Angeschaut: The Social Network - Der Facebook-Film
"The Social Network" läuft am heutigen 7. Oktober in den deutschen Kinos an, in den USA konnte sich der Streifen bereits den ersten Platz der Kinocharts sichern. Das Drehbuch basiert auf dem Buch "Milliardär per Zufall: Die Gründung von Facebook - eine Geschichte über Sex, Geld, Freundschaft und Betrug" von Ben Mezrich.
"The Social Network" muss ohne die Unterstützung des Facebook-Gründers Mark Zuckerberg auskommen. Er hatte sich bereits frühzeitig von dem Projekt distanziert. Dennoch versucht der Film die reale Geschichte hinter der Gründung von Facebook darzustellen, wenn auch in typischer Hollywood-Manier dramatisiert.
Vor allem bei der Darstellung des Hauptdarstellers hat sich Regisseur David Fincher, der durch den Streifen "Fight Club" bekannt wurde, viel Mühe gegeben. "The Social Network" beginnt mit einem Dialog zwischen Mark Zuckerberg, gespielt von einem erstklassigen Jesse Eisenberg, und seiner damaligen Freundin Erica Albright (Rooney Mara).
Dabei geht es um die Aufnahme in den richtigen Final Club, Vereinigungen von Harvard-Studenten, die sich für besonders elitär halten und ihr junges Leben mit viel Alkohol und Frauen genießen. Im Gespräch mit Erica gibt er ihr immer wieder zu verstehen, dass er ihr deutlich überlegen ist, was im Endeffekt auch zur Trennung der beiden führt. "Mark, du wirst erfolgreich und reich werden. Und du wirst immer denken, dass Mädchen dich nicht leiden können, weil du ein Nerd bist. Aber das ist nicht wahr: Sie können dich nicht leiden, weil du ein Arschloch bist."
Zuckerberg wird als egomanische Persönlichkeit dargestellt, die ihre Verletzlichkeit mit übertriebenem Selbstbewusstsein und Hochmut überspielt. Schauspieler Jesse Eisenberg kann dies mit seinen wechselnden Mienen sehr gut umsetzen.
Die eigentliche Entstehungsgeschichte von Facebook wird aus der Sicht von zwei Rechtsstreitigkeiten erzählt, die es auch tatsächlich gegeben hat. Zum einen handelt es sich um den Vorwurf, Zuckerberg soll die Idee für Facebook von den Brüdern Winklevoss gestohlen haben, mit denen er zusammen in Harvard studiert hat. Auch Teile des Quellcodes, die sie für ihr eigenes Social Network ConnectU geschrieben haben, soll er bei Facebook verwendet haben. Facebook einigte sich vor geraumer Zeit mit den Klägern und zahlte 65 Millionen US-Dollar. ConnectU bestreitet diese Einigung noch bis heute.
Der andere Streit sorgt im Film für den nötigen Tiefgang. Es geht um den Facebook-Mitbegründer Eduardo Saverin, bester Freund und Kommilitone von Zuckerberg, der in der Anfangszeit von Facebook das notwendige Kapital eingebracht hat. Dafür wird er zum Chief Financial Officer von Facebook, der später aber auf unschöne Weise abserviert wird, als das Unternehmen abhebt und sich keine Sorgen mehr um finanzstarke Investoren machen musste.
Nach dem ersten Erfolg von Facebook an Harvard und einigen weiteren US-Universitäten trifft Zuckerberg auf den Napster-Mitbegründer Sean Parker, treffend besetzt mit Musiker und Schauspieler Justin Timberlake. Er bringt Zuckerberg dazu, in größeren Dimensionen zu denken. Ihm geht es nicht darum, mit Facebook eine Million zu machen, sondern eine Milliarde. Parker wird dabei als typischer Draufgänger aus dem Silicon Valley dargestellt, der bereits weit oben war, aber auch tief fiel, ohne dabei aus den Fehlern zu lernen.
Zuckerberg ist von den Visionen Parkers begeistert und hält sich deshalb an ihn. Der versprochene Erfolg stellt sich auch ein - Facebook kann die ersten 500.000 Dollar von Investor Peter Thiel einstreichen. Marks bester Freund und Finanzchef Eduardo Saverin bleibt dabei auf der Strecke und wird eiskalt abserviert. Der Film zeigt in dieser Situation nicht nur den finanziellen Verlust für Saverin, sondern auch die moralischen Fehltritte von Zuckerberg, der seinem besten Freund für einen Heuchler den Rücken zukehrt.
Es kommt wie es kommen musste: Parker wird mit Drogen erwischt und landet im Gefängnis. Er wird gezwungen, Facebook zu verlassen. Doch es ist zu spät, denn Saverin geht bereits rechtlich gegen Zuckerberg vor. Offenbar auch mit Erfolg, denn heute wird er wieder als Mitbegründer von Facebook im Impressum geführt.
"The Social Network" will kein Dokumentarfilm sein, weshalb einige Geschehnisse deutlich dramatisiert werden. Es wird beispielsweise so dargestellt, als hätte Zuckerberg Facebook nur gegründet, um den elitären Final Clubs zu zeigen, wer mehr Macht hat.
Doch diese fiktionale Ebene macht den Film interessant und zu einem durchweg gelungenem Werk, das nicht nur Technik-begeisterten Nerds empfohlen werden kann, sondern auch allen anderen Filmfreunden, die eine klassische Tragödie über Verrat, Ehrgeiz, Liebe und Gier erleben wollen.
Zuckerberg, der dem Film anfangs kritisch gegenüberstand, freut sich inzwischen über die positiven Reaktionen. Laut eigener Aussage bekommt er sehr viele Nachrichten, in denen ihm die Frage gestellt wird, was wirklich in den Anfangsjahren von Facebook passiert ist. Zudem erklären ihm viele Leute, dass sie den Film inspirierend fanden und nun Informatik studieren oder sich selbstständig machen wollen.
Weitere Informationen: The Social Network - Offizielle Website
WinFuture bei Facebook: facebook.com/WinFuture
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