Ubisoft will in der Entwicklung volle Kanne auf generative KI setzen

Ubisofts CEO Yves Guillemot vergleicht den Einzug von generativer KI ins Gaming-Geschäft mit dem Beginn des 3D-Zeitalters. Während der Publisher technisch aufrüstet, sorgen neue Wirtschaftsprüfer und Buchhaltungsänderungen für Unruhe an der Börse.
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Ubisoft vergleicht KI-Wandel mit 3D-Ära

Der französische Publisher Ubisoft musste sich erst vor ein paar Tagen für die Verwendung von KI-Artworks in Anno 117 entschuldigen, doch eine Ausnahme war das nicht: Denn Ubisoft will in Zukunft verstärkt auf den Einsatz von generativer künstlicher Intelligenz (GenAI) setzen. Im Rahmen der aktuellen Quartalskonferenz betonte CEO Yves Guillemot die enorme Tragweite dieser Technologie für das Unternehmen.

Der Ubisoft-Chef zog dabei einen historischen Vergleich und bezeichnete den Wandel durch KI als ebenso bedeutend für die Industrie wie den Übergang von 2D- zu 3D-Grafik in den 1990er-Jahren. Das Unternehmen verfolge das Ziel, auf diesem Gebiet eine führende Rolle einzunehmen, anstatt die Technologie nur experimentell zu nutzen. Die hauseigenen Engines wie Anvil und Snowdrop sollen hierfür massiv erweitert werden.

Die Implementierung erfolge laut Guillemot bereits abteilungsübergreifend. In der Produktion nutzen Teams in sämtlichen Studios und Niederlassungen die Technologie, um Arbeitsprozesse in der Programmierung, im Art-Design und in der Qualitätssicherung zu optimieren. Auch für die Spieler soll die Technik spürbar werden: Ubisoft arbeite weiter an den sogenannten "Neo-NPCs".


Dabei handelt es sich um computergesteuerte Charaktere, die auf Spracheingaben der Spieler dynamisch reagieren können, statt nur vorgefertigte Sätze abzuspielen. Diese auf Large Language Models (LLMs) basierenden Prototypen sollen den Schritt zu einer echten "Spielerrealität" und tieferer Immersion vollziehen.

Neue Prüfer verursachten Börsenunruhe

Während die technologische Ausrichtung klar definiert scheint, sorgte die finanzielle Berichterstattung zuletzt für Irritationen bei Anlegern. Der Geschäftsbericht wurde kurzfristig um fast eine Woche verschoben. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, lag der Grund hierfür bei neu ernannten Wirtschaftsprüfern, die eine strikte Anpassung der Bilanzierung für das Geschäftsjahr 2025 forderten.

Konkret ging es um die Verbuchung von Einnahmen aus Lizenzpartnerschaften. Nach den neuen Vorgaben müssen diese Erlöse nun sukzessive über den gesamten Nutzungszeitraum verbucht werden, anstatt wie bisher als Einmalzahlung sofort bei Vertragsabschluss in die Bücher einzugehen.

Tencent-Mittel für Schuldenabbau

Die Partnerschaft mit Tencent verläuft laut Unternehmensangaben nach Plan. Der Konzern investiert rund 1,16 Milliarden Euro in Ubisofts Tochtergesellschaft Vantage, welche die Entwicklung von Kernmarken wie Assassin's Creed und Rainbow Six beaufsichtigt. Trotz der buchhalterischen Turbulenzen fielen die operativen Zahlen positiv aus: Die "Net Bookings" (Nettoumsätze) im zweiten Quartal lagen mit 491 Millionen Euro über der eigenen Prognose, was Analysten positiv überraschte.

Das Portfolio zeigt dabei gemischte Signale, wobei einige Titel besonders hervorstechen:

  • Assassin's-Creed-Reihe: Das Franchise performt stark. Das letzte Update für Assassin's Creed Mirage habe die Spielerzahl auf über zehn Millionen gehoben. Interne Quellen des Magazins Game File berichten zudem, dass Erweiterungen möglicherweise mit Unterstützung der saudi-arabischen Regierung finanziert wurden, was Ubisoft jedoch nicht offiziell bestätigte.
  • Rainbow Six Siege: Der Taktik-Shooter verzeichnet zwar mehr Spieler, leidet aber unter einer Zunahme von Betrügern ("Cheatern") und der Nutzung unerlaubter Hardware auf Konsolen, was die In-Game-Ausgaben dämpfte.
  • Ausblick: Für das Frühjahr 2026 plant Ubisoft unter anderem das lang erwartete Remake von Prince of Persia: The Sands of Time, dessen Entwicklung kürzlich komplett nach Montreal verlagert wurde, sowie zwei Mobilspiele. Zudem verdichten sich Gerüchte um eine Neuauflage von Assassin's Creed IV: Black Flag.

Der harte Sparkurs des Unternehmens zeigt indes deutliche Wirkung bei der Personalstruktur. Die Anzahl der Angestellten sank von fast 21.000 im Jahr 2022 auf nunmehr 17.097 Mitarbeiter, was dem allgemeinen Trend zur Konsolidierung in der Branche folgt.

Wie findet ihr den neuen KI-Fokus von Ubisoft? Geht der Publisher hier nur mit der Zeit oder ist macht man es sich hier zu einfach - auf Kosten von Entwicklern und Künstlern? Schreibt uns eure Meinung in den Kommentaren!

Zusammenfassung
  • Ubisoft-CEO vergleicht Bedeutung von KI mit dem Übergang von 2D zu 3D
  • Unternehmen integriert KI in alle Abteilungen und Entwicklungsprozesse
  • Sogenannte Neo-NPCs sollen durch KI dynamisch auf Spielereingaben reagieren
  • Buchhaltungsänderungen und neue Wirtschaftsprüfer sorgten für Börsenirritation
  • Ubisoft reduzierte Mitarbeiterzahl von etwa 21000 auf 17097 seit 2022
  • Assassin's Creed und Rainbow Six gehören zu den wichtigsten Franchises
  • Für Frühjahr 2026 sind Prince of Persia Remake und neue Mobilspiele geplant

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