Wie Japan mit Next-Gen-Solarzellen die Energierevolution schaffen will

Die Energiewende in Japan findet nicht nur auf Feldern oder Dä­chern statt - sondern bald auch an Glasfassaden in Tokio. Japan setzt stark auf eine neue Generation von Solar-Panels, die sich wie Folie verarbeiten lassen und dennoch Strom erzeugen.
Forschung, Wissenschaft, Technologie, Japan, Labor, Energiewende, Innovation, Klimaschutz, Zukunftstechnologie, Solarenergie, Photovoltaik, nachhaltigkeit, Solarzelle, Solarmodul, Hightech, erneuerbare energie, Perowskit, Perowskit Solarzellen

Japans Solarwandel: Dünne statt schwer und klobig

Rund um den Globus boomt die Solarenergie. Japan geht dabei gezielt einen besonderen Weg - mit einem Fokus auf ultradünnen Perowskit-Solarzellen, großem politischem Ehrgeiz und der Hoffnung, sich von Chinas Vormachtstellung in der Branche unabhängiger zu machen. Ein aktueller Kommentar auf TechXplorer zeichnet das Bild eines Landes, das mit Hightech gleich mehrere Wenden herbeiführen will.

Aber warum Perowskit-Zellen? Sie sind nicht nur leicht und flexibel, sie lassen sich auch auf unebenen oder gekrümmten Flächen anbringen. Für ein Land wie Japan, dessen Landesfläche zu rund 70 Prozent aus Gebirgen besteht, ist das ein entscheidender Vorteil. Herkömmliche Silizium-Module benötigen im Idealfall ebene Flächen und massive Trägerstrukturen. Perowskit hingegen kann direkt auf Fenster, Fassaden oder Dächer aufgetragen werden.


Der technologische Unterschied liegt im Aufbau: Während Siliziumzellen aus starren Kristallscheiben bestehen, wird Perowskit als dünne lichtaktive Schicht - unter anderem aus Iod und Blei - auf eine Trägerfolie oder Glasoberfläche aufgetragen. Das Ergebnis ist oft weniger als ein Millimeter dick und rund zehnmal leichter als herkömmliche Solarzellen.

Die Regierung in Tokio ist sich sicher, dass diese Art der deutlich breiter einsetzbaren Zellen die Energiewende in Japan möglich machen wird. Allein der Kunststoffkonzern Sekisui Chemical erhält umgerechnet rund eine Milliarde Dollar für den Bau einer Produktionslinie, die bis 2027 Panels für 100 Megawatt liefern soll - genug für etwa 30.000 Haushalte. Bis 2040 will Japan auf 20 Gigawatt Gesamtkapazität kommen, was etwa 20 Kernkraftwerken entspricht. Panasonic Perowskit-SolarzellenPerowskit-Zellen von Panasonic - schon im Einsatz in ersten Gebäuden

Es gibt Hürden

Doch es bleiben Hürden: Perowskit-Zellen sind bisher weniger effizient als Silizium und halten nur rund zehn Jahre. Zudem stellt das enthaltene Blei ein Umweltproblem dar. Laut Phys.org arbeiten Labore jedoch an langlebigeren Varianten, die bald 20 Jahre durchhalten könnten - erste Prototypen erreichen bereits fast die Leistung klassischer Module.

Langfristig geht es um mehr als Technik. In den 2000er-Jahren war Japan bei Solarzellen weltweit mit an der Spitze, inzwischen kontrolliert China über 80 Prozent der globalen Produktionskette. Mit Perowskit will Japan nicht nur die Energiewende beschleunigen, sondern auch geopolitische Spielräume zurückgewinnen.

Wie viele PV-Anlagen gibt es in DE?
Im März 2025 waren in Deutschland rund 4,2 Millionen Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von etwa 98.300 Megawatt installiert. Dies entspricht einer Zunahme von 23,7 Prozent bei der Anzahl der Anlagen im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Bemerkenswert ist, dass in dieser Statistik nur Anlagen erfasst werden, die in die öffentlichen Versorgungsnetze einspeisen und über einen entsprechenden Stromzähler verfügen. Kleinere Anlagen wie die sogenannten Balkonkraftwerke werden in der Regel nicht mitgezählt.
Wie viel Strom liefert Solarenergie?
Im Jahr 2024 wurden durch Photovoltaikanlagen in Deutschland rund 59,5 Millionen Megawattstunden Strom ins Netz eingespeist. Dies entspricht einem Anteil von 13,8 Prozent an der gesamten inländischen Stromproduktion - ein neuer Höchstwert gegenüber 12,0 Prozent im Jahr 2023.

