Beeindruckender Tanz: Drohnenschwärme für Schwerlasttransporte

Ein Team der TU Delft hat einen Algorithmus entwickelt, mit dem mehrere autonome Drohnen Lasten gemeinsam tragen können. Das System reagiert in Echtzeit auf Wind und Bewegung - ein Schritt hin zu präzisen Transporten in schwer zugänglichen Umgebungen.

Koordiniert geht deutlich mehr

Drohnen sind längst im Alltag angekommen. Sie inspizieren Dächer, überwachen Baustellen und filmen aus der Luft, was früher oft aufwendig per Helikopter erledigt wurde. Schritt für Schritt werden sie auch beim Transport nützlicher - etwa wenn Material in unwegsames Gelände gebracht werden muss. Moderne Schwerlastdrohnen schaffen heute Nutzlasten im Bereich von mehreren Hundert Kilo.

Naheliegend wäre, mehrere solcher Fluggeräte zu koppeln, um noch schwerere oder sperrige Objekte zu bewegen. Doch genau das galt bislang als sehr schwer beherrschbar: Verbinden sich mehrere Drohnen mit einer Last, beeinflussen sie sich gegenseitig, jede Bewegung verändert Kräfte und Gleichgewicht.

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Wenn Drohnen physisch miteinander verbunden sind, müssen sie aufeinander und auf externe Störungen (...) in schnellen Bewegungen reagieren. Herkömmliche Steuerungsalgorithmen sind dafür einfach zu langsam und zu unflexibel.
Sihao Sun
An der TU Delft haben Forschende um Sihao Sun nun ein Verfahren entwickelt, das aus mehreren kleinen Fluggeräten ein koordiniertes System macht. Statt eine Last einzuklemmen oder mit Greifarmen zu fassen, hängen die Drohnen sie an dünne Kabel. Ihre Bewegung gleicht einem Tanz: Jeder Rotor kompensiert Zugkräfte, Neigung und Schwingung - und dass, ohne zentrale Steuerung. Das Ziel: gemeinsam schwere Objekte anheben, ausrichten und sicher platzieren.

Der Kern der Arbeit liegt nicht in der Mechanik, sondern in der Berechnung. Klassische Flugsteuerungen stoßen schnell an Grenzen, wenn mehrere Drohnen durch Seile verbunden sind. Schon kleine Bewegungen einer Last verändern die Spannung und bringen das ganze System aus dem Gleichgewicht. Der neue "kinodynamische Algorithmus" berücksichtigt diese Wechselwirkungen und berechnet Flugbahnen, die Beschleunigungen und Kräfte zugleich steuern. Das ermöglicht präzise Manöver, auch wenn sich die Last verändert oder starker Wind einsetzt.

Vom Labor in die Luft

Getestet wurde das System im Labor: Vier selbstgebaute Quadrokopter flogen durch einen Hindernisparcours, hoben einen Basketball an und hielten ihn in der Schwebe, während Ventilatoren Sturmböen simulierten. Externe Kameras zeichneten die Bewegungen auf, um das Verhalten zu validieren. Das Ergebnis: Die Drohnen reagierten achtmal schneller als bisherige Methoden - und das ganz ohne Sensoren an der Last selbst.

Man muss ihnen nur sagen, wohin sie fliegen sollen, den Rest erledigen sie selbst
Sihao Sun
Noch fliegen sie nur unter kontrollierten Bedingungen. Doch das Konzept zeigt, wie verteilte Intelligenz und präzise Regelung zusammenfinden könnten. Möglich wird das vor allem durch Fortschritte in der Steuer-Software: Algorithmen sind heute schnell genug, um mehrere Fluggeräte in Echtzeit aufeinander abzustimmen.

Während bisher vor allem Lichtshows oder Lieferdienste Schlagzeilen machten, zeigt die Arbeit aus Delft, dass dieselben Prinzipien auch für anspruchsvolle Transportaufgaben taugen - etwa dann, wenn autonome Drohnen gemeinsam handeln wie ein koordiniertes Team.

Was ist ein Multikopter?
Ein Multikopter ist ein Fluggerät mit mehreren vertikal angeordneten Rotoren, das senkrecht starten und landen kann. Anders als Hubschrauber benötigt er keine mechanisch verstellbaren Rotorblätter - die Steuerung erfolgt ausschließlich durch unterschiedliche Drehzahlen der einzelnen Propeller.

Die gängigsten Varianten sind Quadrokopter mit vier Rotoren, aber auch Hexacopter (sechs) und Octocopter (acht) werden eingesetzt. Je mehr Rotoren vorhanden sind, desto höher ist die Traglast und Ausfallsicherheit.

