Erste Suchportale schmeißen Leistungsschutzrecht-Verlage raus

Die ersten großen deutschen Portalbetreiber haben damit begonnen, die Webseiten von Presseverlagen, die hinter dem Leistungsschutzrecht stehen, aus ihren Suchergebnissen zu werfen. Die Auseinandersetzung ist damit um einen - wenn auch eher symbolischen Schritt - reicher. Wenn es um die Debatte zum Leistungsschutzrecht geht, dreht sich im Grunde alles um das Verhältnis zwischen den Verlagen und Google, da der große US-Suchmaschinenbetreiber hierzulande einen Marktanteil von etwas über 95 Prozent hat. Durch die neue rechtliche Regelung sind aber auch verschiedene andere Anbieter betroffen. Reagiert haben jetzt die beiden United Internet-Töchter Web.de und GMX sowie das T-Online-Portal der Deutschen Telekom.

Auch gegenüber diesen Anbietern von Suchergebnissen wollten die Verlage Lizenzgebühren dafür einfordern, dass in den Trefferlisten kurze Text-Snippets aus ihren Online-Angeboten zu finden waren. Dafür hatten sich die Unternehmen eigens in der VG Media zusammengeschlossen.

Wegen des doch recht kleinen Marktanteils der drei Portale im Suchmaschinen-Segment und der fehlenden öffentlichen Kommunikation des Schrittes fiel es nicht gleich auf - doch laut einem Bericht des Journalisten Stefan Niggemeier haben diese bereits vor einigen Wochen damit begonnen, die in der VG Media organisierten Verlage aus ihren Trefferlisten zu tilgen.

Betroffen davon sind die verschiedenen Angebote des Axel-Springer-Verlages wie Bild.de, Welt.de und andere. Der Konzern war federführend an der Durchsetzung des Leistungsschutzrechtes beteiligt. Aber auch verschiedene andere Angebote wie DerWesten.de, WAZ-Online.de, Bunte.de oder Berliner-Zeitung.de sind hier nicht mehr auffindbar.

Laut Jörg Fries-Lammert, Sprecher von 1&1 (United Internet), reagierte man mit der Maßnahme darauf, dass die VG Media damit begonnen hat, Ansprüche nach dem Leistungsschutzrecht geltend zu machen und Klage einreichte. Auch seitens der Telekom äußerte man sich entsprechend.

Die Verlage dürften hier kaum nennenswerte Einbußen bei ihren Zugriffszahlen zu verzeichnen haben. Allerdings ist die Symbolik des Vorgehens ein klares Signal. Letztlich müssen die fraglichen Verlage auch damit rechnen, eines Tages von Google rausgeworfen zu werden, was ihre Nutzerzahlen stark reduzieren würde. Man versucht den Marktführer derzeit zwar unter Verweis auf dessen dominierende Stellung an einem solchen Schritt zu hindern - allerdings zeigte man sich beim Bundeskartellamt nicht gerade offen dafür.
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