Bereut die Politik ihre Pläne? Schweiz will die UKW-Abschaltung stoppen

Die Schweiz galt bislang als Vorreiter beim Umstieg auf digitale Radiotechnologien. Doch nun könnte es zu einer überraschenden Kehrtwende kommen. Ursprünglich wollte die Schweiz als erstes Land weltweit komplett von UKW Abschied nehmen.
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Schweiz denkt über UKW-Zukunft neu nach

Aktuell überdenkt die Politik die Entscheidung, das UKW-Aus bis Ende 2026 durchzusetzen. Die zuständige Nationalratskommission hat eine Einreichung an den Bundesrat gegeben, die zum Verzicht auf das geplante Ende aufruft. Stattdessen sollen die aktuellen UKW-Funkkonzessionen verlängert oder neu ausgeschrieben werden.

Wie der SRF berichtet, verzeichnen einige Sender der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft SRG gut 25 Prozent Hörer weniger als vor der Abschaltung der UKW-Sender. Dort hatte man vor allem die Lokalsender eingestellt. Gewinner sind aktuell die Privatradios, teils auch Sender aus den Nachbarländern.


Dabei zeigt sich jetzt aber auch ein großes Problem, denn die Digitalisierung in den Haushalten schreitet nicht so schnell voran, wie die Hörer verloren gehen. Das dürfte auch in Deutschland zu einem Problem werden da UKW-Radios einfach noch weiterhin bei Radio-Hörern weitverbreitet sind.

Private Sender profitieren vom SRG-Exodus

Die SRG-Führung betont zwar, dass man weiterhin Marktführer bleibe und davon ausgehe, "dass sich die Nutzungszahlen mit der fortschreitenden Digitalisierung erholen werden".

Gewinner sind aktuell die privaten Schweizer Sender. Radio 1 soll nach der UKW-Abschaltung der SRG etwa 50 Prozent an Hörern dazugewonnen haben. Bei Radio Pilatus sind es 20 und bei Radio 24 16 Prozent. Ähnlich viele der ehemaligen SRG-Hörer haben auf ausländische Stationen gewechselt, die nach der Freigabe der international koordinierten Schweizer UKW-Frequenzen überall deutlich besser empfangbar sind als zuvor.

Finanzielle Aspekte und Zukunftsaussichten

Die SRG hatte sich bewusst gegen die vom Bundesrat vor einem Jahr erteilte Gnadenfrist für UKW bis 2026 entschieden. Weil immer weniger UKW-Geräte im Gebrauch seien und der Erhalt der veralteten Infrastruktur teuer sei, hatte sich der Verwaltungsrat für die UKW-Abschaltung Ende 2024 entschieden. Die SRG spart damit nach eigenen Angaben rund 15 Millionen Franken pro Jahr.

Wenn die privaten Sender bis Ende 2026 ihre UKW-Sender auch abschalten müssten, dürfte das allerdings für viele das Ende sein, wenn sie ihre Hörerverluste nicht auffangen. Privatradios sollten daher die Möglichkeit bekommen, nun doch über 2026 hinaus das analoge UKW-Band zu nutzen.

DAB+ bietet Vor- und Nachteile

Technisch bietet DAB+ durchaus Vorteile gegenüber der analogen UKW-Technologie. Das Empfangsgebiet bei Privatradios ist deutlich größer und die Tonqualität besser als bei UKW.

Was meint ihr zum möglichen Ausstieg aus dem UKW-Ausstieg? Nutzt ihr noch UKW-Radios oder seid ihr bereits komplett auf DAB+ oder Internetradio umgestiegen? Teilt eure Erfahrungen in den Kommentaren!

Wird UKW in der Schweiz doch nicht abgeschaltet?
Der geplante UKW-Ausstieg zum 31. Dezember 2026 steht auf der Kippe. Eine Motion der Nationalratskommission fordert, das Ende des analogen Radios zu verschieben oder die Lizenzen neu auszuschreiben. Der Entscheid fiel äußerst knapp - der Stichentscheid des Kommissionspräsidenten gab den Ausschlag.