Multikopter werden sowohl als unbemannte Drohnen für Fotografie, Vermessung und Logistik genutzt als auch als bemannte Luftfahrzeuge für Personentransport entwickelt. Sie gelten als wichtiger Baustein zukünftiger urbaner Mobilität.
Wie werden Multikopter gesteuert?
Die Flugsteuerung basiert auf dem Prinzip unterschiedlicher Rotordrehzahlen: Drehen alle Propeller gleich schnell, schwebt der Multikopter stabil. Erhöht man die Drehzahl aller Motoren gleichzeitig, steigt das Gerät auf.

Für Vorwärtsbewegung werden die hinteren Rotoren schneller gedreht als die vorderen - der Multikopter kippt nach vorn und fliegt in diese Richtung. Seitwärtsbewegungen und Drehungen um die eigene Achse funktionieren nach demselben Prinzip.

Moderne Flugsteuerungssysteme mit Sensoren (Gyroskope, Beschleunigungsmesser, GPS) stabilisieren das Fluggerät automatisch. Der Pilot gibt nur grobe Befehle, während die Elektronik tausende Korrekturen pro Sekunde vornimmt.
Welche Vor- und Nachteile haben Multikopter?
Vorteile sind die einfache Konstruktion ohne komplexe Mechanik, präzise Schwebefähigkeit an einem Punkt und die Möglichkeit, in engem Raum zu manövrieren. Die elektronische Stabilisierung macht sie auch für ungeübte Piloten bedienbar.

Multikopter können senkrecht starten und landen, benötigen also keine Start- oder Landebahn. Sie sind vergleichsweise günstig herzustellen und können modular aufgebaut werden - defekte Komponenten lassen sich leicht austauschen.

Nachteile sind die begrenzte Flugzeit (meist 20-40 Minuten) durch hohen Energieverbrauch, Anfälligkeit bei Wind und Wetter sowie Lärmentwicklung. Bei Ausfall eines Motors wird die Steuerung kritisch, größere Modelle benötigen Redundanz.
Wo werden Multikopter heute eingesetzt?
Luftbildfotografie und Filmproduktion waren die ersten kommerziellen Anwendungen: Multikopter mit stabilisierten Kamerasystemen liefern spektakuläre Aufnahmen, die früher teure Hubschrauberflüge erforderten.

In der Landwirtschaft überwachen Drohnen Felder, erkennen Schädlingsbefall und bringen gezielt Pflanzenschutzmittel aus. Vermessungsingenieure nutzen sie für 3D-Kartierungen, Inspektionsteams prüfen Windkraftanlagen und Stromleitungen.

Rettungsdienste setzen Drohnen zur Personensuche ein, Logistikunternehmen testen Paketzustellung per Multikopter. Auch für medizinische Transporte (Blutproben, Organe) oder als fliegende Taxis werden bemannte und unbemannte Systeme entwickelt.
Wie ist die rechtliche Situation?
In Deutschland und der EU gelten seit 2021 einheitliche Regeln: Drohnen werden nach Gewicht und Risiko klassifiziert. Kleine Modelle unter 250 Gramm dürfen mit wenigen Einschränkungen geflogen werden, schwerere benötigen Registrierung und teilweise Pilotenschein.

Flugverbotszonen umfassen Flughäfen, Menschenansammlungen, Naturschutzgebiete und sensible Einrichtungen. Sichtflug ist vorgeschrieben - der Pilot muss die Drohne jederzeit sehen können. Flüge über 120 Meter Höhe sind grundsätzlich genehmigungspflichtig.

Datenschutz spielt eine wichtige Rolle: Das Fotografieren von Personen oder Privatgrundstücken ohne Erlaubnis ist verboten. Versicherungspflicht besteht für alle Drohnen. Verstöße können mit empfindlichen Bußgeldern geahndet werden.
Zusammenfassung
  • TU Delft entwickelt Algorithmus für koordinierten Drohnentransport
  • Mehrere autonome Drohnen können gemeinsam schwere Lasten transportieren
  • System reagiert in Echtzeit auf Umgebungseinflüsse wie Wind und Bewegung
  • Drohnen tragen die Last an dünnen Kabeln ohne zentrale Steuerung
  • Kinodynamischer Algorithmus berücksichtigt komplexe Wechselwirkungen
  • Testdrohnen reagieren achtmal schneller als mit bisherigen Methoden
  • Technologie ermöglicht präzise Transporte in schwer zugänglichen Gebieten

Siehe auch:


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