"Verschollen" im All:
Sowjet-Sonde fällt bald unkontrolliert auf die Erde

Eine sowjetische Sonde von 1972 wird voraussichtlich Mitte Mai zur Erde zurückkehren. Da das Gerät für die harte Venus-Atmosphäre konzipiert wurde, könnte es den Wiedereintritt überstehen und wie ein Meteorit mit etwa 250 km/h auf die Erdoberfläche aufschlagen.
Weltraum, Satellit, Sonde, Absturz, CCCP
WinFuture/KI-generiert

Sowjetische Venus-Sonde droht auf die Erde zu stürzen

Eine sowjetische Raumsonde, die eigentlich für die Landung auf der Venus konzipiert war, wird nach 53 Jahren im Erdorbit voraussichtlich um den 10. Mai 2025 auf die Erde zurückkehren. Die etwa 500 Kilogramm schwere Landekapsel der "Kosmos 482"-Mission könnte dabei den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre überstehen und "wie ein Meteorit" auf die Erdoberfläche aufschlagen, so Experten.

Die Sonde wurde 1972 von der Sowjetunion gestartet, schaffte es jedoch aufgrund eines vorzeitigen Abschaltens der Oberstufe nie über den Erdorbit hinaus. Während ihre Schwestermission Venera 8 im selben Jahr erfolgreich auf der Venus landete und 50 Minuten lang Daten übermittelte, kreist Kosmos 482 seit über fünf Jahrzehnten um die Erde.

Ungewöhnlich robust

Der niederländische Satellitenbeobachter Marco Langbroek von der Delft University of Technology verfolgt laut Space die Flugbahn des Objekts seit Jahren. "Da dies ein Lander ist, der für den Durchgang durch die Venus-Atmosphäre konzipiert wurde, ist es möglich, dass er den Wiedereintritt durch die Erdatmosphäre intakt übersteht und aufschlägt", erklärt Langbroek in seinem Blog. Die Sonde besteht u. a. aus einer kugelförmigen Landekapsel, die in einer dickwandigen Titanhülle untergebracht ist, die als Hitzeschild dient.


Die Landekapsel mit einem Durchmesser von etwa einem Meter könnte mit einer Geschwindigkeit von rund 250 km/h auf die Erde treffen. "Die Risiken sind nicht besonders hoch, aber nicht null", so Langbroek. Das Risiko sei vergleichbar mit dem Einschlag eines Meteoriten.

Zeitpunkt und Einschlagsort unklar

Wo genau die taumelnde Sonde abstürzen könnte, bleibt unklar. "Mit einer Bahnneigung von 51,7 Grad kann der Wiedereintritt überall zwischen dem 52. Grad nördlicher und dem 52. Grad südlicher Breite erfolgen", erläutert Langbroek. Dies umfasst ein Gebiet, das sich von Großbritannien im Norden bis Neuseeland im Süden erstreckt.

Die Vorhersagen zum genauen Zeitpunkt des Wiedereintritts werden präziser, je näher das Ereignis rückt. Allerdings werden selbst am Tag des Absturzes erhebliche Unsicherheiten bestehen bleiben. Die erhöhte Sonnenaktivität in der aktuellen Phase führt zu einer Erwärmung und Ausdehnung der Erdatmosphäre, was den atmosphärischen Widerstand erhöht und orbitale Objekte schneller an Höhe verlieren lässt.

Das sowjetische Venusprogramm

Die Kosmos 482-Mission war Teil des ambitionierten sowjetischen Venera-Programms, das zwischen 1961 und 1984 insgesamt 16 Missionen zur Venus umfasste. Die Sowjetunion war die erste Nation, die erfolgreich Sonden auf der Venusoberfläche landete - eine bemerkenswerte technische Leistung angesichts der extremen Bedingungen auf dem Planeten mit Temperaturen von über 460 Grad Celsius und einem Atmosphärendruck, der 92-mal höher ist als auf der Erde.

Zusammenfassung
  • Sowjetische Venus-Sonde von 1972 kehrt voraussichtlich im Mai 2025 zurück
  • 500 kg schwere Landekapsel könnte Wiedereintritt in Erdatmosphäre überleben
  • Sonde kreist seit über 50 Jahren im Erdorbit nach fehlgeschlagener Mission
  • Möglicher Einschlag mit 250 km/h, vergleichbar mit einem Meteoriten
  • Landepunkt zwischen 52° nördlicher und 52° südlicher Breite möglich
  • Genaue Vorhersage des Wiedereintritts bleibt bis zuletzt unsicher
  • Teil des sowjetischen Venera-Programms mit 16 Missionen von 1961 bis 1984

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