Neuer Front-Roboter: Russland setzt auf improvisierte Raketenwerfer

Russlands Militär setzt an der ukrainischen Front auf den neuen Kampfroboter Cultivator. Das unbemannte Kettenfahrzeug nutzt eigentlich für Hubschrauber gedachte Raketenwerfer, um massive Feuerkraft ohne Risiko für die eigene Besatzung zu entfalten.
Russland, Krieg, Waffe, Raketen, Cultivator

Russlands neuer Roboter-Raketenwerfer

Die russischen Streitkräfte setzen an der ukrainischen Front ein neues unbemanntes (und einigermaßen improvisiert aussehendes) Bodenfahrzeug ein. Das Kultivator getaufte System kombiniert eine ferngesteuerte Kettenplattform mit Raketenwerfern, die ursprünglich für Hubschrauber und Kampfflugzeuge konzipiert wurden. Das System wurde speziell für den Einsatz gegen befestigte Stellungen und zur Minenräumung entwickelt.

Technisch basiert der Kultivator auf einem kleinen, geländegängigen Kettenfahrgestell. Darauf montierten Ingenieure (in unterschiedlichen Ausführungen) den Raketenbehälter des Typs B-8V20A. Dieser Werfer ist eigentlich Standardausrüstung an russischen Kampfhubschraubern wie dem Mi-8, Mi-24 oder dem Ka-52. Der Behälter fasst zwanzig ungelenkte Luft-Boden-Raketen vom Typ S-8 im Kaliber 80 Millimeter. Durch die Integration auf ein Bodenfahrzeug entsteht eine mobile Artillerie-Einheit, die massive Salven auf kurze Distanz abfeuern kann. Cultivator MLRSSieht improvisiert aus und ist es auch: der russische Kultivator

Frankenstein-Fahrzeug

Wie das ukrainische Portal Defense Express berichtet, tauchte das Fahrzeug kürzlich in der Region Donezk auf. Das Portal analysierte Aufnahmen, die den Einsatz des Roboters zeigen. Solche Kombinationen aus unterschiedlichen Waffengattungen werden oft als "Frankenstein-Fahrzeuge" bezeichnet. Sie entstehen häufig aus der Notwendigkeit heraus, verfügbare Munitionsbestände und Hardware effektiv zu nutzen, wenn spezialisierte Bodensysteme fehlen oder geschont werden sollen.


Die Verwendung von Flugzeugraketen auf Bodenfahrzeugen ist physikalisch herausfordernd. Während Hubschrauber die S-8-Raketen aus der Bewegung und Höhe abfeuern, um Reichweiten von mehreren Kilometern zu erzielen, muss der Kultivator statisch oder bei geringer Geschwindigkeit feuern. Das reduziert die effektive Reichweite drastisch. Um Ziele zu treffen, muss der Werfer stark angewinkelt werden, was das Fahrzeug in eine Art Mörser-Modus versetzt. Die Präzision leidet dabei erheblich, weshalb das System eher als Flächenwaffe zur Niederhaltung des Gegners dient.

Unsicher und ungeschützt

Ein weiterer Aspekt ist die Steuerung. Der Kultivator operiert ferngesteuert, was ihn anfällig für elektronische Kampfführung macht. Wird die Funkverbindung gestört, bleibt das mit Sprengstoff beladene Fahrzeug stehen. Zudem bietet die Panzerung des kleinen Fahrgestells kaum Schutz gegen moderne Panzerabwehrwaffen oder FPV-Drohnen. Die Explosion eines voll beladenen Raketenwerfers würde das Fahrzeug vollständig zerstören.

Ähnliche Konzepte verfolgte Russland bereits mit dem Uran-9, einem schwereren Kampfroboter. Der Kultivator wirkt im Vergleich dazu jedoch eher wie eine Feldimprovisation findiger Mechaniker und weniger als ein Serienprodukt der Rüstungsindustrie. Die Kombination aus billiger Logistik und hoher Feuerkraft macht das Konzept für den Abnutzungskrieg attraktiv, auch wenn die Treffsicherheit der umfunktionierten Luft-Raketen am Boden fragwürdig bleibt.

Was haltet ihr von solchen Improvisationen im modernen Gefecht? Diskutiert die technischen Aspekte gerne mit uns in den Kommentaren.

Zusammenfassung
  • Russlands Militär setzt den Kampfroboter Kultivator in der Ukraine ein
  • Das unbemannte Kettenfahrzeug trägt Raketenwerfer vom Typ B-8V20A
  • Die S-8-Raketen waren ursprünglich für Kampfhubschrauber konzipiert
  • Das Fahrzeug wurde in der Region Donezk von Defense Express gesichtet
  • Die effektive Reichweite ist am Boden deutlich geringer als in der Luft
  • Elektronische Kampfführung kann die Funksteuerung leicht unterbrechen
  • Der Kultivator gilt eher als Feldimprovisation denn als Serienprodukt

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