Sieg für Modder: Sony verliert Streit um PlayStation-Schummel-Software

Sony erleidet eine Niederlage vor dem Europäischen Gerichtshof: Dieses urteilte, dass Cheat-Software für Konsolen nicht grundsätzlich gegen das Urheberrecht verstößt. Die Entscheidung ist eine gute Nachricht für die Modding-Branche sowie Nutzer derartiger Anpassungen.
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Rückschlag für Sony

Im Kern ging es bei diesem mehr als ein Jahrzehnt altem Rechtsstreit um die Frage, ob Programme, die temporär Daten im Arbeitsspeicher einer Konsole verändern, eine Urheberrechtsverletzung darstellen. Der EuGH verneinte dies und stellte klar: Solange die modifizierten Daten nicht darauf abzielen, das Originalprogramm zu kopieren, liegt kein Verstoß vor.

Wie Euronews berichtet, war Auslöser des Rechtsstreits eine Software des britischen Unternehmens Datel. Diese ermöglichte es Spielern, im Rennspiel MotorStorm für die PlayStation Portable (PSP) unbegrenzt den "Turbo" zu nutzen. Sony sah darin eine Verletzung seiner Rechte und forderte Schadenersatz von den Entwicklern.

Vorstellung der PlayStation 30th Anniversary Collection

Die Entscheidung des EuGH könnte sich als wegweisend für die Zukunft des Modding insgesamt erweisen - einer Praxis, bei der Spieler oder Drittanbieter Spiele modifizieren. Ross Scott, ein Gaming-Aktivist, erklärte gegenüber Euronews:

Wenn Sie jedes Spiel entfernen würden, das seine Ursprünge im Modding hat, wären es sicherlich Hunderte Millionen Dollar.
Ross Scott, Gaming-Aktivist
Er verwies dabei auf populäre Titel wie Fortnite, die ihren Ursprung in Spielen haben, die ursprünglich etwas anderes waren. Weitere berühmte Beispiele hierfür sind auch Spiele wie DotA 2, DayZ und Counter-Strike. Datel selbst hat eine lange Geschichte in der Gaming-Branche. Das 1984 gegründete Unternehmen ist bekannt für seine Action Replay-Geräte, die Spielern schon seit Jahrzehnten Cheats und Modifikationen ermöglichen.

Folgen für die Branche

Das Urteil des EuGH könnte nun den Weg für eine liberalere Handhabung von Spielmodifikationen ebnen. Kritiker wie Scott argumentieren, dass Sonys Versuch, die Nutzung seiner Produkte zu kontrollieren, in anderen Branchen undenkbar wäre. Er vergleicht das Modifizieren von PlayStation-Spielen mit dem Hinzufügen von Markierungen in einem Buch oder dem Wechseln der Reifen eines Autos.

Die Entscheidung des Gerichts beschränkt sich auf die Auslegung der EU-Richtlinie zum Schutz von Computerprogrammen. Sie betont, dass nur die intellektuelle Schöpfung, wie sie sich im Quell- und Objektcode eines Computerprogramms widerspiegelt, geschützt ist. Temporäre Änderungen im Arbeitsspeicher fallen nicht darunter.

Zusammenfassung
  • EuGH: Cheat-Software für Konsolen verstößt nicht gegen Urheberrecht
  • Temporäre Änderungen im Arbeitsspeicher sind keine Rechtsverletzung
  • Rechtsstreit zwischen Sony und Datel über PSP-Spiel 'MotorStorm'
  • Urteil könnte weitreichende Folgen für die Modding-Branche haben
  • Viele populäre Spiele haben ihren Ursprung im Modding
  • Kritiker vergleichen Modding mit Markierungen in Büchern
  • Die Entscheidung basiert auf EU-Richtlinie zum Schutz von Computerprogrammen

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