Start der elektronischen Patientenakte (ePA) verzögert sich erneut

Die elektronische Patientenakte verzögert sich erneut. Der bundes­weite Start soll nun frühestens Anfang April erfolgen. Technische Probleme und Sicherheitsbedenken bremsen das Mammutprojekt aus. Was bedeutet das für Patienten und Ärzte?
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Holpriger Start für digitale Gesundheitsakte

Die Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens kommt nicht so recht in Fahrt. Nach jahrelanger Vorbereitung und mehrfachen Verschiebungen sollte die elektronische Patientenakte (ePA) eigentlich ab Mitte Februar bundesweit zum Einsatz kommen. Doch daraus wird vorerst nichts: Der flächendeckende Start verzögert sich erneut und ist nun frühestens für Anfang April 2025 geplant.

Seit Mitte Januar wird die ePA bereits in ausgewählten Modellregionen getestet. Dazu gehören Hamburg, Franken sowie Teile von Nordrhein-Westfalen. Rund 300 Praxen und Krankenhäuser nehmen an dieser Pilotphase teil. Die Erfahrungen aus diesen Tests sollen in die weitere Entwicklung einfließen, bevor das System deutschlandweit ausgerollt wird.


Wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung berichtet, geht die erneute Verzögerung aus einem nicht öffentlichen Schreiben des Bundesgesundheitsministeriums hervor. Da heißt es unter anderem:

Trotz aller Bemühungen und mit vollem Einsatz aller Beteiligten müssen wir aktuell mehr Zeit und Ressourcen für die Einführung und Stabilisierung der ePA in diesem Jahr einplanen.
Bundesgesundheitsministerium
Als Gründe werden technische Heraus­forder­ungen und die Not­wendigkeit ver­besserter Sicher­heits­maßnahmen genannt. Die Sorge um die Sicher­heit der sensiblen Gesundheits­daten ist nicht unbe­gründet. Ende 2024 hatte der Chaos Computer Club (CCC) auf gravierende Schwach­stellen im Konzept der ePA hingewiesen.

Demnach konnte jeder, der an einen Heilberufsausweis gelangte, auf die elektronischen Patientenakten zugreifen. Diese Warnung sorgte für erhebliche Verunsicherung bei Ärzten und Patienten. Der Kanzlerkandidat der Union, Friedrich Merz, hatte im Übrigen bemängelt, dass hierzulande ohnehin zu viel Wert auf Datenschutz als auf Datennutzung gelegt wird.

Sebastian Zilch, Leiter der Unterabteilung für Gematik, Telematikinfrastruktur und E-Health im Bundesgesundheitsministerium, betont die Wichtigkeit zusätzlicher Sicherheitsmaßnahmen: "Weitere technische Lösungen zur Erhöhung der Sicherheit müssen in Abstimmung mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik umgesetzt und abgeschlossen sein."

Verschobene Funktionen

Die Verzögerung betrifft nicht nur den bundesweiten Start der ePA. Auch weitere geplante Funktionen lassen auf sich warten:

  • Der elektronische Medikationsplan wird frühstens ab März 2026 verfügbar sein.
  • Die Möglichkeit für Apotheken, frei verkäufliche Medikamente in die ePA einzutragen, verschiebt sich ebenfalls.
  • Die Datenweitergabe zu Forschungszwecken und erweiterte Suchfunktionen sind nun für das Frühjahr 2026 geplant.

Trotz der Verzögerungen bleibt die grundsätzliche Einführung der ePA für alle gesetzlich Versicherten bestehen. Wer die digitale Akte nicht nutzen möchte, muss aktiv widersprechen. Bislang haben dies jedoch nur wenige Versicherte getan. Je nach Krankenkasse liegt die Widerspruchsquote zwischen 3,8 und 7 Prozent.

Was denkt ihr über die erneute Verschiebung der elektronischen Patientenakte? Seht ihr darin Chancen für eine verbesserte Sicherheit oder macht ihr euch Sorgen um weitere Verzögerungen? Teilt eure Gedanken und Erfahrungen in den Kommentaren!

Was ist die ePA überhaupt?
Die elektronische Patientenakte (ePA) ist ein digitales System, in dem alle wichtigen Gesundheitsdaten zentral gespeichert werden. Dazu gehören Diagnosen, Arztbriefe, Medikamentenlisten und sonstige medizinische Informationen.

Seit Mitte Januar 2025 wird die ePA automatisch für alle gesetzlich Versicherten angelegt. Die Nutzung ist freiwillig - Versicherte können der Einrichtung widersprechen oder die Akte später löschen lassen. Aktuell läuft die Testphase in drei Modellregionen: Hamburg, Franken und Nordrhein-Westfalen.
Kann ich der ePA widersprechen?
Ja, Sie können der elektronischen Patientenakte jederzeit bei Ihrer Krankenkasse widersprechen. In diesem Fall wird die Akte gar nicht erst angelegt oder - falls bereits vorhanden - mit allen Daten gelöscht.

Die bisherigen Widerspruchsquoten liegen je nach Krankenkasse zwischen 3,8 und 7 Prozent. Dies ist deutlich niedriger als die ursprünglich vom Gesundheitsministerium geschätzten 20 Prozent. Interessant: Etwa 15 Millionen Versicherte kennen die Patientenakte noch gar nicht.
Wann startet die ePA bundesweit?
Der bundesweite Start der elektronischen Patientenakte wurde auf frühestens Anfang April 2025 verschoben. Aktuell läuft der Testbetrieb in ausgewählten Modellregionen mit etwa 300 Praxen und Krankenhäusern.

Weitere wichtige Funktionen, wie der elektronische Medikationsplan, werden sogar erst ab März 2026 verfügbar sein. Auch die Datenweitergabe zu Forschungszwecken und erweiterte Suchfunktionen sind erst für das Frühjahr 2026 geplant.
Wie sicher sind meine Daten?
Ende 2024 deckte der CCC gravierende Sicherheitslücken im ePA-System auf. Besonders kritisch: Mit Zugriff auf einen Heilberufsausweis konnten unbefugte Personen auf die Patientenakten zugreifen.

Zusätzlich gab es einen Datenschutzvorfall bei der D-Trust GmbH, die die Heilberufsausweise ausgibt. Dabei könnten persönliche Daten von Ärzten und Therapeuten in falsche Hände geraten sein. Das Bundesgesundheitsministerium arbeitet nun mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik an verbesserten Sicherheitslösungen.
Zusammenfassung
  • Bundesweiter Start der elektronischen Patientenakte auf April verschoben
  • Technische Probleme und Sicherheitsbedenken als Gründe für Verzögerung
  • Pilotphase in ausgewählten Regionen seit Mitte Januar im Gange
  • CCC wies Ende 2024 auf gravierende Sicherheitslücken im Konzept hin
  • Weitere Funktionen wie e-Medikationsplan ebenfalls später verfügbar
  • Grundsätzliche Einführung für gesetzlich Versicherte bleibt bestehen
  • Widerspruchsquote gegen ePA liegt zwischen 3,8 und 7 Prozent

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