Der Bundesrat und der Ständerat müssen der Motion noch zustimmen. Sollte dies geschehen, könnten private Radios über 2026 hinaus auf UKW senden. Die Schweiz wäre damit nicht länger das erste Land, das UKW komplett abschaltet.
Warum wird der UKW-Ausstieg infrage gestellt?
Hauptgrund ist der massive Hörerverlust der SRG nach der UKW-Abschaltung. Laut SRG gingen im ersten Quartal 2025 rund sechs Prozent Marktanteil verloren - das entspricht etwa einem Viertel der Hörerbasis.

Für private Sender, die stark von Werbeeinnahmen abhängig sind, wären solche Verluste existenzbedrohend. Zudem befürchtet man, dass Hörer zu ausländischen UKW-Sendern abwandern, etwa aus Frankreich.
Welche Sender kämpfen für den Erhalt von UKW?
Besonders aktiv ist Radiopionier Roger Schawinski mit Radio 1. Auch viele Privatsender in der Romandie setzen sich für den Fortbestand von UKW ein. Sie fürchten Konkurrenz durch französische Sender, die weiterhin analog senden.

Diese Sender argumentieren, dass nicht alle Hörer auf DAB+ oder Internet umsteigen wollen oder können - insbesondere ältere Menschen und Autofahrer mit älteren Geräten.
Welche Alternativen zur UKW-Verlängerung gibt es?
Sollte die UKW-Abschaltung nicht komplett aufgehoben werden, sieht die Motion zumindest ein neues Ausschreibungsverfahren für UKW-Lizenzen ab 2027 vor. So könnten Sender weiterhin analog senden - aber mit neuer Genehmigung.

Diese Option würde Planungssicherheit für Radiobetreiber schaffen, ohne den ursprünglichen Digitalisierungsplan komplett zu kippen.
Wie stark ist UKW in der Schweiz noch verbreitet?
Laut aktuellen Zahlen nutzen nur noch rund 8 Prozent der Bevölkerung UKW als einzigen Empfangsweg. Dennoch bleibt UKW relevant - vor allem für ältere Geräte, in Autos oder in Regionen mit schlechter DAB+-Abdeckung.

Die geringe Nutzung wird von Gegnern der Bewegung als Argument für den geplanten Ausstieg genutzt. Befürworter sehen darin jedoch keinen Grund, bestehende Hörergruppen auszuschließen.
Wie geht es jetzt politisch weiter?
Die Motion wurde nur von der Nationalratskommission verabschiedet. Damit sie wirksam wird, müssen nun der Bundesrat und der Ständerat zustimmen. Erst dann kann das Ausstiegsdatum 2026 offiziell aufgehoben oder verschoben werden.

Der Entscheid könnte Signalwirkung haben - sowohl für andere Länder als auch für die Schweizer Medienlandschaft. Ein endgültiger Beschluss wird frühestens Ende 2025 erwartet.
Welche Rolle spielt der Höreranteil der SRG?
Die SRG verlor nach der UKW-Abschaltung sechs Prozent Marktanteil und rund ein Viertel ihrer Hörer. Dennoch bleibt sie mit 53 Prozent Marktführer. Die SRG geht davon aus, dass sich die Zahlen durch digitale Kanäle wieder erholen.

Für private Sender wäre ein solcher Rückgang jedoch kritisch. Ihre Refinanzierung durch Werbung hängt stark von stabilen Hörerzahlen ab.
Zusammenfassung
  • Schweiz überdenkt geplante UKW-Abschaltung und erwägt Verlängerung
  • SRG-Sender verzeichnen seit teilweiser UKW-Abschaltung 25 Prozent weniger Hörer
  • Private und ausländische Sender gewinnen deutlich an Hörerzahlen hinzu
  • Digitalisierung in Haushalten schreitet langsamer voran als erwartet
  • SRG spart durch UKW-Abschaltung jährlich rund 15 Millionen Franken
  • DAB+ bietet größeres Empfangsgebiet und bessere Tonqualität als UKW

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