1&1 verliert vor Gericht:
Verlängerungsregel bei Handyverträgen gekippt

Ein Gericht hat mehrere Klauseln in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen von 1&1 für unzulässig erklärt. Das betrifft insbesondere automatische Verlängerungen bei Mobilfunktarifen. Für Kunden bedeutet das vor allem mehr Flexibilität.
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1&1 Drillisch / United Internet

1&1-Klauseln gekippt

Nachdem 1&1 bereits Niederlagen vor Gericht bezüglich seiner Glasfaser-Werbung und seines Treuemodells für Internetkunden einstecken musste, hat das Oberlandesgericht Koblenz jetzt entschieden, dass zusätzliche Bestimmungen in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Telekommunikationsanbieters unzulässig sind. Bereits in der vorherigen Instanz wurden fünf Vertragsbedingungen für rechtswidrig erklärt. Jetzt kippten die Richter noch zwei weitere Vorgaben zu Mobilfunkverträgen.

Im Zentrum des juristischen Verfahrens standen vor allem die automatischen Vertragsverlängerungen. Der Internetanbieter erklärte in seinen Dokumenten, dass sich Tarife ohne rechtzeitige Kündigung automatisch um ein volles Jahr verlängern. Das aktuelle Telekommunikationsgesetz, welches die Rechte von Verbrauchern in dem Sektor klar definiert, schreibt jedoch etwas anderes vor. Demnach dürfen Kunden nach Ablauf der anfänglichen Mindestvertragslaufzeit jederzeit mit einer Frist von einem Monat kündigen.


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Geklagt hatte der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). So hätten die gewählten Formulierungen von 1&1 bei Abonnenten fälschlicherweise den Eindruck erweckt, sie seien unabänderlich für weitere zwölf Monate gebunden. Das gesetzlich verankerte Kündigungsrecht nach der Erstlaufzeit sei in der Wahrnehmung der Nutzer dadurch nahezu unsichtbar gemacht worden.

Intransparente Rechnungen

Neben den Laufzeiten wurden auch Regelungen zur Rechnungsstellung erfolgreich abgemahnt. Das Telekommunikationsunternehmen hatte in den Vorgaben verankert, dass monatliche Forderungen sofort mit der Bereitstellung der Rechnung im digitalen Kundenportal fällig werden. Die Verbraucherschützer argumentierten vor Gericht, dass das reine Hochladen in ein Online-Postfach nicht garantiere, dass der Nutzer die Rechnung überhaupt zur Kenntnis nehme. Das Gericht folgte dieser Argumentation.

Ein weiterer Streitpunkt in dem Verfahren betraf einseitige Vertragsanpassungen. So behielt sich 1&1 das Recht vor, Konditionen nach eigenem Ermessen abzuändern, sofern die Ausgewogenheit des Vertrages nicht unbedeutend gestört werde. Das Gericht bemängelte hierbei die unklare Sprache und die Aneinanderreihung unbestimmter Rechtsbegriffe. Abonnenten hätten die Tragweite möglicher Änderungen durch das Unternehmen so nicht einmal ansatzweise abschätzen können.

Urteil bisher nicht rechtskräftig

Das Urteil mit dem Aktenzeichen 2 U 603/24 reiht sich in Rechtsentscheidungen ein, die den Verbraucherschutz im Mobilfunksektor stärken. Die Entscheidung aus Koblenz ist aktuell jedoch noch nicht rechtskräftig. Solche juristischen Auseinandersetzungen verdeutlichen, wie wichtig genaue Formulierungen im Kleingedruckten sind. Anbieter dürfen gesetzliche Schutzmechanismen nicht einfach durch eigene Textbausteine aushebeln.

Habt ihr schon einmal Probleme mit automatischen Vertragsverlängerungen gehabt? Prüft ihr bei AGB-Änderungen die neuen Bedingungen genau? Teilt eure Erfahrungen gerne mit uns in den Kommentaren!

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Zusammenfassung
  • OLG Koblenz erklärt weitere 1&1 AGB-Klauseln für unzulässig
  • VZBV klagte wegen irreführender Formulierungen zu Vertragsbindungen
  • Automatische Jahresverlängerungen ohne Kündigung für rechtswidrig erklärt
  • Gesetz erlaubt monatliche Kündigung nach Ablauf der Erstlaufzeit
  • Rechnungsstellung nur über Online-Portal ohne Benachrichtigung nicht zulässig
  • Urteil mit Aktenzeichen 2 U 603/24 ist bisher nicht rechtskräftig

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