Ohne Klappen oder Ruder: Darpas seltsamer Jet X-65 macht Fortschritte
Flugzeugsteuerung neu gedacht: Das experimentelle Flugzeug X-65 der Darpa verzichtet komplett auf mechanische Klappen und setzt stattdessen auf gezielte Luftströme. Doch das ambitionierte Projekt kämpfte bisher mit Hürden und massiven Verzögerungen
Das unbemannte Fluggerät ist Teil des CRANE-Programms (Control of Revolutionary Aircraft with Novel Effectors) und zielt darauf ab, herkömmliche bewegliche Steuerflächen wie Ruder, Landeklappen und Querruder vollständig zu ersetzen. Das Projekt reiht sich in die lange Tradition der X-Planes ein, die seit der Bell X-1, welche als erstes Flugzeug die Schallmauer durchbrach, die Grenzen der Luftfahrt verschieben.
Das Herzstück der X-65 ist das sogenannte "Active Flow Control"-System (AFC). Anstelle von hydraulisch bewegten Außenflächen nutzt das Flugzeug ein komplexes Netzwerk aus 14 Effektor-Düsen, die an den Tragflächen und dem Leitwerk angebracht sind. Diese Düsen stoßen komprimierte Luft aus, um die Grenzschicht der Umströmung gezielt zu manipulieren. Durch die Veränderung des Luftstroms an spezifischen Stellen können Auftrieb, Neigung und Gierwinkel gesteuert werden, ohne dass sich physische Teile am Flugzeug bewegen.
Das verspricht nicht nur eine signifikante Gewichtsreduzierung durch den Wegfall schwerer hydraulischer Komponenten, sondern auch eine drastisch verringerte Radarsignatur, da die sonst unvermeidlichen Fugen und Kanten von Steuerklappen entfallen - ein entscheidender Vorteil für zukünftige Stealth-Konzepte.
Als Gründe für die Verzögerung werden komplexe technische Herausforderungen bei der Integration der Druckluftsysteme sowie Probleme in der Lieferkette genannt. Zudem führten höher als erwartete Kosten zu einer strategischen Pause und einer Neubewertung des Programms durch die Darpa, die sicherstellen muss, dass experimentelle Technologien den Budgetrahmen nicht sprengen.
Obwohl das Ziel die vollständige Steuerung durch Luftdüsen ist, wird der Prototyp zu Beginn noch über konventionelle mechanische Steuerflächen verfügen. Die Darpa bezeichnet diese als "Stützräder". Sie dienen dazu, eine Sicherheitsmarge für die ersten Flüge zu gewährleisten und Basisdaten zu sammeln, bevor die Steuerung schrittweise an das AFC-System übergeben wird.
Nach Abschluss des CRANE-Programms soll die X-65 dank ihres modularen Aufbaus als nationale Testplattform für weitere Forschungsprojekte dienen, etwa um zu prüfen, ob sich die Technologie auch auf die zivile Luftfahrt übertragen lässt, um dort Treibstoff durch geringeren Luftwiderstand einzusparen.
Haltet ihr die Technik der "Active Flow Control" für die Zukunft der zivilen Luftfahrt für realistisch oder bleibt das eher eine Nische für das Militär? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare!
Siehe auch:
Steuerung ohne Mechanik
Die US-Forschungsbehörde Darpa (Defense Advanced Research Projects Agency) arbeitet derzeit an einem experimentellen Flugzeug, das die Grundlagen der Aerodynamik in der Praxis neu definieren soll. In Zusammenarbeit mit Aurora Flight Sciences, einer Tochtergesellschaft von Boeing, entsteht im US-Bundesstaat West Virginia nämlich die X-65.Das unbemannte Fluggerät ist Teil des CRANE-Programms (Control of Revolutionary Aircraft with Novel Effectors) und zielt darauf ab, herkömmliche bewegliche Steuerflächen wie Ruder, Landeklappen und Querruder vollständig zu ersetzen. Das Projekt reiht sich in die lange Tradition der X-Planes ein, die seit der Bell X-1, welche als erstes Flugzeug die Schallmauer durchbrach, die Grenzen der Luftfahrt verschieben.
