Irre Retro-Technik: Bastler baut 8-Bit-PC aus 460 Sowjet-Vakuumröhren

Ein britischer Hobby-Ingenieur hat in seinem Zuhause einen funktionierenden Acht-Bit-Computer aus 460 alten Elektronenröhren konstruiert. Der Rechner kommt ganz ohne moderne Mikrochips aus, braucht aber viel Pflege und im Notfall einen Feuerlöscher.

    Sowjet-Röhren im Wohnzimmer

    Private Enthusiasten bauen immer wieder beachtliche Dinge. Seien es schicke Custom-PCs im Steampunk-Look oder Energiespeicher für das eigene Zuhause aus über 1.000 alten Laptop-Akkus. Ein britischer Hobby-Ingenieur, der nur als Mike bekannt ist, hat in seinem privaten Arbeitszimmer jetzt aber etwas ganz Spezielles zusammengeschraubt: einen riesigen Acht-Bit-Computer, der aus 460 recycelten Elektronenröhren aus der Sowjet-Zeit besteht.

    Der an die Zimmerwand montierte Rechner verzichtet komplett auf moderne Mikroprozessoren und veranschaulicht die Funktionsweise früher Rechenanlagen direkt auf logischer Ebene, hat aber auch seine ganz speziellen "Nachteile" und ist obendrein auch nicht ganz ungefährlich.

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    Das System, das der Schöpfer "The Tube Computer MK3" getauft hat, nutzt 6N3P-Doppeltrioden aus den 1950er-Jahren. Insgesamt sind 920 Trioden verbaut, die als elementare Schalter fungieren. Sie sind auf 46 Platinen verteilt, die zusammen auf einer knapp zwei Meter breiten und 20 Kilogramm schweren Acrylplatte sitzen. Die Architektur basiert vollständig auf NOR-Gattern, einer Logikschaltung, die in ähnlicher Form bereits beim Apollo Guidance Computer der NASA zum Einsatz kam.

    Hoher Aufwand und viel Pflege

    Wie The Register berichtet, sieht das historische Design zwar toll aus, ist selbstverständlich aber nicht besonders alltagstauglich. So benötigt der Rechner nach dem Einschalten etwa bis zu 15 Minuten, um die notwendige Betriebstemperatur zu erreichen. Da die Röhren in zufälligen Zuständen hochfahren, müssen die Bauteile danach manuell zurückgesetzt werden. Erst dann ist ein einheitlicher Startzustand hergestellt und das System bereit für erste Berechnungen. The Tube Computer MK3: 8-Bit-Elektronenröhren-ComputerDer MK3 in Aktion
    The Tube Computer MK3: 8-Bit-Elektronenröhren-ComputerThe Tube Computer MK3: 8-Bit-Elektronenröhren-ComputerThe Tube Computer MK3: 8-Bit-Elektronenröhren-ComputerThe Tube Computer MK3: 8-Bit-Elektronenröhren-Computer

    Im Betrieb erzeugen die glühenden Röhren zudem viel Abwärme. Konstrukteur Mike bewahrt daher stets einen Feuerlöscher griffbereit auf, da eine frühere Version des Rechners bereits explodierte, was auch bei der neuen Maschine jederzeit passieren kann. Aus Sicherheitsgründen betreibt der Ingenieur das System daher mit einer reduzierten Spannung von unter 100 Volt. Das ermöglicht es außerdem, die Komponenten mit einem Abstand von nur zwei Millimetern sehr dicht nebeneinander zu platzieren.

    Flugsimulator in Planung

    Trotz fehlender Pipeline-Architektur und langsamer Taktung hat der Ingenieur große Pläne für seinen Eigenbau. Derzeit berechnet das System eine Fibonacci-Folge, soll aber künftig einen simplen Flugsimulator antreiben. Das Programm wird die fiktive Reise des historischen britischen Luftschiffs R80 von Brighton nach Paris simulieren, inklusive Steuerung von Ballast und Ruderanlage.

    Die Eingabe am Rechner erfolgt über einfache Folientasten, während die Ausgabe über eine mechanische Fallblattanzeige realisiert wird. Das Bauteil stammt ursprünglich von einer Bahnhofsuhr. Bildschirme sucht man bei dem nostalgischen Hardware-Projekt hingegen vergebens. Ob der MK3 damit ein "Rechner für die ganze Familie" ist, wie ihn der Schöpfer mit einem Augenzwinkern bezeichnet, darf allerdings bezweifelt werden. Wer sich dennoch näher für das Projekt interessiert, findet alle technischen Informationen auf der detaillierten Webseite zum Tube Computer.

    Was meint ihr zu dem aufwendigen Röhren-Projekt? Teilt eure Gedanken und Meinungen gerne mit uns in den Kommentaren.

    Zusammenfassung
    • Ein Bastler hat einen 8-Bit-Rechner aus 460 alten Sowjet-Elektronenröhren gebaut
    • Die Schaltung basiert auf NOR-Gattern ähnlich wie beim Apollo-Bordcomputer
    • Das Hochfahren dauert 15 Minuten und erfordert ein manuelles Zurücksetzen
    • Wegen hoher Hitze und Brandgefahr liegt stets ein Feuerlöscher griffbereit
    • Als Anzeige dient eine historische Fallblattanzeige einer alten Bahnhofsuhr
    • Künftig soll der Röhren-Computer einen einfachen Flugsimulator berechnen

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