Logistik-Konzern Schenker bastelt an Zukunft ohne LKW-Fahrer

Beim Logistiker Schenker arbeitet man mit Hochdruck an autonomen Fahrzeug-Technologien. Im nächsten Jahr will das Unternehmen eigene Tests starten und den wachsenden Bedarf nach Warentransport letztlich ohne menschliche Fahrer auffangen können. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, hat Jochen Thewes, Chef der Tochter der Deutschen Bahn, seine 120 wichtigsten Manager auf etwas drastische Weise auf die kommenden Aufgaben eingeschworen. Das letzte Treffen verlegte man vom gemütlichen Konferenzsaal in der Schenker-Zentrale in die stillgelegte Dortmunder Hansa-Kokerei. In der Industrie-Ruine sollten die Führungskräfte sich darüber bewusst werden, was passiert, wenn sie die Zeichen der Zeit nicht erkennen und das Unternehmen entsprechend umbauen.

Thewes sieht die Konkurrenz aktuell gar nicht so sehr in den verschiedenen klassischen Logistik-Bereichen. Augenmerk legt man vielmehr darauf, was die verschiedenen Internet- und Technologie-Unternehmen investieren und erforschen, wenn es um den Transport von Gütern geht. Aus Sicht des Top-Managers liegt die Entscheidung, auf die alles hinausläuft, auf der Hand: Es läuft auf ein Wettrennen hinaus, ob die Logistiker schneller IT-Kompetenz aufbauen als die IT-Konzerne Logistik-Fähigkeiten.


Schneller und billiger

Ein zentraler Punkt dabei sind autonome Fahrzeuge. Thewes ist sich sicher, dass in 10 bis 15 Jahren Lastwagen komplett ohne Fahrer auf den Straßen in Deutschland unterwegs sein werden. Manche rechnen durchaus mit einer schnelleren Umstellung, doch wird nicht nur die technische, sondern auch die politische Entwicklung noch ihre Zeit brauchen.

Klar ist aber, dass Spediteure das wachsende Aufkommen an zu transportierenden Waren in ziemlich absehbarer Zeit nicht mehr bewältigen werden, indem immer mehr Fahrer eingestellt werden. Autonome LKW sind immerhin nicht an vorgeschrieben Pausen und Ruhezeiten gebunden und können so schneller ans Ziel kommen. Und Geschwindigkeit ist in dem Geschäft entscheidend.

Der Schenker-Chef machte aber auch klar, dass autonome Fahrzeuge, wie man sie jetzt in Zusammenarbeit mit MAN und der Hochschule Fresenius entwickelt, nicht das einzige große Feld in der Digitalisierung ist. Viel schneller kommt die Umstellung der Geschäftsabwicklung auf zentrale Online-Plattformen - ähnlich, wie es in vielen anderen Bereichen auch schon der Fall ist. Aufträge werden bald nicht mehr per Telefon und E-Mail zwischen Logistiker und Kunden klargemacht. Wer etwas zu befördern hat geht stattdessen zu einer zentralen Plattform und bucht dort einfach den optimalsten Auftrag ein.
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