Umgehung von Paywalls: US-Zeitungen verklagen Browserhersteller

Die New York Times und drei weitere US-Zeitungen verklagen den Browserhersteller Brave. Sie werfen ihm unter anderem Urheberrechtsverletzungen vor. Hintergrund ist hier eine Funktion zur Umgehung von Bezahlschranken.
  • Mehrere US-Zeitungen verklagen den Browseranbieter Brave wegen Urheberrecht
  • Dem Unternehmen wird die unerlaubte Weitergabe von Texten an KI vorgeworfen
  • Zu den Kunden des Brave Index gehören angeblich Firmen wie xAI und Cohere
  • Zudem ermöglicht der Browser laut Klage das Aushebeln von Bezahlschranken
  • Brave reagierte vorerst nicht, während Perplexity die Vorwürfe zurückwies
  • Der Rechtsstreit verschärft die Debatte über Rechte bei Vermittlern von KI

Weitergabe an KI-Anbieter

Die Kläger werfen dem Unternehmen konkret vor, journalistische Inhalte ohne Erlaubnis zu kopieren, an KI-Anbieter weiterzugeben und Nutzern zugleich das Umgehen von Paywalls zu ermöglichen, berichtete Reuters. Eine Klage wurde von der New York Daily News, der Chicago Tribune und dem Orlando Sentinel eingereicht. Parallel dazu geht die New York Times juristisch gegen Brave Software vor. Die Vorwürfe richten sich insbesondere gegen die Nutzung des Brave Index, einer Sammlung erfasster Webseiteninhalte, die der Browseranbieter auch kommerziell verwertet.

Nach Darstellung der Kläger verkauft Brave verschiedenen KI-Unternehmen den Zugang zu aktuellen Online-Inhalten aus diesem Index. Diese sollen unter anderem zum Training von KI-Modellen oder zur Beantwortung konkreter Nutzeranfragen eingesetzt werden. Zu den angeblichen Abnehmern zählen Anthropic, Perplexity, Mistral, xAI und Cohere. Brave habe dabei urheberrechtlich geschützte Inhalte ohne Zustimmung der Verlage bereitgestellt und bislang keine Vergütung gezahlt.


Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die sogenannte Paywall-Blocker-Funktion des Browsers. Brave bewirbt damit den Zugriff auf Inhalte von mehreren hundert großen Publikationen, obwohl diese ihre Artikel hinter Bezahlschranken schützen. Die Zeitungen werfen dem Unternehmen vor, entsprechende Schutzmaßnahmen zu umgehen und Verlage zudem daran zu hindern, den Zugriff durch Brave wirksam zu unterbinden.

Die New York Times begründet ihre Klage mit wiederholten, erfolglosen Aufforderungen an Brave, die mutmaßlichen Urheberrechtsverletzungen einzustellen. Das Unternehmen wolle damit verhindern, dass seine Inhalte gestohlen und anschließend für eigene Produkte oder zur Versorgung großer KI-Anbieter genutzt würden.

Harsche Antwort von Perplexity

Der Anwalt der drei anderen Zeitungen bezeichnet Brave als Vermittler, der rechtswidrig kopierte journalistische Inhalte für die KI-Branche verfügbar mache. Dass solche Inhalte über einen Zwischenhändler bezogen würden, ändere nichts an ihrer illegalen Herkunft.

Brave, Anthropic, Mistral, SpaceXSI und Cohere äußerten sich zunächst nicht zu den Vorwürfen. Perplexity wies die Anschuldigungen hingegen zurück. Der Kommunikationschef des Unternehmens erklärte, die New York Times bezahle ihre Anwälte zu großzügig und ihre Journalisten zu schlecht, um die angeblichen Falschinformationen in der Klage selbst zu erkennen.

Die Verfahren könnten die Auseinandersetzung zwischen Medienhäusern und KI-Unternehmen über die Nutzung journalistischer Inhalte weiter verschärfen. Dabei steht zunehmend auch die Frage im Mittelpunkt, welche Verantwortung technische Vermittler tragen, wenn sie geschützte Inhalte für KI-Anwendungen zugänglich machen.

Download Brave Browser - Webbrowser mit Werbeblocker Siehe auch:
Christian Kahle

Redakteur für Forschung, Energie und Raumfahrt

Begleitet die IT-Branche seit dem Dotcom-Boom, Informatik studierte er in Berlin. Sein Spektrum reicht von Quantencomputern über Solarstrom bis zur Raumfahrt.

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