Seattle: Amazon investiert plötzlich massiv in Politik - aus Gründen

Der Handelskonzern Amazon hat sich bisher aus vielen politischen Belangen herausgehalten - insbesondere in Seattle, wo sich der Firmensitz befindet. Das hat sich nun aber geändert und man investiert hohe Summen in den Wahlkampf von Jenny Durkan.
Amazon, Ceo, Jeff Bezos
Amazon
In den USA spielen die kommunalen Wahlen eine weitaus größere Rolle als hierzulande - denn die Ergebnisse haben einen wesentlich höheren Einfluss auf das alltägliche Leben als die Frage, wer gerade im Weißen Haus sitzt. Insofern ist es schon bemerkenswert, wie offensichtlich Amazon und Konzerngründer Jeff Bezos sich bisher in Seattle zurückhielten.

Die größte einzelne Wahlkampfspende Amazons lag bisher bei 700 Dollar. Alle Spenden über das letzte Jahrzehnt zusammengerechnet beliefen sich auf 26.400 Dollar. Und Bezos nahm seit dem Dezember 2003 selbst auch nur an vier von insgesamt 27 kommunalen Wahlgängen teil (neben Bürgermeistern und Stadtparlamenten werden hier auch Staatsanwälte und andere öffentliche Posten über eine Wahl besetzt).

Plötzlich greift der Konzern aber massiv in den aktuellen Wahlkampf um den Bürgermeister-Posten ein, berichtet der aus Seattle stammende Blogger und Ex-Microsoft-Mitarbeiter Jeff Reifman. Von Amazon gingen im Juli 250.000 Dollar an die Civic Alliance for a Sound Economy (CASE), weitere 100.000 Dollar gab es vor einigen Tagen. Die Spenden flossen dabei über die Wirtschaftskammer Seattles, die insgesamt 525.000 Dollar zu Gunsten des Wahlkampfes Durkans an CASE überwies.


Konkurrentin ist nicht wirtschaftsfreundlich

Der Grund für den Sinneswandel dürfte die politische Konkurrenz sein. Durkans aussichtsreichste Konkurrentin ist Cary Moon. Ganz oben auf ihrer politischen Agenda stehen Maßnahmen, mit denen die schnell steigende Verteuerung des Wohnraumes massiv gebremst werden soll. Diese hätten aber negative Folgen für die Expansion Amazons im Stadtgebiet, weil sich beispielsweise die Umwandlung von Wohnungen in Büros nicht mehr so einfach durchführen ließen. Und auch das verfügbare Bauland würde stärker der Schaffung von Wohnraum gewidmet.

Moon schaffte es aber auch, andere große Unternehmen gegen sich aufzubringen. Ebenfalls aufgrund ihres Wohnungsprogramms spendete die Vulcan Group von Microsoft-Mitbegründer Paul Allen an die Konkurrenz. Die Provider Comcast und Century Link wurden hingegen zu Spenden an Durkan gebracht, weil Moon in der gesamten Innenstadt ein öffentliches Gratis-WLAN etablieren will, wodurch die beiden Unternehmen in Seattle wohl weniger teure Breitband-Tarife verkaufen könnten.

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