EU will ohne Ausschreibung auf Windows 7 wechseln

Windows Der Europäischen Kommission wird vorgeworfen, Microsoft bei der Vergabe von Aufträgen zu bevorzugen, weil man beschlossen hat, Zehntausende Rechner in europäischen Behörden ohne eine öffentliche Ausschreibung auf Windows 7 zu aktualisieren. Bei einem geheimen Treffen im Dezember 2010 wurde nach Angaben von 'PCWorld' beschlossen, bei mehr als 36.000 Desktops der europäischen Institutionen ein Upgrade auf Windows 7 vorzunehmen. Eine öffentliche Ausschreibung des dafür vorgesehen Budgets wurde dabei nicht vorgesehen.

Der Linux-Distributor Red Hat zeigte sich von der Entscheidung sehr enttäuscht, weil die EU-Kommission damit ihrer eigenen Empfehlung widerspricht, einen sogenannten "Lock-In" zu vermeiden, bei dem man sich fest an einen bestimmten Software- beziehungsweise Technologieanbieter bindet.

Offenbar steckt hinter dem Beschluss der EU-Kommission, die Behörden-Computer auf Windows 7 zu aktualisieren, vor allem ein gewisser Zeitdruck. So laufen die bisher genutzten Lizenzen für Windows XP und Windows 2000 im Mai 2011 aus, was die Suche nach einer Upgrade-Möglichkeit oder anderen Alternativen dringend notwendig macht.

Noch soll aber nach Angaben eines Sprechers der EU-Kommission keine endgültige Entscheidung feststehen und künftig will man vermeiden, erst kurz vor Ablauf von Lizenzen über das weitere Vorgehen zu entscheiden. Dennoch können die derzeitigen Pläne, in deren Rahmen die EU sich über einen Zeitraum von vier bis fünf Jahren an Microsoft bindet, für den Softwarekonzern millionenschwere Mehreinnahmen bedeuten.

So orientieren sich diverse andere EU-Behörden und Organisationen an der von der EU-Kommission verwendeten Software, um eine reibungslose Kooperation zu gewährleisten. Nach Angaben von Marktforschern sind europäische Regierungen für 19 Prozent aller Software-Käufe in der EU verantwortlich.

Befürworter von Open-Source-Software übten unterdessen harsche Kritik an der Entscheidung der EU-Kommission, ohne eine Ausschreibung weiter auf Microsoft-Software zu setzen. Während einige Länder und Regionalregierungen beeindruckende Schritte in die richtige Richtung unternommen hätte, verpflichte sich die Kommission weiter gegenüber einem einzelnen Anbieter eines geschlossenen Systems und zeige noch nichteinmal Interesse daran, offene Alternativen in Erwägung zu ziehen, so Paul Meller, Sprecher des Open Forum Europe.
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