Cloud-Firma gehackt: KI-Tool mit Zugriff auf Google-Konto öffnet die Tür

Der amerikanische Cloud-Dienstleister Vercel ist Opfer eines schweren Cyberangriffs geworden. Angreifer erbeuteten sensible Kundendaten, nachdem ein Mitarbeiter einem KI-Werkzeug umfassenden Zugriff auf Google Workspace gewährte.
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Angriff auf Cloud-Dienstleister

Der amerikanische Cloud-Anbieter Vercel verzeichnet einen schweren Sicherheitsvorfall. Angreifer drangen am vergangenen Wochenende in die internen Systeme des Unternehmens ein und entwendeten Kundendaten. Die Hacker gelangten in die Systeme, nachdem ein Mitarbeiter einem externen Werkzeug für künstliche Intelligenz weitreichende Berechtigungen für den Google Workspace der Firma einräumte.

Bei dem Werkzeug handelt es sich um ein KI-Tool der Firma Context.AI, die Arbeitsabläufe durch autonome Textgenerierung und Datenanalyse automatisiert. Über den offenen Standard OAuth erhielt die Software die höchste Berechtigungsstufe. OAuth funktioniert ähnlich wie ein digitaler Zweitschlüssel, der Programmen den Zugriff auf Benutzerdaten gewährt, ohne das eigentliche Passwort preiszugeben. Die internen Sicherheitsrichtlinien von Vercel ließen das offensichtlich zu.


Kettenreaktion durch Schadsoftware

Context.AI erklärte, dass ihre eigenen Systeme zuerst kompromittiert worden waren. Ein Mitarbeiter der Firma infizierte sich wohl beim Herunterladen von Skripten für das Videospiel Roblox mit einer Schadsoftware. Das Schadprogramm stahl daraufhin die Zugangsdaten des Mitarbeiters und ermöglichte den Hackern den Zugriff auf die OAuth-Schlüssel der Nutzer des KI-Tools.

Die Angreifer nutzten daraufhin den Schlüssel für das Google-Workspace-Konto des Vercel-Mitarbeiters, um in die Infrastruktur des Cloud-Unternehmens vorzudringen und unverschlüsselte Daten auszulesen. Wie Vercel mitteilte, blieben einige Daten durch eine Verschlüsselung geschützt.

Gefahr für die Lieferkette

Im Darknet bietet ein Nutzer das erbeutete Material derzeit für zwei Millionen US-Dollar (etwa 1,7 Millionen Euro) zum Kauf an. Das angebliche Datenpaket umfasst unter anderem:
  • Quellcodes von internen Projekten
  • Datenbankinformationen von Kunden
  • Digitale Zugangsschlüssel für Entwickler-Plattformen

Der Verkäufer nutzt den Namen der bekannten Hackergruppe ShinyHunters, die eine Beteiligung jedoch abstreitet. Fachleute warnen bei einem Verkauf der Daten vor dem Risiko eines Angriffs auf die Lieferkette. Vercel pflegt das Web-Framework Next.js, das von zahlreichen Web-Entwicklern eingesetzt wird. Ein mithilfe der Daten aus dem Hack manipuliertes Update könnte viele Webseiten weltweit infizieren. Bislang gibt es jedoch keine Hinweise auf entsprechende Aktivitäten. Vercel rät betroffenen Kunden trotzdem, ihre digitalen Schlüssel zu erneuern.

Zusammenfassung
  • Vercel erlitt einen schweren Cyberangriff mit Diebstahl von Kundendaten
  • Auslöser war ein KI-Tool mit OAuth-Vollzugriff auf Google Workspace
  • Kompromittierte Context.AI-Systeme öffneten Angreifern den Weg zu Vercel
  • Unverschlüsselte Umgebungsvariablen wurden gelesen, Verschlüsseltes blieb sicher
  • Im Darknet kursiert das Paket für zwei Millionen US-Dollar zum Verkauf
  • Vercel empfiehlt Kunden neue Schlüssel, um Folgerisiken zu begrenzen

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