Das Herzstück der X-65 ist das sogenannte "Active Flow Control"-System (AFC). Anstelle von hydraulisch bewegten Außenflächen nutzt das Flugzeug ein komplexes Netzwerk aus 14 Effektor-Düsen, die an den Tragflächen und dem Leitwerk angebracht sind. Diese Düsen stoßen komprimierte Luft aus, um die Grenzschicht der Umströmung gezielt zu manipulieren. Durch die Veränderung des Luftstroms an spezifischen Stellen können Auftrieb, Neigung und Gierwinkel gesteuert werden, ohne dass sich physische Teile am Flugzeug bewegen.
Aurora Flight Science erklärt die Funktionsweise der X-65
Das verspricht nicht nur eine signifikante Gewichtsreduzierung durch den Wegfall schwerer hydraulischer Komponenten, sondern auch eine drastisch verringerte Radarsignatur, da die sonst unvermeidlichen Fugen und Kanten von Steuerklappen entfallen - ein entscheidender Vorteil für zukünftige Stealth-Konzepte.
Start erst Ende 2027
Wie aus einer aktuellen Mitteilung von Aurora Flight Sciences hervorgeht, liegt das Projekt jedoch deutlich hinter dem ursprünglichen Zeitplan zurück. Während erste Flugtests ursprünglich früher avisiert waren, wird der Jungfernflug der X-65 nun erst für Ende 2027 erwartet - eine Verspätung von mehr als zwei Jahren.Als Gründe für die Verzögerung werden komplexe technische Herausforderungen bei der Integration der Druckluftsysteme sowie Probleme in der Lieferkette genannt. Zudem führten höher als erwartete Kosten zu einer strategischen Pause und einer Neubewertung des Programms durch die Darpa, die sicherstellen muss, dass experimentelle Technologien den Budgetrahmen nicht sprengen.
Test mit "Stützrädern"
Ein auffälliges Merkmal der X-65 ist ihre ungewöhnliche "Diamond Wing"-Form. Diese geometrische Auslegung mit Rautenflügeln wurde gewählt, weil sie strukturell sehr steif, aber aerodynamisch ohne aktive Korrektur instabil sein kann und somit ein ideales Testszenario für die Leistungsfähigkeit des AFC-Systems bietet. Die X-65 ist etwa so groß wie ein Trainingsjet, wiegt gut drei Tonnen und besitzt eine Spannweite von etwa neun Metern. Sie soll Geschwindigkeiten von bis zu Mach 0,7 erreichen, was für ein Testflugzeug dieser Größe beachtlich ist.Obwohl das Ziel die vollständige Steuerung durch Luftdüsen ist, wird der Prototyp zu Beginn noch über konventionelle mechanische Steuerflächen verfügen. Die Darpa bezeichnet diese als "Stützräder". Sie dienen dazu, eine Sicherheitsmarge für die ersten Flüge zu gewährleisten und Basisdaten zu sammeln, bevor die Steuerung schrittweise an das AFC-System übergeben wird.
Nach Abschluss des CRANE-Programms soll die X-65 dank ihres modularen Aufbaus als nationale Testplattform für weitere Forschungsprojekte dienen, etwa um zu prüfen, ob sich die Technologie auch auf die zivile Luftfahrt übertragen lässt, um dort Treibstoff durch geringeren Luftwiderstand einzusparen.
Haltet ihr die Technik der "Active Flow Control" für die Zukunft der zivilen Luftfahrt für realistisch oder bleibt das eher eine Nische für das Militär? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare!
Zusammenfassung
- Darpa entwickelt X-65 Flugzeug mit neuartiger Steuerung ohne Klappen
- Statt mechanischer Steuerflächen nutzt X-65 gezielt ausgestoßene Luftströme
- Das unbemannte Fluggerät könnte Gewichtsreduktion und Tarnkappenfähigkeit bieten
- Rautenförmige Flügelgeometrie dient als ideales Testszenario für die Technologie
- Verzögerungen von über zwei Jahren schieben den Jungfernflug auf Ende 2027
- Trotz Fokus auf Luftdüsensteuerung erhält der Prototyp anfangs Sicherheitsklappen
- Nach Abschluss könnte die Technik auch in der zivilen Luftfahrt Anwendung finden
Siehe auch:
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