Nature: Wissenschaftler verlassen die USA in immer größerer Zahl

Die US-amerikanische Wissenschaftslandschaft steht unter Druck: Immer mehr Forscher suchen nach beruflichen Alternativen im Ausland, nachdem die aktuelle US-Regierung immer mehr Kürzungen vornimmt und die Wissenschaftsfreiheit abschafft.
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Beispielloser Exodus

Zwischen Januar und März 2025 stieg die Zahl der Bewerbungen von US-Wissenschaftlern auf internationale Stellen um 32 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders auffällig war der Anstieg im März: Die Aufrufe internationaler Stellenangebote schnellten im Vergleich zum Vorjahr um 68 Prozent nach oben - just in dem Monat, in dem die Regierung ihre Kürzungen weiter verschärfte. Das geht aus Daten der Jobplattform Nature Careers hervor, die zum renommierten Journal Nature gehört.

Ein besonders drastisches Beispiel: Über 200 Bundesstipendien für die HIV- und AIDS-Forschung wurden im März plötzlich gestrichen. Auch COVID-19-Projekte verloren Mittel, und das renommierte Columbia University musste wegen propalästinensischer Proteste Kürzungen in Höhe von 400 Millionen Dollar hinnehmen. James Richards vom Springer-Nature-Karriereteam spricht inzwischen von einem "beispiellosen Exodus", der davon ausgelöst wurde.


Andere Länder reagieren auf die Vorgänge in den USA: So hat die Universität Aix-Marseille in Frankreich mit dem Programm "Safe Place for Science" gezielt US-Forschende angesprochen. 15 Millionen Euro wurden bereitgestellt, um 15 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aufzunehmen, die durch politische Eingriffe in ihrer Arbeit behindert werden. Die Resonanz war überwältigend: 298 Bewerbungen gingen ein, 70 Prozent davon aus den USA.

Ähnliche Entwicklungen zeigen sich in Deutschland. Die Max-Planck-Gesellschaft kündigte Anfang April ein neues transatlantisches Programm an, das geflüchteten Forschenden neue Perspektiven bieten soll - etwa durch zusätzliche Postdoc-Stellen und sogar Direktorenposten.

Mehr als nur eine Option

Für viele US-Wissenschaftler ist der Schritt ins Ausland mehr als nur eine Option - es ist eine Notwendigkeit. Die Chemieingenieurin Valerie Niemann etwa verließ kürzlich Stanford und wechselte in die Schweiz. "Wir wissen nicht mehr, wie lange unsere Stellen existieren", sagte sie. Auch Biostatistiker Xiao Wu äußert sich besorgt: Seine erste Förderung durch das National Institutes of Health wurde nur drei Monate nach Bewilligung gestrichen. "Ohne diese Mittel ist meine berufliche Zukunft ernsthaft bedroht", erklärte er.

Der internationale Wissenschaftsstandort USA, lange Zeit ein Magnet für Talente aus aller Welt, könnte nun selbst zum Exporteur von Fachkräften werden. Mittel- bis langfristig wird auch die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit darunter leiden, wenn Forscher außer Landes getrieben werden.

Zusammenfassung
  • US-Wissenschaftler bewerben sich vermehrt auf internationale Stellen
  • Kürzungen und Einschränkungen der Wissenschaftsfreiheit treiben Forscher weg
  • Drastische Beispiele: Streichung von HIV-Forschungsstipendien und Kürzungen
  • Andere Länder reagieren mit gezielten Programmen für US-Wissenschaftler
  • Max-Planck-Gesellschaft bietet geflüchteten Forschern neue Perspektiven
  • Für viele US-Forscher wird der Schritt ins Ausland zur Notwendigkeit
  • USA könnte vom Wissenschaftsmagnet zum Exporteur von Fachkräften werden

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