Anständige Nutzer trauen sich kaum noch, Smart-Glasses zu tragen

Die anhaltende Kritik an Metas Smart-Brillen - und vor allem auch einigen ihrer Nutzer - zeigt Wirkung: Immer mehr Käufer, die die Kamera-Brillen bislang begeistert eingesetzt hatten, verzichten inzwischen im Alltag auf deren Verwendung.
Ray-Ban, Brillen, smart glass
Meta

Der Ton wird schärfer

Hintergrund sind wachsende Datenschutzbedenken, Berichte über den Missbrauch der Geräte sowie eine zunehmend scharfe Debatte in sozialen Netzwerken. Meta reagierte bereits mit einem verpflichtenden Software-Update, das Manipulationen an der Kamera erschweren soll.

Mehrere Kreative, Fotografen und Videoproduzenten schilderten gegenüber dem Technikportal Engadget, dass sie ihre Brillen inzwischen deutlich seltener oder gar nicht mehr tragen. Viele befürchten, von Passanten automatisch als heimliche Filmer oder sogar als Belästiger wahrgenommen zu werden. Besonders in englischsprachigen sozialen Medien hat sich der Ton zuletzt verschärft. Dort werden Träger der Geräte teilweise massiv beschimpft.


Die US-amerikanische Reise-Influencerin Danielle erklärte, sie habe ihre Smart-Brille ursprünglich genutzt, um Reisen aus der Ich-Perspektive festzuhalten. Berichte über interne Prüfungen sensibler Aufnahmen durch Meta-Auftragnehmer sowie Videos von Männern, die Frauen mit den Brillen belästigten, hätten ihre Einstellung jedoch grundlegend verändert. Inzwischen liege das Gerät ungenutzt zu Hause.

Ähnlich äußern sich weitere Anwender. Der Videograf Christian Eisenbarth schätzt zwar die unkomplizierten Aufnahmen aus der eigenen Perspektive, vermeidet den Einsatz außerhalb seiner Wohnung jedoch aus Sorge, als "Creep" abgestempelt zu werden. Auch andere Nutzer berichten, sie nähmen die Brillen in Menschenmengen häufiger ab oder trügen sie demonstrativ zusammengeklappt, um Missverständnisse zu vermeiden.

Eigentlich gute Technik

Trotz der Kritik bewerten die Befragten die Technik selbst überwiegend positiv. Viele loben Design und Funktionsumfang, äußern zugleich aber Unbehagen über Metas Umgang mit Datenschutz und über den Missbrauch der Geräte durch einzelne Nutzer. Einige wünschen sich deutlich sichtbare Anzeigen, wenn die Kamera aktiv ist.

Meta hat im letzten Jahr nach eigenen Angaben mehr als sieben Millionen Smart-Brillen verkauft und das Sortiment zuletzt um günstigere Modelle erweitert. Gleichzeitig kursieren im Internet Anleitungen, wie sich die LED deaktivieren lässt, die andere Personen über laufende Aufnahmen informiert. Mit einem nun verpflichtenden Software-Update wird die Kamera zukünftig abgeschaltet, sobald eine Manipulation der Kontrollleuchte erkannt wird. Außerdem kündigte Meta rechtliche Schritte gegen Anbieter entsprechender Umbauten an.

Zusammenfassung
  • Wachsende Datenschutzbedenken verringern die Nutzung von Smart-Glasses
  • Viele Träger fürchten die Stigmatisierung als heimliche Filmer im Alltag
  • Reise-Influencerin Danielle nutzt ihre Brille wegen Missbrauchs nicht mehr
  • Der Videograf Christian Eisenbarth meidet die Nutzung in der Öffentlichkeit
  • Meta verkaufte im vergangenen Jahr mehr als sieben Millionen Smart-Brillen
  • Ein neues Software-Update soll Manipulationen an der LED-Leuchte verhindern

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