Der bisherige Rekordmonat für Solarstrom in Deutschland war der Juli 2024. In diesem Monat wurden knapp 8,7 Millionen Megawattstunden erzeugt, was mehr als ein Viertel (27,4 Prozent) des gesamten eingespeisten Stroms in jenem Monat ausmachte.
Woher kommen unsere PV-Anlagen?
China ist mit Abstand das wichtigste Herkunftsland für Photovoltaikanlagen in Deutschland. Im Jahr 2024 kamen 85,8 Prozent aller nach Deutschland importierten PV-Anlagen aus der Volksrepublik. Mit deutlichem Abstand folgten die Niederlande (7,5 Prozent) und Dänemark (1,2 Prozent).

Der Importwert von Photovoltaikanlagen war 2024 mehr als dreimal so hoch wie der Exportwert aus Deutschland. In den ersten vier Monaten 2025 ist der Wert der eingeführten Solarzellen und -module gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 21,5 Prozent auf gut 402 Millionen Euro gesunken.
Wie steht es um heimische Produktion?
Die Produktion von Solarmodulen in Deutschland ist im ersten Quartal 2025 drastisch zurückgegangen. Gegenüber dem Vorjahresquartal sank die Zahl der produzierten Module um mehr als die Hälfte (50,7 Prozent) auf gut 227.000 Stück.

Bereits 2024 war die Produktion deutlich eingebrochen. Es wurden nur noch gut 1,5 Millionen Solarmodule zum Absatz produziert - eine Halbierung (-56,2 Prozent) gegenüber 2023, als noch knapp 3,5 Millionen Module hergestellt wurden.
Wächst der Solarmarkt weiter?
Trotz steigender Installationszahlen gibt es Anzeichen für eine Abkühlung des Marktes. In den ersten vier Monaten 2025 sind die Importe von Photovoltaikanlagen stark zurückgegangen - um mehr als ein Fünftel (21,5 Prozent) gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Auch die Exporte verzeichneten einen Rückgang von knapp einem Drittel (32,9 Prozent). Bereits 2024 hatte sich der Importwert gegenüber dem Vorjahr knapp halbiert (-49,2 Prozent), was auf eine gewisse Marktsättigung oder veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen hindeuten könnte.
Was sind Balkonkraftwerke?
Balkonkraftwerke sind kleine Photovoltaikanlagen, die meist an Balkonen oder auf Terrassen installiert werden und direkt in den Stromkreis der Wohnung einspeisen. Sie tauchen in der offiziellen Statistik in der Regel nicht auf, da sie oft keine eigenen Stromzähler für die Einspeisung besitzen.

Diese Mini-Solaranlagen erfreuen sich wachsender Beliebtheit, da sie auch Mietern die Möglichkeit bieten, eigenen Solarstrom zu erzeugen. Ihr Beitrag zur Gesamtstromerzeugung dürfte jedoch vergleichsweise gering sein.
Wie sieht es bei Solarthermie aus?
Bei Solarkollektoren, die Sonnenenergie in Wärme umwandeln, fiel der Produktionsrückgang im ersten Quartal 2025 weniger drastisch aus als bei Photovoltaikmodulen. Die Produktion sank um 10,3 Prozent auf rund 19.100 Stück gegenüber knapp 21.300 im Vorjahresquartal.

Im Gesamtjahr 2024 wurden in Deutschland knapp 88.900 Solarkollektoren produziert, was einem Rückgang von mehr als der Hälfte (53,7 Prozent) gegenüber 2023 (192.000 Stück) entspricht. Dies deutet auf eine insgesamt rückläufige Entwicklung im Bereich der solarthermischen Anwendungen hin.
Wohin exportiert Deutschland PV?
Deutsche Photovoltaikanlagen gehen hauptsächlich in europäische Nachbarländer. Die wichtigsten Abnehmer im Jahr 2024 waren Österreich (12,8 Prozent), Italien (11,3 Prozent) und die Schweiz (11,2 Prozent).

Im vergangenen Jahr wurden Photovoltaikanlagen im Wert von gut 510 Millionen Euro exportiert - mehr als die Hälfte (56,6 Prozent) weniger als ein Jahr zuvor. Der Exportwert in den ersten vier Monaten 2025 sank weiter auf knapp 127 Millionen Euro, ein Rückgang von 32,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Zusammenfassung
  • Japan setzt stark auf ultradünne Perowskit-Solarzellen für die Energiewende
  • Die flexiblen Solarzellen können auf gekrümmten Flächen angebracht werden
  • Perowskit wird als dünne lichtaktive Schicht auf Trägerfolien aufgetragen
  • Japans Regierung investiert eine Milliarde Dollar in neue Produktionslinien
  • Bis 2040 strebt Japan eine Gesamtkapazität von 20 Gigawatt an
  • Aktuelle Herausforderungen sind geringere Effizienz und kürzere Lebensdauer
  • Japan will mit dieser Technologie geopolitische Unabhängigkeit von China gewinnen

Siehe auch:
Jetzt einen Kommentar schreiben


Alle Kommentare zu dieser News anzeigen
Tipp einsenden
❤ WinFuture unterstützen
Sie wollen online einkaufen? Dann nutzen Sie bitte einen der folgenden Links, um WinFuture zu unterstützen: Vielen Dank!