Fehler oder Test? China für eine Stunde vom globalen Web getrennt
In China ist man es zwar gewohnt, dass viele ausländische Webseiten nicht erreichbar sind, doch kürzlich wurde es noch schlimmer: Für mehr als eine Stunde waren nahezu sämtliche Verbindungen über die Landesgrenzen hinweg nicht mehr möglich.
Für hunderte Millionen Internetnutzer im Land bedeutete dies nicht nur den Ausfall gängiger Webseiten, sondern auch den Stillstand zahlreicher Onlinedienste, die auf ausländische Server angewiesen sind, berichtet das Magazin The Register. Besonders problematisch dürfte das für internationale Unternehmen wie Apple oder Tesla gewesen sein, deren Systeme über genau diesen Port grundlegende Funktionen abwickeln.
Ein politischer Anlass für die Abschaltung ist bislang nicht erkennbar. Zwar greift Peking gelegentlich während heikler Ereignisse oder politisch sensibler Momente zu verschärfter Zensur, doch Beobachter konnten diesmal keinen offensichtlichen Grund feststellen.
Es wäre nicht der erste Zwischenfall dieser Art. In der Vergangenheit wurde die "Große Firewall" bereits für technische Pannen und Sicherheitslücken kritisiert. Auch gilt Chinas Zensurapparat insgesamt als weniger lückenlos, als es die Behörden gerne darstellen. Auffällig ist zudem ein zeitlicher Zufall: In Pakistan kam es nur wenige Stunden vor der chinesischen Störung zu einem massiven Rückgang des Internetverkehrs. Experten sehen darin einen möglichen Hinweis, dass auch dort ähnliche Zensurtechnologien im Einsatz sind - Technologien, die China nach eigenem Bekunden an interessierte Staaten weitergibt.
Siehe auch:
HTTPS-Port komplett dicht
Der Vorfall ereignete sich am frühen Mittwochmorgen. Beobachtet wurde die Störung von der Aktivistengruppe Great Firewall Report, die seit Jahren das chinesische Zensursystem überwacht. Nach Angaben der Organisation trat die Unterbrechung zwischen 00:34 Uhr und 01:48 Uhr Pekinger Zeit auf. In diesem Zeitraum habe die sogenannte "Great Firewall" sämtliche Verbindungen über den TCP-Port 443 blockiert - den Standardport für verschlüsselte HTTPS-Verbindungen. Betroffen waren damit praktisch alle Websites und Dienste außerhalb des chinesischen Staatsnetzes.Für hunderte Millionen Internetnutzer im Land bedeutete dies nicht nur den Ausfall gängiger Webseiten, sondern auch den Stillstand zahlreicher Onlinedienste, die auf ausländische Server angewiesen sind, berichtet das Magazin The Register. Besonders problematisch dürfte das für internationale Unternehmen wie Apple oder Tesla gewesen sein, deren Systeme über genau diesen Port grundlegende Funktionen abwickeln.
Ein politischer Anlass für die Abschaltung ist bislang nicht erkennbar. Zwar greift Peking gelegentlich während heikler Ereignisse oder politisch sensibler Momente zu verschärfter Zensur, doch Beobachter konnten diesmal keinen offensichtlichen Grund feststellen.
Ursache unklar
Laut Great Firewall Report wurde die Sperre nicht von bekannten Komponenten der bisherigen Zensur-Infrastruktur eingeläutet. Die Aktivisten halten es daher für möglich, dass entweder ein neues System getestet wurde oder eine Fehlkonfiguration vorlag. Manche Beobachter vermuten, die Behörden hätten gezielt erprobt, ob sich Port 443 im Notfall komplett sperren ließe - eine Fähigkeit, die der Führung in Peking durchaus nützlich erscheinen könnte.Es wäre nicht der erste Zwischenfall dieser Art. In der Vergangenheit wurde die "Große Firewall" bereits für technische Pannen und Sicherheitslücken kritisiert. Auch gilt Chinas Zensurapparat insgesamt als weniger lückenlos, als es die Behörden gerne darstellen. Auffällig ist zudem ein zeitlicher Zufall: In Pakistan kam es nur wenige Stunden vor der chinesischen Störung zu einem massiven Rückgang des Internetverkehrs. Experten sehen darin einen möglichen Hinweis, dass auch dort ähnliche Zensurtechnologien im Einsatz sind - Technologien, die China nach eigenem Bekunden an interessierte Staaten weitergibt.
Zusammenfassung
- Chinas Internet war über eine Stunde vom globalen Netz abgeschnitten
- Sämtliche verschlüsselte HTTPS-Verbindungen über Port 443 wurden blockiert
- Internationale Unternehmen wie Apple und Tesla waren besonders betroffen
- Great Firewall Report vermutet Test eines neuen Systems oder Fehlkonfiguration
- Kein erkennbarer politischer Anlass für die landesweite Internetsperre
- Ähnlicher Vorfall in Pakistan deutet auf möglichen Export chinesischer Zensurtechnik
- Chinas Behörden könnten Notfallsperren für den gesamten Port 443 getestet haben
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Christian Kahle
Redakteur bei WinFuture
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