Geläutert oder nicht? Hacker im Visier der ShinyHunters-Ermittlungen

Die niederländische Polizei hat einen 24-jährigen Security-Experten verhaftet. Er wird verdächtigt, an Hacks der Gruppe ShinyHunters beteiligt zu sein. Kurz nach der Festnahme stahlen Angreifer sensible Daten des FBI und verspotteten die Ermittler.
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    Ermittlungen gegen ShinyHunters

    Die niederländische Polizei hat Mitte September 2026 einen 24-jährigen Mann aus Amsterdam festgenommen. Er steht im Verdacht, in die kriminellen Aktivitäten der Hacker-Gruppierung ShinyHunters verwickelt zu sein. Der Verdächtige soll sich am 29. September vor dem Bezirksgericht in Rotterdam verantworten. Die Ermittlungen stehen in direktem Zusammenhang mit einem Cyberangriff auf den Mobilfunkanbieter Odido, bei dem Anfang des Jahres Daten von über sechs Millionen Kunden erbeutet wurden.

    Bei dem Festgenommenen handelt es sich laut seinem Arbeitgeber und mehreren Insidern um Pepijn V., der in der IT-Sicherheitsbranche kein Unbekannter ist. Unter dem Pseudonym Umbreon, angelehnt an eine bekannte Pokémon-Figur, beging er bis 2023 diverse Datendiebstähle und Erpressungen. Laut Staatsanwaltschaft erzielte er damit Einnahmen zwischen 1,5 und 2,7 Millionen Euro. Nach seiner Haftentlassung im Dezember 2025 arbeitete er als Offensive Security Lead bei dem Unternehmen Neo Security, und gab an, der Cyberkriminalität den Rücken gekehrt zu haben, also geläutert zu sein.

    Angriff auf US-Behörden

    Kurz nach der Razzia eskalierte die Situation allerdings. Wie Krebs on Security berichtet, attackierten mutmaßliche Mitglieder von ShinyHunters das Bewerbungsportal der US-Bundespolizei FBI. Dabei sollen sie sensible Daten von über 5000 Mitarbeitern gestohlen haben. Für den Einbruch nutzten die Täter eine Schwachstelle in der Personal-Software PeopleSoft des Anbieters Oracle, wobei sie durch einen URL-Trick bestehende Firewall-Regeln umgingen.

    Die Gruppierung hinterließ auf der gehackten FBI-Webseite dann ein Bild der Figur Umbreon. Das könnte laut Krebs on Security ein Versuch eines anderen Hackers gewesen sein, den Angriff dem niederländischen Entwickler in die Schuhe zu schieben. Demnach soll es einen internen Machtkampf zwischen V. und einem anderen Hacker gegeben haben. ShinyHunters selbst bestreitet jede Verbindung zu dem 24-Jährigen und bezeichnete die Arbeit der niederländischen Polizei in einer Stellungnahme als inkompetent.

    Social Engineering bei Odido

    Der ursprüngliche Vorfall bei dem Telekommunikationsanbieter Odido nahm seinen Anfang mit einem Telefonat. Ein niederländisch sprechender Anrufer gab sich als Mitarbeiter der internen IT-Abteilung aus. Er überzeugte das Personal, Zugangsdaten auf einer gefälschten Anmeldeseite einzugeben und zusätzliche Verifizierungscodes herauszugeben. Ob es sich bei der Stimme auf den veröffentlichten Aufnahmen um den festgenommenen Tatverdächtigen handelt, haben die Ermittler bislang nicht offiziell bestätigt.

    Benjamin Korper, der Arbeitgeber des Verdächtigen bei Neo Security, zeigte sich nach der Festnahme schockiert. Er habe den IT-Spezialisten vor der Einstellung genau geprüft und während der Anstellung überwacht. Bislang gäbe es laut einer externen Untersuchung keine Hinweise darauf, dass V. seinen Arbeitgeber oder dessen Kunden angegriffen habe. Der Beschuldigte bleibt vorerst in Gewahrsam und erwartet die weiteren gerichtlichen Schritte in Rotterdam.

    Glaubt ihr, dass verurteilte Cyberkriminelle eine zweite Chance in der Sicherheitsbranche verdienen? Teilt eure Meinung und diskutiert mit uns in den Kommentaren!

    Zusammenfassung
    • Die Polizei in den Niederlanden nahm einen mutmaßlichen Hacker fest
    • Der Verdächtige soll für ShinyHunters Daten von Odido erbeutet haben
    • Als Umbreon erbeutete er früher Millionen und galt später als geläutert
    • Hacker griffen ein FBI-Portal über eine Oracle-Sicherheitslücke an
    • Auf der attackierten US-Behördenseite wurde ein Umbreon-Bild platziert
    • ShinyHunters bestreitet Verbindungen zu dem festgenommenen Informatiker

    Siehe auch:
    Witold Pryjda

    Senior Redakteur

    Seit 1996 im Journalismus, ausgebildet an der Österreichischen Medienakademie. Sein Spektrum reicht von Robotern und KI über E-Autos bis zur Militärtechnik.

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