Windows 7: Mozilla mit Browserwahl nicht zufrieden
Mozilla-Chef John Lilly erklärte gegenüber 'ComputerWorld', dass Microsofts Vorschlag im Prinzip zwar gut klinge, die Umsetzung in die Praxis aber einen großen Unterschied machen werde. Mitchell Baker, Chefin der Mozilla Stiftung, ließ ihrerseits verlauten, dass der Internet Explorer auch bei einer Umsetzung des Browserwahl-Menüs im positivsten Sinne noch immer eine einzigartige, für ihn vorteilhafte Position bei Windows-Installationen haben werde.

Baker nannte eine ganze Reihe von Punkten, die Mozilla bei Microsofts Vorschlag Sorge bereiten. Dazu gehört unter anderem, dass der Internet Explorer weiter auf dem Desktop bzw. in der Taskleiste sehr präsent wäre, was sich auch durch die Auswahl eines anderen Browsers nicht ändern würde. Offenbar stört sie gerade das Programmsymbol des IE, welches auch nach einer Wahl eines anderen Browsers weiter vorhanden bleibt. Der Anwender müsse daher erst den eigenen Wunsch-Browser zum Standard machen und dann zusätzlich den Internet Explorer 8 deaktivieren.
Ebenfalls problematisch sieht Baker die theoretische Möglichkeit, dass Microsoft mit Hilfe von Eingriffen über Windows Update versuchen könnte, den IE wieder zum Standard-Browser zu machen. Daher müsse es Maßnahmen geben, die dies verhindern, wenn ein anderer Browser als Standard definiert ist und der IE nur zum Bezug von Updates für Programme oder ähnliches benutzt wird.
Ingesamt gebe es noch eine Vielzahl von Detailfragen zu klären, so dass fraglich sei, wie effektiv die vorgeschlagenen Änderungen sind, wenn es darum geht, den Anwendern mehr Wahlmöglichkeiten zu bieten. Auch mögliche Nebeneffekte lassen sich nach Einschätzung von Baker bisher nur schwer vorhersagen. Mozillas Rechtsbeistand Harvey Anderson führte die Bedenken der Firefox-Entwickler weiter aus.
So müsse der Vorschlag zur Browserwahl so überarbeitet werden, dass es Microsoft verboten ist, Windows Update auf irgendeine Art und Weise dazu zu nutzen, den IE wieder zum Standard-Browser zu machen, es sei denn, der Nutzer startet ihn absichtlich und nicht nur als Teil eines anderen Vorgangs. Weiterhin müsse beim Klick auf einen der angebotenen Links nicht nur der Download eines Browser gestartet werden, sondern auch dessen Installation.
Weil nur 55 Prozent der Nutzer nach einem Klick auf den Download-Link auch den Installationsprozess vollständig durchführen, sei dies dringend notwendig. Gleichzeitig soll nach seinen Angaben möglichst auch eine Informationsseite des jeweiligen Browser-Anbieters geöffnet werden. Anderson forderte außerdem die Gründung einer Arbeitsgruppe zur Browserwahl, an der alle Hersteller, Microsoft und die EU beteiligt sein sollen.
Diese Arbeitsgruppe könne das Browserwahl-Menü weiter verbessern, weil sich die Hersteller unter einander darüber austauschen könnten, welche Erfahrungen sie gemacht haben. Mozilla-Chef John Lilly stellte klar, dass man die genannten Kritikpunkte in dieser Form noch nicht gegenüber den EU-Wettbewerbshütern kommuniziert hat. Gleichzeitig forderte er aber, den Bildschirm zur Browserwahl nicht nur in Europa anzubieten.
Mit einer Einigung im Ringen um die Integration eines Menüs zur Browserwahl in Windows 7 wird noch vor der Markteinführung Ende Oktober gerechnet.
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