Lenkmechanismen drastisch zu reduzieren. Das Portal führt aus, dass die horizontale Kraftgrenze bei Tests mit menschlichen Modulen auf 11.110 Newton gesenkt wird, um den internationalen UN-R12-Spezifikationen zu entsprechen.

Ein zentrales Argument für die Verschärfung sind Unfallstatistiken, wonach 46 Prozent der Fahrerverletzungen direkt mit dem Kontakt zum Lenkmechanismus zusammenhängen. Herkömmliche runde Lenkräder bieten hier eine wesentlich größere Pufferfläche, um die Aufprallenergie des Brustkorbs zu verteilen.


Technische Hürden im Detail

Neben den physischen Aufpralltests bereitet auch die Airbag-Auslösung bei Yoke-Designs den Prüfern erhebliche Sorgen. Aufgrund der unregelmäßigen Form und der fehlenden oberen Struktur lässt sich das Verhalten des Airbags bei der explosiven Entfaltung schwerer vorhersagen als bei klassischen runden Volants. Es besteht das Risiko, dass der Airbag unter oder über den Kopf des Fahrers rutscht, statt ihn frontal aufzufangen.

Der neue Standard verbietet zudem explizit harte Projektile oder Abdeckungsteile, die bei der Airbag-Entfaltung auf Insassen gerichtet sein könnten, was bei den oft komplexen Nabenabdeckungen von Yoke-Lenkrädern konstruktiv schwer sicherzustellen ist.

Ein weiterer technischer Aspekt betrifft die Lenkübersetzung. Während Hersteller wie Lexus beim Modell RZ oder Tesla beim Cybertruck auf ein "Steer-by-Wire"-System setzen, bei dem kein physischer Durchgriff mehr nötig ist, nutzen frühere Versionen des Model S noch eine mechanische Lenksäule. Hier müssen Fahrer beim Rangieren oder in engen Kurven oft umgreifen. Bei einem Yoke-Lenkrad greift man dabei jedoch oft ins Leere, was in Notsituationen fatal sein kann. Die chinesischen Behörden scheinen diese ergonomischen Risiken nun in ihre Gesamtbewertung der Fahrzeugsicherheit einzubeziehen.

Globale Auswirkungen

Die Auswirkungen betreffen namhafte Hersteller, die das an Flugzeug-Cockpits oder K.I.T.T. aus der Serie "Knight Rider" angelehnte Design nutzen. Tesla führte das Design im Model S und Model X ein und bietet es dort teilweise als Option für 1000 Dollar an. Auch chinesische Marken wie IM Motors (ein Joint Venture von SAIC und Alibaba) setzen auf diese Optik, um sich als besonders futuristisch zu positionieren. Für bereits zugelassene Modelle gewährt die Regierung eine Übergangsfrist von 13 Monaten, um die Produktion anzupassen. Das bedeutet, dass Hersteller spätestens Anfang 2028 keine Neuwagen mit Yoke mehr ausliefern dürfen.

Das Verbot der halben Lenkräder ist nicht der erste Eingriff der chinesischen Behörden in modernes Autodesign. Zuvor wurden bereits versenkbare Türgriffe reguliert, da diese im Notfall die Rettung von Insassen erschweren können, wenn sie beispielsweise bei Stromausfall nicht mehr ausfahren. Das Signal aus Peking ist deutlich: Funktionale Sicherheit geht vor Design-Spielereien - und das dürfte auch globale Auswirkungen haben.

Nutzt ihr lieber klassische Lenkräder oder reizt euch das futuristische Yoke-Design trotz der Sicherheitsbedenken? Schreibt uns eure Meinung dazu gerne in die Kommentare, wir sind gespannt auf eure Ansichten!

Zusammenfassung
  • China verbietet ab 2027 Yoke-Lenkräder wegen Sicherheitsbedenken
  • Halbe Lenkräder fallen bei wichtigen Crash-Tests und Airbag-Prüfungen durch
  • Fehlender oberer Lenkradkranz kann bei Unfällen zu erhöhten Verletzungen führen
  • Für bereits zugelassene Modelle gilt eine Übergangsfrist bis Anfang 2028
  • Nach versenkbaren Türgriffen reguliert China nun eine weitere Design-Spielerei
  • 46 Prozent der Fahrerverletzungen hängen mit dem Kontakt zum Lenkmechanismus zusammen
  • Bei Yoke-Designs besteht das Risiko, in Notsituationen ins Leere zu greifen

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