GPS-Störungen auf der Ostsee stammen wahrscheinlich von Schiffen

Eine aktuelle Untersuchung polnischer Forscher legt nahe, dass die im Ostsee-Raum beobachteten GPS-Störungen von Schiffen aus­ge­hen und nicht, wie zuvor vermutet, von einer festen, land­ba­sier­ten Quelle in der russischen Enklave Kaliningrad.
Schiff, Unterseekabel, Hong Tai 168, Hong Tai 158, Taiwan Cost Guard
Taiwan Coast Guard

Sensor sammelt über Monate Daten

Die Forscher stellten fest, dass die Störsignale über kommerziell verfügbare Technologien hinausgehen und auf leistungsstarke, mobile Sender hindeuten, berichtet das Magazin 'Maritime Executive'. Diese Erkenntnis könnte die sich verändernden Muster der GPS-Interferenzen in der Region erklären und würde frühere Berichte über hochleistungsfähige Funkanlagen auf Schiffen der sogenannten russischen Schattenflotte untermauern.

Die Untersuchung basiert auf Daten eines Sensors, der an der Gdynia Maritime University installiert wurde. Die Hochschule liegt rund 120 Kilometer östlich von Kaliningrad. Der Sensor wurde in ausreichender Höhe montiert, um eine Sichtverbindung von etwa 20 Seemeilen auf das offene Meer zu ermöglichen. Damit konnten Störungen im Golf von Danzig erfasst werden, nicht jedoch in den Hauptschifffahrtsrouten der zentralen Ostsee.


Über einen Zeitraum von sechs Monaten, beginnend im Juni 2024, registrierte der Sensor insgesamt 84 Stunden GPS-Störungen, davon allein 29 Stunden im Oktober. Die einzelnen Störereignisse dauerten bis zu sieben Stunden und führten zu horizontalen Positionsabweichungen von bis zu 30 Metern - dies stellt bereits eine potenzielle Gefahr für die Navigation in engen Wasserstraßen dar.

Die Forscher beobachteten bis September 2024 auch Störungen, die gleichzeitig mehrere Satellitennavigationssysteme betrafen, darunter GPS, GLONASS, BeiDou und Galileo. Ab Oktober änderte sich das Muster hin zu Mehrfrequenz-Interferenzen. Die Wissenschaftler halten es für wahrscheinlich, dass die Störungen von einer mobilen maritimen Quelle ausgingen, da sie sich zeitlich und räumlich verschoben.

Triangulation möglich

"Die Interferenzen zeigten deutliche Schwankungen in der Signalstärke, was darauf hindeutet, dass sich die Quelle in Bewegung befand", schlussfolgerten die Forscher. Da der erfasste Störbereich primär die Ostsee betraf und keine Hinweise auf eine Quelle innerhalb Polens vorlagen, sei die wahrscheinlichste Erklärung, dass die Störungen von einem Schiff in internationalen Gewässern ausgingen.

Die Forscher empfehlen aufgrund ihrer Erkenntnisse den Aufbau eines terrestrischen Netzwerks zur Geolokalisierung von Störquellen. Ein solches System könnte genutzt werden, um die verantwortlichen Schiffe zu identifizieren und gegebenenfalls Maßnahmen gegen sie zu ergreifen.

Zusammenfassung
  • GPS-Störungen in der Ostsee stammen vermutlich von Schiffen
  • Polnische Forscher widerlegen Vermutung einer landbasierten Quelle
  • Die Untersuchung basiert auf Daten eines Sensors der Gdynia Maritime University
  • 84 Stunden GPS-Störungen in sechs Monaten mit bis zu 30 Meter Abweichung
  • Änderung des Störmusters ab Oktober 2024 zu Mehrfrequenz-Interferenzen
  • Bewegliche maritime Quelle als wahrscheinlichste Erklärung identifiziert
  • Empfehlung: Aufbau eines Netzwerks zur Geolokalisierung von Störquellen

Siehe auch:
Jetzt einen Kommentar schreiben


Alle Kommentare zu dieser News anzeigen
Interessante Artikel & Testberichte
Tipp einsenden
❤ WinFuture unterstützen
Sie wollen online einkaufen? Dann nutzen Sie bitte einen der folgenden Links, um WinFuture zu unterstützen: Vielen Dank!