Experten zweifeln stark an Sicherheit der elektronischen Patientenakte

Die elektronische Patientenakte (ePA) sollte Anfang 2025 bundes­weit eingeführt werden. Doch nach mehreren Verzögerungen wird der Start erneut verschoben. Sicherheitsbedenken und technische Probleme bremsen das Prestigeprojekt aus.
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Digitalisierung der Patientenakte

Die Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) verläuft weiterhin holprig. Nach mehreren Verschiebungen wird der ursprünglich für Januar 2025 geplante bundesweite Start des digitalen Gesundheitsprojekts erneut verschoben.

Geplant war der Test der ePA in ausgewählten Modellregionen, gefolgt von einem flächendeckenden Rollout. Inzwischen haben sich die Termine auf Februar und April verschoben, und der genaue Zeitpunkt der flächendeckenden Einführung ist derzeit unklar. Die Verzögerungen sind auf zahlreiche Faktoren zurückzuführen. In den Testregionen Hamburg, Franken und Nordrhein-Westfalen wurden erhebliche Mängel festgestellt.


Viele Praxisverwaltungssysteme in Arztpraxen sind bisher nicht mit den erforderlichen ePA-Modulen ausgestattet. Technische Fehler treten bei etwa zehn Prozent aller Zugriffe auf, und aufgrund der hohen Auslastung der Hotlines der Softwareanbieter können Probleme nicht zeitnah gelöst werden. Ein zentrales Anliegen sind die anhaltenden Sicherheitsbedenken.

Experten des Chaos Computer Clubs haben Ende 2024 demonstriert, dass Drittparteien mit geringem Aufwand Zugriff auf elektronische Patienten­akten erlangen können. Laut der Ärztezeitung bestehen auch an den Sicherheits­versprechen des Bundesgesundheits­ministeriums weiterhin Zweifel. Die Sicherheits­expertin Bianca Kastl äußerte, dass die bisher angedachten Updates "grundsätzlich ungeeignet" seien, um die entdeckten Sicherheits­mängel zu beheben.

Datenschutzbeauftragte fordert Verbesserung

Bundesdatenschutzbeauftragte Louisa Specht-Riemenschneider sieht ebenfalls Handlungsbedarf. Insbesondere bei der elektronischen Patientenakte für Kinder und Jugendliche bestehen noch erhebliche Datenschutzprobleme.

Der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte hat Patienten geraten, Widerspruch einzulegen. Specht-Riemenschneider hat die Problematik zwar erkannt, verweigert jedoch eine klare Empfehlung für oder gegen die ePA. Statt eines sofortigen bundesweiten Rollouts plant das Bundesgesundheits­ministerium nun die sogenannte gestaffelte "Hochlaufphase".

In dieser Phase soll die Nutzung für Ärzte zunächst freiwillig sein, wobei Sanktionen später eingeführt werden können. Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen schlägt vor, die Tests nach Schließen der Sicherheitslücken auf freiwillige Praxen außerhalb der Modellregionen auszuweiten. Die Ärzteschaft zeigt sich positiv gegenüber der Verschiebung, da fast 72 Prozent der Arztpraxen berichten, dass die Arbeit mit der ePA weniger erfolgreich verlaufe als erwartet.

Was haltet ihr von der elektronischen Patientenakte? Überwiegen für euch die Vorteile der digitalen Gesundheitsdaten oder seid ihr wegen der Sicherheitsbedenken skeptisch? Teilt eure Meinung in den Kommentaren!

Was ist die ePA überhaupt?
Die elektronische Patientenakte (ePA) ist ein digitales System, in dem alle wichtigen Gesundheitsdaten zentral gespeichert werden. Dazu gehören Diagnosen, Arztbriefe, Medikamentenlisten und sonstige medizinische Informationen.

Seit Mitte Januar 2025 wird die ePA automatisch für alle gesetzlich Versicherten angelegt. Die Nutzung ist freiwillig - Versicherte können der Einrichtung widersprechen oder die Akte später löschen lassen. Aktuell läuft die Testphase in drei Modellregionen: Hamburg, Franken und Nordrhein-Westfalen.
Kann ich der ePA widersprechen?
Ja, Sie können der elektronischen Patientenakte jederzeit bei Ihrer Krankenkasse widersprechen. In diesem Fall wird die Akte gar nicht erst angelegt oder - falls bereits vorhanden - mit allen Daten gelöscht.

Die bisherigen Widerspruchsquoten liegen je nach Krankenkasse zwischen 3,8 und 7 Prozent. Dies ist deutlich niedriger als die ursprünglich vom Gesundheitsministerium geschätzten 20 Prozent. Interessant: Etwa 15 Millionen Versicherte kennen die Patientenakte noch gar nicht.
Wann startet die ePA bundesweit?
Der bundesweite Start der elektronischen Patientenakte wurde auf frühestens Anfang April 2025 verschoben. Aktuell läuft der Testbetrieb in ausgewählten Modellregionen mit etwa 300 Praxen und Krankenhäusern.

Weitere wichtige Funktionen, wie der elektronische Medikationsplan, werden sogar erst ab März 2026 verfügbar sein. Auch die Datenweitergabe zu Forschungszwecken und erweiterte Suchfunktionen sind erst für das Frühjahr 2026 geplant.
Wie sicher sind meine Daten?
Ende 2024 deckte der CCC gravierende Sicherheitslücken im ePA-System auf. Besonders kritisch: Mit Zugriff auf einen Heilberufsausweis konnten unbefugte Personen auf die Patientenakten zugreifen.

Zusätzlich gab es einen Datenschutzvorfall bei der D-Trust GmbH, die die Heilberufsausweise ausgibt. Dabei könnten persönliche Daten von Ärzten und Therapeuten in falsche Hände geraten sein. Das Bundesgesundheitsministerium arbeitet nun mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik an verbesserten Sicherheitslösungen.
Zusammenfassung
  • Einführung der elektronischen Patientenakte erneut verschoben
  • Erhebliche Mängel in Testregionen und technische Probleme festgestellt
  • Sicherheitsbedenken: Zugriff für Dritte mit geringem Aufwand möglich
  • Datenschutzprobleme bei ePA für Kinder und Jugendliche noch ungelöst
  • Bundesgesundheitsministerium plant gestaffelte 'Hochlaufphase'
  • Kassenärztliche Vereinigung schlägt Tests in freiwilligen Praxen vor
  • 72 Prozent der Arztpraxen berichten von weniger erfolgreicher Arbeit

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