Nokia 6 im Test: HMDs erstes Nokia-Smartphone mit Android ist ein Panzer
Design
Bei HMD Global arbeiten laut LinkedIn zahllose ehemalige Nokianer, darüber hinaus einige erfahrene Manager, die früher bei anderen Herstellern wie HTC oder Motorola tätig waren und mit Foxconns Mobilgeräte-Tochter FIH Mobile hat man einen der wohl potentesten Vertragsfertiger überhaupt als Partner verpflichtet. All dies schlägt sich natürlich zuallererst im Design nieder.Auffällig ist, dass es HMD gelingt, diverse Reminiszenzen an frühere Nokia-Geräte umzusetzen, ohne abgesehen von den im 2,5D-Look nach hinten abgerundeten Rändern des Displays konkrete Design-Elemente zu übernehmen. Mit seiner im Vergleich zu anderen Geräten sehr breit geratenen Display-Einfassung aus Kunststoff und dem scharfen Diamantschliff am Außenrand weist das Nokia 6 einen charakteristischen und eigenständigen Look auf. Statt die Kunststoffeinfassung des Bildschirms, die schlichtweg notwendig ist um gewisse Toleranzen für die aus Gorilla Glass 3 gefertigte Glasabdeckung des Bildschirms zu schaffen, wie andere Hersteller möglichst schmal zu machen, integriert man sie bewusst in die Optik des Geräts.
Man sieht dem Nokia 6 seine Qualität fast schon an
Das Nokia 6 ist zwar auf den ersten Blick symmetrisch gestaltet, doch dieser Eindruck wird in einigen Punkten gestört. So sitzen der Fingerabdruckleser und die in Hardware ausgeführten und somit nicht umpositionierbaren Android-Tasten extrem weit unten am Gehäuserand und lassen das ohnehin schon breite "Kinn" des Telefons so noch breiter wirken. Hinzu kommt, dass die Tasten durch diese Positionierung nicht ohne Umgreifen zu erreichen sind, man also bei fast jedem Versuch, die Zurück-Taste zu drücken, riskiert, dass das Smartphone aus dem Gleichgewicht gerät, nach hinten überkippt und letztlich herunterfällt.
Vermutlich lässt sich die Positionierung des unter Glas verbauten und nicht klickbaren Fingerabdrucklesers, der gleichzeitig auch als Home-Button dient, und der Android-Tasten mit gewissen Zwängen bei der Positionierung interner Komponenten begründen. Die gleichen Zwänge herrschten wohl auch am oberen Rand des Geräts. Während Kamera und das ohne einen Grill schnell verdreckende Ohrstück noch mittig angeordnet sind, fällt nach dem Erhalt der ersten Benachrichtigung sofort auf, dass die nicht sonderlich helle Notification-LED nicht auf gleicher Höhe, sondern versetzt nah am oberen Display-Rand sitzt.
Kleiner Design-Mangel: die Android-Tasten & der Fingerabdruckleser sitzen zu tief
Abgesehen von diesen kleinen Schnitzern, die im Fall der Tastenanordnung an ähnliche Fehler von HTC erinnern, wirkt das Nokia 6 von der Front durchaus ansprechend, wenn auch unaufregend. Dieser Eindruck setzt sich auch an den Seiten fort, denn diese sind in der Gerätefarbe lackiert, was den Anschnitt am Rand zwar betont, aber für eine gewisse Eintönigkeit sorgt. Die Seiten sind vollkommen senkrecht gestaltet, so dass man manchmal Probleme hat, das Gerät vom Tisch aufzuheben, auch weil der Lack wenig Halt bietet.
Der Ein- und Ausschalter sowie die Lautstärkewippe sind ebenfalls aus Metall gefertigt und wirken dank wenig Spiel sehr hochwertig. Allerdings haben sie nur einen minimalen Hub und mangels Abstand und einer bei anderen Herstellern üblichen andersartigen Oberfläche ist der Power-Button blind kaum von der Lautstärkewippe zu unterscheiden. Ein ums andere Mal trafen wir bei der Nutzung daneben, auch wenn dies angesichts des Umstands, dass die meisten Nutzer ihr Gerät mit dem Fingerabdruckleser aufwecken und entsperren dürften, wohl kein großes Problem darstellen dürfte. Die Positionierung der Tasten ist dennoch gut gewählt.
Auch die Tasten sind aus Metall
Das untere Ende: hier sitzen der MicroUSB-Port & der Lautsprecher
Der Hauptlautsprecher ist am unteren Gehäuserand positioniert und in Form von zwei Schlitzen ausgeführt, statt das bei vielen anderen aktuellen Smartphone-Modellen verwendete Design mit mehreren Bohrungen zu adaptieren. Der SIM-Kartenslot auf der linken Seite sitzt bündig im Gehäuse und schließt fast perfekt ab. Er beherbergt zwei Nano-SIMs oder eine SIM und eine MicroSD-Karte.
Auf der Rückseite des Nokia 6 setzt HMD ebenfalls auf ein an frühere Nokia-Hardware erinnerndes Design, denn es wird eine kissenförmige Metallrückseite verwendet. Insgesamt sorgt dies zusammen mit den stark definierten Seiten dafür, dass das Telefon meist gut in der Hand liegt. Die matte Rückseite wirkt manchmal etwas schlüpfrig, Sorgen, dass das Nokia 6 dadurch aus der Hand gleiten könnte, braucht man sich aber wohl nicht machen.
