Solarbranche: Wirtschaftsministerin gefährdet 150.000 Arbeitsplätze

Die jüngsten Äußerungen aus dem Bundeswirtschaftsministerium über die Fotovoltaik sind "nicht nur ein klimapolitisches Desaster, sondern auch ein Schlag ins Gesicht des deutschen Mittelstandes". Das sagt die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS).
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Fast 5 Millionen PV-Anlagen

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) und ihre Mitarbeiter fielen zuletzt mehrfach damit auf, die Energiewende massiv bremsen zu wollen. Es fielen Aussagen wie: "Wir haben zu viel Erneuerbare umgesetzt", "Fotovoltaik hat energiewirtschaftlich keine Bedeutung" oder "Wir können den Ausbau zeitlich strecken". Reiche will insbesondere auch den Ausbau dezentraler kleiner Solaranlagen deutlich erschweren.

Aus Sicht der Solarbranche in Deutschland gefährdet das nicht nur die Glaubwürdigkeit der deutschen Klimapolitik, sondern auch Arbeitsplätze und Investitionen. Immerhin hingen bundesweit rund 150.000 Arbeitsplätze am Fotovoltaik-Ausbau - das beginnt bei Anlagen-Herstellern und reicht bis weit ins Handwerk. Die Aussagen "widersprechen zudem der Realität - wissenschaftlich, wirtschaftlich und gesellschaftlich", hieß es.


In einem offenen Brief ans Ministerium weist die DGS darauf hin, dass fast 5 Millionen PV-Anlagen verschiedener Größenklassen Millionen Haushalte mit Strom versorgen. Rund 14 Prozent des öffentlichen Stroms kämen inzwischen aus der Fotovoltaik. Und da die laufenden Anlagen gelegentlich auch Wartungen benötigen, sind sie nicht nur energie-, sondern auch gesamtwirtschaftlich ein Faktor.

Die DGS verwies darauf, was geschah, als ein Vorgänger Reiches in den Jahren 2010 bis 2012 schon einmal gegen die Fotovoltaik agierte und den Jahreszubau von 7 Gigawatt auf 1 Gigawatt drückte: "Durch das politische Abwürgen wurden große Industrieplayer in die Insolvenz getrieben, viele kleine Firmen ebenso. Der Schaden - nicht nur beim Image als Technologiestandort, sondern auch wirtschaftlich - war und ist enorm. Zehntausende von Arbeitsplätzen sind damals verloren gegangen."

Zu viele Gaskraftwerke

Die DGS widersprach auch Reiches Plänen, massenhaft neue Gaskraftwerke mit 20 Gigawatt Leistung bauen zu wollen. "Dass jetzt aber ein massiver Ausbau von fossilen Gaskraftwerken erfolgen soll, wäre ein gewaltiger Rückschritt, nicht zu vergessen ein langwieriges Verfahren: Wir gehen davon aus, dass große Batteriespeicher um Jahre schneller errichtet werden können als neue, komplexe Fossil-Kraftwerke, die nach aktuellem Stand bislang nicht einmal H2-ready sein müssen."

Der Verband warnte in diesem Zusammenhang insbesondere davor, dass die hohen Subventionen für den Bau der Gaskraftwerke letztlich dazu führen, Deutschland langfristig an die fossile Energieversorgung zu ketten. Denn die hohen Investitionen würden letztlich dazu führen, dass die Anlagen für die nächsten 30 bis 40 Jahre laufen müssen.

Zusammenfassung
  • Katherina Reiche will Energiewende bremsen und den PV-Ausbau erschweren
  • Solarbranche sieht 150.000 Arbeitsplätze in Deutschland gefährdet
  • Bereits 5 Millionen PV-Anlagen liefern 14 Prozent des öffentlichen Stroms
  • Frühere Einschnitte führten zu Insolvenzen und Arbeitsplatzverlust
  • DGS kritisiert den geplanten Ausbau fossiler Gaskraftwerke als Rückschritt
  • Subventionen für Gaskraftwerke könnten Deutschland für Jahrzehnte binden

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