Segen und Fluch: KI erschafft Viren, die nicht in Natur zu finden sind

Forscher der Stanford University haben mit dem KI-Modell Evo erst­mals funktionsfähige Baupläne für völlig neue Viren entworfen. Die künstlich erschaffenen Erreger töten gezielt Keime ab und eröffnen damit neue Wege in der Medizin. Doch es gibt auch Risiken.
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KI-Modell entwirft Viren-DNA

Stanford-Wissenschaftler haben erstmals Künstliche Intelligenz genutzt, um die Baupläne für komplett neue Viren zu generieren. Das KI-Modell mit dem Namen Evo analysierte dafür riesige Mengen an genetischen Daten und erstellte eigene Sequenzen. Die Forscher synthetisierten das Erbgut im Labor und schleusten es in Bakterien ein. Daraufhin entstanden funktionsfähige Viren, die in der Natur bisher nicht existierten - das könnte nützlich und gruselig zugleich sein.

Bei den künstlich erzeugten Erregern handelt es sich um sogenannte Bakteriophagen. Das sind Viren, die ausschließlich Bakterien befallen und für Menschen keine Gefahr darstellen. In Labortests erwiesen sich 16 der vom Computer entworfenen Varianten als lebensfähig. Sie waren in der Lage, das Darmbakterium E. coli erfolgreich zu infizieren und abzutöten.


Medizinischer Nutzen und Gefahren

Wie u. a. BBC News unter Breufung auf die dazugehörige Studie berichtet, basiert die Technologie auf großen Sprachmodellen, ähnlich wie bei modernen Chatbots. Anstatt Wörter vorherzusagen, berechnet die Software jedoch die Abfolge von molekularen Bausteinen der DNA. Brian Hie, Assistenzprofessor in Stanford, erklärte gegenüber der BBC, dass generative KI damit erstmals ein vollständiges Genom entworfen habe, das sich in Zellen replizieren könne.

Der Fortschritt in der synthetischen Biologie eröffnet neue medizinische Möglichkeiten. Phagen gelten als vielversprechende Alternative zu Antibiotika, insbesondere bei der Behandlung von multiresistenten Keimen. Die Fähigkeit, Viren gezielt am Computer an spezifische Bakterienstämme anzupassen, könnte die Phagentherapie künftig deutlich effizienter machen.

Sicherheitsbedenken bleiben bestehen

Trotz des medizinischen Potenzials äußern Experten Bedenken hinsichtlich der Biosicherheit. Laut dem Bericht warnen Fachleute davor, dass die Technologie missbraucht werden könnte, um gefährliche Krankheitserreger für Menschen, Tiere oder Pflanzen zu erschaffen. Es fehle derzeit an internationalen Richtlinien, um den sicheren Umgang mit biologischen KI-Modellen zu gewährleisten, so die Skeptiker.

Die Forscher selbst haben präventive Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. Sie schlossen die genetischen Codes von Viren, die komplexe Organismen infizieren, bewusst aus den Trainingsdaten der KI aus. Zudem fanden alle Experimente in streng gesicherten Laboren statt. Ob sich mit dem aktuellen Verfahren auch deutlich größere und komplexere Genome von menschlichen Krankheitserregern generieren ließen, bleibt vorerst offen.

Was denkt ihr über den Einsatz von KI in der Genetik? Seht ihr eher die medizinischen Chancen oder überwiegen für euch die Sicherheitsrisiken? Teilt eure Meinung gerne in den Kommentaren mit uns.

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