Türkisch-islamische Union will gegen Big Brother Award klagen

Die Big Brother Awards werden seit vielen Jahren an Unternehmen, Behörden, Organisationen und Personen vergeben, die besonders in Bezug auf den Datenschutz auffallen, allerdings im negativen Sinne. Dieses Jahr soll ein Preis an die türkisch-islamische Union DİTİB gehen, diese will sich rechtlich wehren und auf üble Nachrede klagen. Heute Abend werden zum 17. Mal die Big Brother Awards vergeben, das ist ein Preis, den niemand gerne in Empfang nimmt, da hier besonders schwerwiegende Verletzungen der Privatsphäre ausgezeichnet oder besser gesagt gerügt werden. Der von Datenschützern und Bürgerrechtlern vergebene Preis wird laut einem Bericht von Heise aktuell unter anderem an DİTİB gehen, der Religionsverband wird in der Kategorie Politik ausgezeichnet.

Spionagevorwürfe gegen 16 Imame

Hintergrund der Negativehrung ist der Vorwurf an 16 Imame für die Türkei spioniert zu haben, die Geistlichen sollen in Deutschland lebende Anhänger von Fethullah Gülen ausspioniert haben, der islamische Prediger gilt als größter Widersacher des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Letzterer wirft Gülen vor, der Drahtzieher des Putschversuches im Vorjahr zu sein. Gülen-Anhänger stehen seither unter Generalverdacht, auch in Deutschland.

Ende des vergangenen Jahres hatte die als regierungskritisch geltende Zeitung Cumhuriyet 16 Imamen in Deutschland vorgeworfen, im Auftrag der Religionsbehörde Diyanet Berichte über bestimmte Personen verfasst zu haben. Zehn der 16 Geistlichen sind mittlerweile in die Türkei zurückgekehrt.

Bewiesen sind die Spionagevorwürfe bisher nicht, die Ermittlungen des Generalbundesanwalts laufen noch. Für den Datenschutzverein Digitalcourage, dem Veranstalter der Big Brother Awards, genügten die bisherigen Informationen zu diesem Fall aber, um einen Preis an die DİTİB zu verleihen.

DİTİB will den Big Brother Award natürlich nicht haben und hat angekündigt, gegen diese öffentliche Rüge juristisch vorzugehen. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Preisempfänger versucht, auf üble Nachrede zu klagen, alle Versuche in diese Richtung sind aber bisher gescheitert.
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