Smart-Glasses von Meta zeichneten eigenmächtig Nutzergespräche auf

Die smarten Ray-Ban-Brillen von Meta haben offenbar Gespräche aufgezeichnet, ohne dass Nutzer den dafür nötigen Sprachbefehl verwendet haben. Transkripte der Unterhaltungen landeten unbemerkt in der Smartphone-App. Meta hat inzwischen reagiert.
Ray-Ban, Brillen, smart glass
Meta
  • Smarte Brillen von Meta zeichneten Gespräche ohne Aktivierungswort auf
  • In der zugehörigen Smartphone-App erschienen Audioaufnahmen und Transkripte
  • Betroffen sind Modelle der zweiten und dritten Generation der Datenbrille
  • Nach Beschwerden bestätigte der Konzern den Fehler und meldete eine Behebung
  • Wegen Datenschutzbedenken erwägt Norwegen bereits Verbote an manchen Orten
  • Früher werteten externe Dienstleister in Kenia intime Videos der Brillen aus

Fehler aktiviert Mikrofone

In den vergangenen Tagen meldeten Besitzer der Ray-Ban Meta Smart Glasses ein Verhalten, das defintiv nicht vorgesehen ist bzw. sein sollte - und das auch Kritiker dieser Geräteklasse bestärken wird. Die Datenbrillen sollen nämlich Gespräche im Alltag erfasst und gespeichert haben, obwohl das dafür vorgesehene Aktivierungswort nicht gesprochen wurde. Die entsprechenden Audioaufnahmen und Text-Transkripte tauchten anschließend im Verlauf der Smartphone-App auf.

Das Problem trat laut den Berichten sowohl bei Modellen der zweiten als auch der dritten Generation auf. Ein Nutzer gab an, das Verhalten bei drei verschiedenen Exemplaren der Brille beobachtet zu haben. Die betroffenen Anwender hatten in den Einstellungen explizit deaktiviert, dass der Sprachassistent auch ohne das konkrete Aktivierungswort antworten darf. Dennoch schaltete sich während normaler Unterhaltungen teilweise das interne Benachrichtigungslicht der Brille ein.


Konzern bestätigt das Problem

Wie Android Authority berichtet, begann das Verhalten laut einem Besitzer nach einem kürzlich verteilten Firmware-Update. Der Kundensupport empfahl dem Nutzer unter anderem, die Mikrofon- und Kameraberechtigungen zu entziehen, die Trageerkennung abzuschalten, den Sprachverlauf zu löschen und automatische Updates zu deaktivieren. Das macht das Gerät im Wesentlichen unbrauchbar, da diese Maßnahmen die Kernfunktionen der Brille außer Kraft setzen.

Inzwischen hat der Hersteller auf die Vorkommnisse reagiert. Gegenüber Android Authority erklärte ein Meta-Sprecher, dass das Problem behoben sei. Anwender können ihre Sprachprotokolle jederzeit über die Einstellungen der App prüfen und löschen. Technische Details zur genauen Ursache der ungewollten Aktivierungen nannte das Unternehmen nicht.

Frühere Datenschutzbedenken

Die aktuellen Vorfälle reihen sich in die zahlreichen jüngeren Kontroversen um smarte Brillen ein. Das Tragen von smarten Brillen in der Öffentlichkeit führt zunehmend zu Diskussionen. Als Folge erwägt etwa Norwegen ein vorübergehendes Verbot in Parks, an Stränden und in Schulen. In Gerichtssälen in den USA und anderswo werden die Geräte zunehmend untersagt.

Zudem standen die Datenbrillen im Frühjahr in der Kritik. Damals wurde bekannt, dass externe Dienstleister in Kenia Videomaterial auswerteten, das Nutzer über die Funktion zur Live-Analyse aufgenommen hatten. Die Aufnahmen dienten dem Training von KI-Systemen, enthielten laut Berichten jedoch teilweise auch intime Situationen wie Aufnahmen aus Badezimmern.

Nutzt ihr smarte Brillen im Alltag oder schrecken euch derartige Datenschutz-Fehler ab? Teilt uns eure Meinung und Erfahrungen in den Kommentaren mit!

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Witold Pryjda

Senior Redakteur

Seit 1996 im Journalismus, ausgebildet an der Österreichischen Medienakademie. Sein Spektrum reicht von Robotern und KI über E-Autos bis zur Militärtechnik.

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