Weltrisikobericht: Desinformation ist größtes Problem unserer Zeit

Dass Fachleute, die sich mit den großen Risiken für die menschliche Zivilisation beschäftigen, vielleicht nicht die optimistischsten Menschen sind, liegt nahe. Nie zuvor haben sie aber einen so düsteren Ausblick auf die Zukunft gegeben wie jetzt.
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Markus Winkler / Unsplash
Das Weltwirtschaftsforum (WEF) beauftragt regelmäßig rund 1500 Experten aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft mit Risikoanalysen, die zu einem Bericht zusammengeführt werden. An dem Prozess sind auch die Dachorganisation kirchlicher Hilfswerke, das Bündnis Entwicklung Hilft sowie das Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht (IFHV) der Ruhr-Universität Bochum beteiligt.

Die Palette der Gefahren, mit denen die Menschheit zu tun hat, ist dabei vielfältig. Sie reichen vom Klimawandel über die Destabilisierung der globalen Machtverhältnisse bis hin zur gesellschaftlichen und sozialen Spaltung. Ein grundlegendes Problem sehen die Fachleute darin, dass zunehmend so viele Krisen zusammenkommen, dass die Anpassungsfähigkeit an ihre Grenzen kommt.


Und genau die Anpassungsfähigkeit, mit der auf Krisen reagiert und Gefahren minimiert werden können, wird laut Saadia Zahidi, Geschäftsführerin des Weltwirtschaftsforums, von einem übergeordneten Faktor bedroht: "Als größtes Risiko für die kommenden zwei Jahre nennt der Bericht Falsch- und Desinformation", erklärte sie laut eines Berichtes der Tagesschau. Erst dann werden Extremwetter-Ereignisse, gesellschaftliche Polarisierung und bewaffnete Konflikte genannt.

Wesentliche Elemente der Desinformation seien dabei KI-generierte Fakenews und auch Angriffe auf IT-Infrastrukturen, mit denen die Falschmeldungen dann in einem seriösen Umfeld platziert werden. Das ist insbesondere in diesem Jahr ein besonderes Problem, da fast die Hälfte der Weltbevölkerung zu Wahlen aufgerufen ist - unter anderem in den USA, Indien und der EU.

Falschinformationen und Deepfake-Videos, die sich inzwischen schnell und einfach produzieren lassen, können dazu führen, dass "die Legitimität gewählter Regierungen in Frage gestellt wird, was wiederum demokratische Prozesse bedroht und zu weiterer sozialer Polarisierung, zu Unruhen, Streiks oder sogar innerstaatlicher Gewalt führen könnte", erklärt Carolina Klint vom Risikoberatungsunternehmen Marsh McLennan.

Doch auch über Wahlen hinaus behindert Desinformation die echte Arbeit an der Verhinderung oder Bewältigung von Krisen. Sichtbar ist das beispielsweise daran, dass wissenschaftliche Erkenntnisse zur Klimakrise immer wieder infrage gestellt werden, was effektive Maßnahmen nur schwer umsetzbar macht.

Zusammenfassung
  • Experten geben düsterste Zukunftsprognose bisher
  • WEF lässt Risiken von 1500 Fachleuten analysieren
  • Gefahren reichen von Klima bis gesellschaftlicher Spaltung
  • Anpassungsfähigkeit an Krisen stößt an ihre Grenzen
  • Desinformation als größtes Risiko der nächsten Jahre
  • KI-Fake-News und IT-Angriffe bedrohen Wahlen weltweit
  • Desinformation gefährdet Demokratie und echte Krisenarbeit

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