Gratis-Wifi für alle im ICE:
Es hängt fast nur noch an der Telekom

Die Deutsche Bahn will sich nun doch durchringen, für alle Fahrgäste kostenlose WLAN-Zugänge bereitzustellen - zumindest was die Fernverbindungen mit dem ICE angeht. Das ist Bestandteil eines Investitionsprogramms, für das 200 Millionen Euro ausgegeben werden sollen. Geduld ist trotzdem noch angebracht. Denn jetzt, wo im Bahn-Management endlich der Wille vorhanden ist, die Fahrgäste mit Internet-Anbindungen zu versorgen, stehen noch einige technische Hürden im Weg. Wie Konzernchef Rüdiger Grube gegenüber der Süddeutschen Zeitung ausführte, will man im Jahr 2016 aber bereit für den Start sein.

Kürzlich hatte die Bahn kostenlose WLAN-Zugänge im Zuge eines Pilotprojektes gestartet. Dieses Angebot beschränkte sich aber erst einmal nur auf ausgewählte ICE-Strecken und die 1. Klasse. Die anderen Passagiere der Fernzüge müssen weiterhin zahlen, um die Hotspots der Deutschen Telekom in den Wagen nutzen zu können - es sei denn, sie sind bereits Telekom-Kunde und verfügen über einen entsprechenden Tarif.

Bis zum Ende dieses Jahres sollen 231 der aktuell 255 im Einsatz befindlichen ICEs mit Access Points ausgestattet sein. Theoretisch könnte die Bahn dann das Netzwerk freigeben. Allerdings sieht man sich derzeit noch gezwungen, die Nutzerzahlen über das kostenpflichtige Angebot zu regulieren, da die Infrastruktur auf Seiten der Telekom noch nicht ausreichend stark ist. Denn die Züge werden über Mobilfunk-Anlagen an der Strecke mit dem Netz verbunden.

450 Handovers auf einmal

Wie Grube ausführte, fahren bis zu 900 Personen in einem ICE mit. "Mal angenommen, nur die Hälfte von denen würde WLAN nutzen - dann muss die Strecke links und rechts der Gleise so ausgestattet sein, dass sich bei Tempo 250 oder noch schneller 450 Menschen gleichzeitig aus einer Funkzelle auswählen und in die nächste einwählen können, ohne dass die Verbindung abbricht", erklärte er. Die Bahn wolle lieber noch etwas warten, als dass man frühestmöglich mit dem Gratis-Angebot startet und die Kunden sich dann über die mangelnde Qualität der Verbindung ärgern.

Für die Bahn ist die Verfügbarkeit von Internet-Anbindungen im Zug allerdings inzwischen zu einem wichtigen Kriterium im Konkurrenzkampf mit anderen Verkehrsmitteln wie etwa den Fernbussen geworden. Gerade mit den Bus-Preisen kann die Schiene derzeit nicht mithalten. Daher muss man auf die höhere Geschwindigkeit und größeren Komfort setzen. Eine Priorität neben der Netzversorgung ist daher die umfassende Modernisierung der Bord-Bistros, in denen zuletzt immer wieder Kaffeemaschinen und andere Geräte ausfielen. Damit beraubt sich die Bahn eines Alleinstellungsmerkmals, denn, so Grube, woanders könne man während der Reise nicht essen gehen.
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