Mit seiner kissenförmigen Rückseite erinnert das Nokia 6 stark an frühere Lumia-Modelle
Die Antennenbänder werden wie bei einigen anderen Smartphones nicht gerade über die Rückseite, sondern nah am Rand entlang geführt, so dass sie mit ihrer schwarzen Farbe in der mattschwarzen Metalloberfläche praktisch verschwinden und gerade bei dieser Farbvariante kaum zu erkennen sind. Bei den anderen Farbvarianten des Nokia 6 treten sie hingegen erheblich deutlicher zu Tage, wie etwa im Fall der rosafarbenen Ausgabe.
Die Anordnung der mit einer Glasabdeckung versehenen Kameraeinheit erfolgt hier mittig und sorgt für ein stimmiges Aussehen, zumal Optik und Blitz untereinander sitzen. Leider ragt die Kamera hier einen knappen Millimeter aus dem Gehäuse, so dass sie für Kratzer anfälliger wird. Auch sonst sorgt die gerundete Form der Gehäuserückseite dafür, dass das Nokia 6 nie wirklich flach auf dem Tisch liegt und somit beim Antippen wippt.
Mittig auf dem Rücken: Die Kamera-'Pille'
In der Mitte der Rückseite hat man ein fast nicht erkennbares Nokia-Logo integriert, das nur aus bestimmten Winkeln mit seiner schwarz glänzenden Oberfläche aufblitzt. Das Gleiche gilt übrigens auch für die Front, so dass zwar rechts oben ein Nokia-Logo angebracht ist, das aber so unauffällig gestaltet ist, dass man es erst auf den zweiten Blick überhaupt erspähen kann.
Kein USB Typ-C-Port an Bord
HMD Global hat sich angesichts der Ausrichtung seiner ersten neuen Smartphone-Modelle für die Verwendung eines MicroUSB- anstelle eines USB Type-C-Ports entschieden. Dieser sitzt mittig am unteren Ende, während der Kopfhöreranschluss oben rechts verbaut wurde. Insgesamt besitzt das Nokia 6 mit seiner matten Optik gerade in der schwarzen Ausgabe einen gewissen "Stealth"-Look, der zwar eigenständig, aber dennoch unaufgeregt und etwas durchschnittlich wirkt.
Das Nokia 6 kommt mit einem MicroUSB-Port -noch kein USB Typ-C
Die Bauhöhe fällt mit 7,85 Millimetern bzw. 8,4 Millimetern inklusive des Kamera-Buckels recht gering aus. Kompakt ist das Nokia 6 aber dennoch nicht, sorgen die breiten Ränder oben und unten doch dafür, dass es kaum kleiner ausfällt als etwa ein mit 5,9 Zoll großem Display versehenes Huawei Mate 9. Mit 171 Gramm bringt es zudem ein Gewicht auf die Waage, das für ein Telefon dieser Größe recht hoch ist, aber dennoch nicht unangenehm wirkt.
Ultrastabil, mattschwarz & Anmutung wie ein Stealth-Bomber
In Sachen Qualität lässt sich HMD Global bei seinem ersten Nokia-Smartphone mit Android nicht lumpen. Das Nokia 6 wirkt mit seinem Unibody-Metallgehäuse extrem wertig, auch wenn die Rückseite aus technischen Gründen ein minimales Spiel aufweist und sich daher um den Bruchteil eines Millimeters eindrücken lässt. Es gibt äußerlich praktisch keine Toleranzen und alle Teile des Produkts sind bestens verarbeitet. Das Gehäuse ist extrem verwindungssteif und ließ sich auch mit viel Kraft nicht biegen.Das Nokia 6 scheint auch nach einigen Wochen der aktiven Nutzung ohne ein Cover frei von jedweden Kratzern zu sein, wobei der Lack durchaus anfälliger sein dürfte als eine unbehandelte Aluminiumoberfläche. Das Gorilla Glass 3 auf der Vorderseite kommt ohne einen zusätzlichen Schutz daher, erweist sich mit seiner fettabweisenden Beschichtung als extrem glatt und angenehm bedienbar. Fingerabdrücke sind auf der Rückseite trotz des Lacks recht schnell sichtbar, auf der Front dauert es dank der oliophoben Oberfläche länger als man vielleicht von anderen Geräten gewohnt ist.
Insgesamt wirkt das schwarze Nokia 6 wie eine Art Stealth-Bomber mit der Stabilität eines Panzers. Zumindest im Bereich Qualität und Anmutung bietet HMD Global mit dem Gerät ein beeindruckendes Paket für den aufgerufenen Preis von gut 229 Euro. Defakto dürfte das Nokia 6 das wohl hochwertigste Android-Smartphone in dieser Preisregion sein - und eines der stabilsten Mobiltelefone überhaupt. Auch bei seinem ersten im Markt verfügbaren Android-Smartphone knüpft HMD also zumindest in der Theorie an die Legende von hoher Widerstandsfähigkeit bei Nokia-Produkten an.
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