Ubisoft startet brutale Umstrukturierung:
6 Spiele tot, 7 verschoben

Im Zuge einer massiven Umstrukturierung streicht der stark angeschlagene französische Videospielpublisher Ubisoft sechs Spiele. Zudem werden Studios geschlossen, Mitarbeiter entlassen und der Fokus für die Zukunft verstärkt auf KI-Inhalte gelegt.
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Radikaler Umbau und Spielestopp

Der französische Publisher Ubisoft befindet sich nach miesen Verkäufen, Belästigungsskandalen und mehreren gefloppten Titeln in einer der schwersten Krisen seiner Unternehmensgeschichte. Nun reagiert man erneut mit drastischen Maßnahmen auf die anhaltende finanzielle Talfahrt.

Im Rahmen einer umfassenden Umstrukturierung hat der Konzern die Entwicklung von sechs Videospielen endgültig gestoppt. Besonders schwer wiegt dabei das Aus für das Remake von "Prince of Persia: The Sands of Time". Nachdem das Projekt bereits 2020 angekündigt wurde, mehrfach verschoben und vom indischen Studio nach Montreal verlegt wurde, ist die Neuauflage des Klassikers jetzt offiziell Geschichte. Neben diesem prominenten Titel fallen vier bislang unbekannte neue Marken sowie ein Handyspiel dem Rotstift zum Opfer.


Die Neuausrichtung hat auch direkte personelle und strukturelle Konsequenzen. Die Niederlassungen in Stockholm und Halifax werden vollständig geschlossen. Das Stockholmer Studio hatte zuletzt als Unterstützung am Titel "Avatar: Frontiers of Pandora" mitgewirkt. Zudem müssen sich die verbleibenden Mitarbeiter weltweit auf striktere Arbeitsbedingungen einstellen. So gilt ab sofort eine Pflicht zur Rückkehr ins Büro für fünf Tage die Woche. Diese Maßnahme beendet die flexiblen Homeoffice-Regelungen faktisch und dürfte intern zu weiterer Fluktuation führen.

Fokus auf KI und Service-Games

Wie Ubisoft im Zuge der offiziellen Bekanntgabe (PDF) bestätigte, dient dieser harte Schnitt dazu, Ressourcen neu zu verteilen und die Kostenstruktur zu sanieren. Finanzchef Frederick Duguet begründete den Schritt mit einem selektiveren Marktansatz und gestiegenem Wettbewerbsdruck. Künftig will sich der Konzern primär auf Open-World-Abenteuer und Games-as-a-Service-Titel konzentrieren.

Ein zentraler Pfeiler der neuen Strategie ist zudem der massive Ausbau von Investitionen in "player-facing Generative AI". Dabei handelt es sich um generative Künstliche Intelligenz, mit der Spieler im Spielverlauf direkt interagieren sollen. Zu solchen Inhalten gehören etwa dynamisch generierte Dialoge von NPCs, an denen Ubisofts Forschungsabteilung "La Forge" bereits seit Längerem arbeitet.

Um diese Ziele effizienter zu erreichen, wird die interne Entwicklung in fünf sogenannte "Creative Houses" aufgeteilt, die als unabhängige Geschäftseinheiten mit mehr Eigenverantwortung operieren sollen:

  • Vantage Studios: Betreut die umsatzstarken Marken Assassin's Creed, Far Cry und Rainbow Six
  • Creative House 2: Fokussiert auf Shooter wie The Division, Ghost Recon und Splinter Cell
  • Creative House 3: Zuständig für Live-Service-Erlebnisse wie For Honor, The Crew und Skull & Bones
  • Creative House 4: Verantwortet immersive und narrative Spiele wie Anno, Rayman, Prince of Persia und Beyond Good & Evil
  • Creative House 5: Konzentriert sich auf Familien- und Casual-Games wie Just Dance

Verzögerungen und Überlebende

Neben den sechs eingestellten Projekten wurden zudem sieben weitere Titel verschoben. Zwar nannte das Management keine konkreten Namen, doch Branchenbeobachter gehen davon aus, dass hierzu auch das noch unangekündigte Remake von "Assassin's Creed IV: Black Flag" zählt. Das soll nun erst im Geschäftsjahr erscheinen, das im März 2027 endet. Die Auswirkungen der Unsicherheit aufgrund der neuen Maßnahmen sind bereits an der Börse spürbar. So fiel die Aktie des Konzerns auf ein Rekordtief, und die Marktkapitalisierung rutschte von über 10 Milliarden Euro im Jahr 2018 jetzt unter die psychologisch wichtige Marke von einer Milliarde Euro.

Bei all diesen Verzögerungen und Streichungen gibt es ein unerwartetes Überbleibsel: "Beyond Good & Evil 2". Das Spiel, dessen erster Trailer bereits 2008 gezeigt wurde, hält mittlerweile den zweifelhaften Rekord für die längste Entwicklungszeit eines Videospiels. Je nach Definition und Betrachtungsweise hat es sogar "Duke Nukem Forever" überholt. Obwohl Serienschöpfer Michel Ancel das Unternehmen längst verlassen hat und das Projekt oft totgesagt wurde, wird es weiterhin im Portfolio geführt. Es verbleibt im neuen Creative House 4, während deutlich modernere Projekte weichen mussten. Ob die neue Struktur inklusive KI-Fokus den erhofften finanziellen Umschwung bringt, bleibt abzuwarten.

Haltet ihr die komplette Neuausrichtung von Ubisoft und den Fokus auf KI-Inhalte für den richtigen Schritt? Wir sind gespannt auf eure Einschätzungen zur neuen Strategie in den Kommentaren.

Zusammenfassung
  • Ubisoft streicht 6 Spiele und schließt Studios in Stockholm und Halifax
  • Prince of Persia: The Sands of Time Remake endgültig eingestellt
  • Homeoffice-Regelungen beendet, Rückkehr ins Büro verpflichtend
  • Entwicklung in fünf unabhängige Creative Houses umstrukturiert
  • Fokus auf Open-World-Spiele und verstärkte KI-Investitionen
  • Weitere Spieleprojekte verschoben, Aktienwert auf Rekordtief
  • Beyond Good & Evil 2 trotz langer Entwicklungszeit noch im Portfolio

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