Japanische Polizei: ISPs sollen Tor-Netzwerk blocken

Japanische Polizeibehörden wollen, dass die ISPs des Landes das Anonymisierungsnetzwerk Tor blocken, da dieses es den Ermittlern unmöglich mache, erfolgreich gegen Cybercrime vorzugehen. Hintergrund ist die (lange erfolglose) Jagd nach dem so genannten "Katzen-Hacker".
Netzwerk, Tor, Anonymität
Wiki Commons
Wie Wired UK unter Berufung auf die japanische Zeitung The Mainichi berichtet, ruft die japanische Polizei die Internet Service Provider (ISPs) des Inselstaates derzeit dazu auf, das Tor-Netzwerk freiwillig zu blocken. Die National Police Agency (NPA), laut Wired eine Art japanisches FBI, will, dass die Provider jeden Nutzer, der Tor "missbraucht", aussperren.

Dabei steht offenbar jeder Tor-Nutzer unter Generalverdacht: Da das Netzwerk den Traffic anonymisiert, wird das bei jedem User, der seine Spuren auf diese Weise "verwischt", quasi als ein Eingeständnis der Schuld angesehen, schreibt Wired.

Hintergrund ist der Fall des so genannten "Katzen-Hackers", der die Behörden des Landes mehrere Monate auf Trab gehalten und auch bloßgestellt hat. Der Hacker hatte zahlreiche Bombendrohungen verschickt, seine Spuren aber gut verwischt. "Demon Killer", so das Alias des Hackers, hatte sich über Trojaner Zugriff auf die Rechner Unschuldiger verschafft und von deren PCs aus seine Drohungen auf öffentlichen Foren gepostet.

Siehe auch: Japan - Tokioter Polizei nimmt "Katzen-Hacker" fest

Die japanische Polizei hatte daraufhin vier Unschuldige verhaftet und versucht, ihnen Geständnisse abzuringen, offenbar mit teils illegalen Mitteln. Später musste die Exekutive diesen peinlichen Irrtum zugeben und sich öffentlich entschuldigen. Nach der Verhaftung des (echten) mutmaßlichen Erpressers wurde dann auf dessen Rechner entdeckt, dass dieser regelmäßig seine Spuren per Tor verwischt hat.

Nach dem unrühmlichen Vorgehen der NPA wurde eine Expertenkommission gebildet. Diese empfiehlt in einem nun veröffentlichten Bericht, dass Internet-Anbieter und vergleichbare Dienstleister "freiwillige Maßnahmen" im Zusammenhang mit Tor ergreifen sollen. Man zitiert darin auch weitere Gefahren bzw. mögliche Verbrechen, darunter Finanzbetrug, Leaks geheimer Polizei-Informationen sowie die Aktivität von Tätern im Zusammenhang mit Kindesmissbrauch.

Es ist allerdings fraglich, ob die Internet-Industrie diesem Wunsch trotz der gezeichneten Horrorszenarien nachkommen wird: "Privatsphäre bei der Kommunikation ist unsere Lebensader, weshalb wir einer derartigen Bitte nicht nachkommen können und werden", so ein Industrie-Insider gegenüber The Mainichi.
Jetzt einen Kommentar schreiben


Alle Kommentare zu dieser News anzeigen
Interessante Artikel & Testberichte
Tipp einsenden
❤ WinFuture unterstützen
Sie wollen online einkaufen? Dann nutzen Sie bitte einen der folgenden Links, um WinFuture zu unterstützen: Vielen Dank!