Gesunkenes Titanic-Tauchboot:
Navigiert wurde per Hand und Excel
Die Titan-Tauchkapsel von OceanGate setzte auf ein ungewöhnliches Navigationssystem: eine Excel-Tabelle. Eine ehemalige Mitarbeiterin enthüllte dieses und weitere besorgniserregende Details über die Praktiken des Unternehmens vor der tragischen Implosion im Vorjahr.
Wie The Verge berichtet, beschrieb die ehemalige OceanGate-Mitarbeiterin Antonella Wilby in ihrer Aussage ein äußerst umständliches Verfahren zur Positionsbestimmung der Tauchkapsel. Demnach wurden die von einem akustischen Positionierungssystem generierten Koordinaten zunächst handschriftlich in ein Notizbuch übertragen. Anschließend tippte man diese Daten manuell in eine Excel-Tabelle ein, bevor sie schließlich in eine Mapping-Software geladen wurden - normalerweise wird ein solcher Vorgang (der per se nicht ungewöhnlich ist) vollständig automatisiert durchgeführt.
Wilby zufolge sollte dieser Prozess idealerweise alle fünf Minuten durchgeführt werden - eine zeitaufwendige und fehleranfällige Methode. Als sie vorschlug, standardisierte Software zur automatischen Verarbeitung der Ping-Daten einzusetzen, wurde ihr mitgeteilt, dass OceanGate ein eigenes System entwickeln wolle, dafür aber keine Zeit habe.
Auch Steven Ross, ehemaliger wissenschaftlicher Leiter bei OceanGate, bestätigte in seiner Aussage ähnliche Vorfälle. Besonders alarmierend: Nur sechs Tage vor der fatalen Implosion soll es bei Tauchgang 87 zu einer Kollision der Titan mit einer Startvorrichtung gekommen sein, verursacht durch eine Fehlfunktion des Ballasttanks.
OceanGate-Mitbegründer Stockton Rush, der bei der Implosion ums Leben kam, soll Bedenken häufig mit dem Verweis auf die "experimentelle Natur" des Projekts abgetan haben. Ehemalige Mitarbeiter beschrieben eine Atmosphäre, in der das Streben nach Innovation und Abenteuer oft über etablierte Sicherheitsstandards gestellt wurde.
Siehe auch:
Excel statt Hightech: Titans fragwürdige Navigation
Die tragische Implosion der Titan-Tauchkapsel im Juni 2023, bei der fünf Menschen das Leben verloren, wird derzeit von einer Kommission der US-Küstenwache untersucht. Nun kommen durch Aussagen ehemaliger OceanGate-Mitarbeiter neue besorgniserregende Details ans Licht. Besonders brisant: Das Navigationssystem der Titan basierte offenbar auf einer von Hand ausgefüllten Excel-Tabelle.Wie The Verge berichtet, beschrieb die ehemalige OceanGate-Mitarbeiterin Antonella Wilby in ihrer Aussage ein äußerst umständliches Verfahren zur Positionsbestimmung der Tauchkapsel. Demnach wurden die von einem akustischen Positionierungssystem generierten Koordinaten zunächst handschriftlich in ein Notizbuch übertragen. Anschließend tippte man diese Daten manuell in eine Excel-Tabelle ein, bevor sie schließlich in eine Mapping-Software geladen wurden - normalerweise wird ein solcher Vorgang (der per se nicht ungewöhnlich ist) vollständig automatisiert durchgeführt.
Wilby zufolge sollte dieser Prozess idealerweise alle fünf Minuten durchgeführt werden - eine zeitaufwendige und fehleranfällige Methode. Als sie vorschlug, standardisierte Software zur automatischen Verarbeitung der Ping-Daten einzusetzen, wurde ihr mitgeteilt, dass OceanGate ein eigenes System entwickeln wolle, dafür aber keine Zeit habe.
Sicherheitsbedenken ignoriert
Die Aussagen Wilbys reihen sich in eine Serie von Enthüllungen ein, die ein besorgniserregendes Bild der Sicherheitspraktiken bei OceanGate zeichnen. So berichtete sie von einem lauten Knall während des Auftauchens bei Tauchgang 80 im Jahr 2022, der sogar an der Oberfläche zu hören gewesen sei. Als sie ihre Bedenken äußerte, wurde ihr vorgeworfen, keine "Entdecker-Mentalität" zu haben.Auch Steven Ross, ehemaliger wissenschaftlicher Leiter bei OceanGate, bestätigte in seiner Aussage ähnliche Vorfälle. Besonders alarmierend: Nur sechs Tage vor der fatalen Implosion soll es bei Tauchgang 87 zu einer Kollision der Titan mit einer Startvorrichtung gekommen sein, verursacht durch eine Fehlfunktion des Ballasttanks.
Fragwürdige Unternehmenskultur
Die Zeugenaussagen zeichnen das Bild einer Unternehmenskultur, in der Sicherheitsbedenken systematisch ignoriert wurden. Wilby berichtete, dass sie nach ihrer Kritik an den Navigationsmethoden ("Das ist eine idiotische Art zu navigieren") aus dem Team entfernt wurde.OceanGate-Mitbegründer Stockton Rush, der bei der Implosion ums Leben kam, soll Bedenken häufig mit dem Verweis auf die "experimentelle Natur" des Projekts abgetan haben. Ehemalige Mitarbeiter beschrieben eine Atmosphäre, in der das Streben nach Innovation und Abenteuer oft über etablierte Sicherheitsstandards gestellt wurde.
Zusammenfassung
- Titan-Tauchkapsel nutzte Excel-Tabelle zur Navigation
- Ehemalige Mitarbeiterin enthüllt riskante Praktiken bei OceanGate
- Tragische Implosion im Juni 2023 forderte fünf Menschenleben
- Positionsbestimmung erfolgte manuell und zeitaufwendig
- Vorschläge zur Automatisierung wurden von OceanGate abgelehnt
- Zeugenaussagen beschreiben mangelnde Sicherheitskultur
- Kollision und lauter Knall bei Tauchgängen vor der Implosion
Siehe auch:
- US-Küstenwache zeigt erste Bilder des verunglückten Titanic-U-Boots
- Nach tödlichem Titanic-Tauchgang: OceanGate stellt den Betrieb ein
- Titanic-U-Boot wurde mit 40-Euro-Controller von Logitech gesteuert
- Whistleblower warnte 2018 vor Titanic-U-Boot, wurde gefeuert
- Titanic: Touristisches Tauchboot verschollen, schwierige Suche läuft
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