5G fällt bei Langzeitstudie durch:
Mehr Versprechen als Leistung

Seit Jahren gilt 5G als das Netz der Zukunft - versprochen wurden Echtzeitkommunikation, autonome Fahrzeuge und virtuelle Welten ohne Verzögerung. Die Antennen stehen, die Technik ist da. Doch eine Langzeitstudie zeigt: 5G ist oft nicht besser als 4G.
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5G im Praxistest: Mehr Versprechen als Leistung?

Ein Forschungsteam unter Beteiligung des IMDEA Networks Institute und der Northeastern University hat es überprüft: Ist das große 5G-Versprechen wahr geworden? Über zwölf Monate sammelten sie Daten in acht Metropolen, von Berlin und Madrid bis nach Boston. Der Fokus lag auf dem Uplink - jener Richtung, in der Geräte Daten ins Netz senden. Für viele der angekündigten Anwendungen ist er entscheidend, denn große Datenmengen müssen in Echtzeit in die Cloud wandern.

Das Ergebnis fällt ernüchternd aus: Zwar ist 5G im Alltag stabil, doch die Überlegenheit gegenüber LTE bleibt aus. In drei Städten war die Latenz tatsächlich niedriger, in drei höher, in zwei etwa gleich. Sogar beim Datendurchsatz im Uplink gab es einen Rückschlag: In einer Stadt schnitt 5G schlechter ab als 4G. Die Forscher betonen, dass von drei Kriterien für ein "reifes" Netz - Stabilität, Überlegenheit, Gleichmäßigkeit - bislang nur die Stabilität erfüllt sei.


Zwar zeigt sich 5G in großen Städten inzwischen stabil, doch von einem durchgängigen Latenzvorteil gegenüber 4G/LTE kann noch keine Rede sein
Khan et al. 2025
Ursache sind weniger technische Grenzen des Standards, sondern die Entscheidungen der Betreiber: Welches Frequenzband genutzt wird, wie dicht die Antennen stehen, ob Edge-Server angebunden sind. Der Unterschied zwischen Marketing und Alltag hängt also vom Ausbau ab - und ist von Stadt zu Stadt deutlich spürbar.

Edge-Investitionen bleiben aus

Einen Ausblick, wie es auch gehen kann, liefert ein Test in Downtown Boston: Dort untersuchten die Forscher 5G im Millimeterwellen-Bereich. Unter diesen Bedingungen lagen die Latenzen deutlich unter den LTE-Werten, die Datenraten stiegen spürbar. Doch solche Verbesserungen wären nur mit dichter Infrastruktur und Edge Computing realisierbar.

Die Studie ("How mature is 5G deployment?", Khan et al. 2025) macht damit deutlich: 5G ist zwar da, doch der große Durchbruch steht noch aus. Unter dem Strich zeigt der Jahresvergleich: Stabilität ja, konsistente Überlegenheit gegenüber 4G nein - und damit bleibt 5G vorerst hinter den ursprünglichen Leistungsversprechen zurück. Ohne gezielte Investitionen in dichten mmWave- und Edge-Ausbau wird 5G vielerorts auf absehbare Zeit nicht konstant schneller oder latenzärmer als LTE arbeiten.

FAQ zu 5G:

Was ist 5G genau?
5G ist die fünfte Generation des Mobilfunkstandards und Nachfolger von 4G/LTE. Der Standard wurde von der ITU definiert und verspricht deutlich höhere Datenraten, geringere Latenz und mehr Verbindungen.

Technisch nutzt 5G verschiedene Frequenzbereiche von unter 1 GHz bis über 24 GHz. Neue Antennentechnologien wie Massive MIMO und Beamforming ermöglichen die verbesserte Leistung.

Der Standard wurde ab 2019 kommerziell eingeführt und soll bis zu 10 Gbit/s Datenrate, unter 1 Millisekunde Latenz und eine Million Geräte pro Quadratkilometer unterstützen.
Welche Vorteile bietet 5G?
Die Datengeschwindigkeiten sind theoretisch bis zu 100-mal schneller als bei 4G. In der Praxis werden oft 1-2 Gbit/s erreicht, was Ultra-HD-Streaming und schnelle Downloads ermöglicht.

Die extrem niedrige Latenz unter 5 Millisekunden macht Echtzeitanwendungen wie autonomes Fahren, Remote-Chirurgie oder industrielle Automation möglich.

Massiv mehr Geräte können gleichzeitig verbunden werden, was für das Internet der Dinge (IoT) und Smart Cities entscheidend ist. Die Netzkapazität steigt um das Hundertfache.
Welche Anwendungen ermöglicht es?
Autonome Fahrzeuge benötigen 5G für Echtzeitkommunikation zwischen Fahrzeugen und Infrastruktur. Vehicle-to-Everything (V2X) wird erst durch niedrige Latenzen praktikabel.

In der Industrie ermöglicht 5G drahtlose Fabrikautomation, Augmented Reality für Wartung und präzise Robotersteuerung. "Industrie 4.0" wird durch 5G-Konnektivität vorangetrieben.

Medizinische Anwendungen umfassen Telemedizin, ferngesteuerte Operationen und Echtzeit-Patientenüberwachung. Auch Virtual und Augmented Reality profitieren von hohen Bandbreiten.
Welche Gesundheitsbedenken gibt es?
Wissenschaftliche Studien der WHO und nationaler Strahlenschutzbehörden fanden bisher keine Belege für Gesundheitsschäden durch 5G-Strahlung unterhalb der Grenzwerte.

5G nutzt teilweise höhere Frequenzen, die weniger tief in Gewebe eindringen als niedrigere Frequenzen. Die Sendeleistung ist oft geringer als bei älteren Standards.

Dennoch werden Langzeitstudien durchgeführt und Grenzwerte regelmäßig überprüft. Verschwörungstheorien über Corona-Verbindungen entbehren jeder wissenschaftlichen Grundlage.
Wie ist der Ausbaustand?
In Deutschland haben alle großen Netzbetreiber 5G-Netze gestartet, die Abdeckung konzentriert sich zunächst auf Städte und Verkehrswege. Ländliche Gebiete folgen schrittweise.

Weltweit führen Südkorea, China und die USA beim 5G-Ausbau. Europa hinkt teilweise hinterher, holt aber auf. Bis 2025 sollen die meisten Industrieländer flächendeckend versorgt sein.

Der Ausbau erfordert viele neue Basisstationen, da höhere Frequenzen geringere Reichweiten haben. Investitionen in Milliardenhöhe sind für den vollständigen Ausbau nötig.
Zusammenfassung
  • 5G-Studie in acht Städten: Stabilität erreicht, Überlegenheit fehlt
  • Uplink-Leistung und Latenz oft nicht besser als LTE
  • Netzwerkausbau entscheidend für tatsächliche 5G-Performance
  • Millimeterwellen zeigen Potenzial für deutliche Verbesserungen
  • Ohne weitere Investitionen erfüllt 5G Versprechen nicht

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