"Können uns das nicht leisten":
VW legt den ID. Golf auf Eis

Volkswagen stoppt aus Kostengründen vorerst die Entwicklung des elektrischen ID. Golf. Nach Milliardenverlusten im dritten Quartal zieht der Autobauer bei dem geplanten Kompaktwagen die Not­bremse, um die Ausgaben zu senken.
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VW
  • Volkswagen stoppt vorübergehend die Vorarbeiten für das Elektromodell ID. Golf
  • Milliardenverluste im dritten Quartal zwingen den Konzern zu Einsparungen
  • Auf der neuen SSP-Plattform soll nun zuerst der elektrische T-Roc starten
  • Mit reinen E-Autos erzielt der Autobauer aktuell geringere Renditen als zuvor
  • Günstige chinesische Anbieter erhöhen den Preisdruck auf dem Heimatmarkt stark
  • Das Stammwerk in Wolfsburg verfehlt Sparziele um rund 300 Millionen Euro
  • Bestehende Verbrennermodelle wie der Golf erhalten wohl längere Laufzeiten

VW stoppt Arbeit am ID. Golf

Volkswagen hat die Vorarbeiten für das geplante Elektromodell ID. Golf vorübergehend auf Eis gelegt. Nach einem Konzernverlust von 5,8 Milliarden Euro im dritten Quartal tritt das Unternehmen gewaltig auf die Bremse, um die Ausgaben zu senken. Die Kernmarke verbuchte ein Minus von 182 Millionen Euro und rutschte damit erstmals seit dem Jahr 2020 wieder in die roten Zahlen.

Die Entscheidung bedeutet keine endgültige Streichung des Kompaktwagens. Der ID. Golf soll weiterhin Anfang der 2030er-Jahre auf der neuen Fahrzeugarchitektur SSP auf den Markt kommen. Den Anfang auf dieser Plattform soll jedoch der elektrische T-Roc machen. Während der Betriebsrat zuversichtlich ist, mögliche Verzögerungen aufzuholen, bezweifelt die Automobilexpertin Helena Wisbert von der Ostfalia Hochschule (via NDR), dass der eng getaktete Zeitplan zu halten ist.


Markenchef warnt vor ernster Lage

Die Maßnahmen begründet die Führung mit der finanziellen Situation.

Wir können uns diese Arbeiten gerade schlicht nicht leisten.
Thomas Schäfer, VW-Markenchef
Man pausiere das Projekt lediglich. Mit Elektroautos verdient das Unternehmen nach eigenen Angaben derzeit weniger Geld als mit vergleichbaren Verbrennern. Ein Grund: Die Wertschöpfung hat sich vom Motor zur Batterie verschoben, deren wichtige Komponenten Volkswagen zukauft.

Zusätzlich setzen chinesische Hersteller den Konzern auf dem europäischen Markt mit niedrigen Preisen unter Druck. Um die Entwicklung des VW ID. Golf wieder aufzunehmen, müssen die Kosten im Unternehmen laut Schäfer weiter sinken. Während die Standorte in Emden und Zwickau bei der Reduzierung ihrer Fabrikkosten auf Kurs sind, verfehlt das Stammwerk in Wolfsburg seine Sparziele für das laufende Jahr um rund 300 Millionen Euro.

Verbrenner müssen länger durchhalten

Die Idee eines elektrischen Kompaktwagens aus Wolfsburg ist nicht neu. Bereits zwischen 2014 und 2020 verkaufte das Unternehmen den e-Golf als umgerüstete Version der siebten Modellgeneration. Anschließend nahm der ID.3 den Platz als reines Elektroauto ein. Da der Nachfolger auf sich warten lässt, dürfte sich der Lebenszyklus aktueller Modelle verlängern. Der Verbrenner-Golf könnte 2027 ein weiteres Facelift erhalten, wenn die Produktion nach Mexiko verlagert wird.

Durch die Verzögerung beim elektrischen Golf dürften auch verwandte Fahrzeuge wie der Skoda Octavia und der Cupra Leon länger auf dem Markt bleiben. Die Wagen teilen sich die technische Basis mit dem Golf. Da der Konzern Entwicklungskosten senken will, ergäbe es finanziell wenig Sinn, die Baureihen zu ersetzen, solange die elektrischen Nachfolger auf die neue Architektur warten.

Was haltet ihr von der Entscheidung, die Entwicklung des ID. Golf zu pausieren? Seht ihr darin einen notwendigen Schritt oder einen Fehler für die Zukunft? Teilt eure Meinung in den Kommentaren!

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Stefan Trunzik

Leitender Redakteur bei WinFuture.de

IT-Journalist seit 2003, der Hardware, Spiele und Gadgets selbst im Alltag testet. Sein Fokus liegt auf Kaufberatung und Verbraucherthemen.

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