Artemis II: NASA startet Mondmission trotz Mängeln am Hitzeschild

Die NASA hält am Start von Artemis II fest, obwohl Experten vor Mängeln am Hitzeschild warnen. Statt eines Austauschs soll eine neue Flugbahn die Sicherheit der Crew gewährleisten. Ist das Risiko für die Astronauten kalkulierbar oder ein gefährliches Spiel?

Grünes Licht - aber mit Bedenken

Die US-Weltraumbehörde NASA steht kurz davor, mit der Mission Artemis II erstmals seit mehr als 50 Jahren wieder Menschen auf eine Reise um den Mond zu schicken. Der Start ist für Anfang Februar 2026 geplant.

Überschattet wird das Vorhaben jedoch von technischen Bedenken: Das Raumschiff Orion soll mit einem Hitzeschild starten, der bei einem früheren Testflug Schäden zeigte. Der amtierende NASA-Administrator Jared Isaacman erteilte nach einer abschließenden Überprüfung dennoch die Startfreigabe und erklärte, er habe Vertrauen in die Arbeit der Ingenieure und die Missionsplanung.


Die Entscheidung stützt sich auf eine umfassende Risikoanalyse, ist in Fachkreisen jedoch umstritten. Im Mittelpunkt der Diskussion steht das thermische Schutzsystem der Kapsel. Der Hitzeschild besteht aus 186 Blöcken des ablativen Materials Avcoat, einer Weiterentwicklung des bei den Apollo-Missionen eingesetzten Epoxidharz-Gemischs.

Es soll die Kapsel beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre vor Temperaturen von bis zu 2760 Grad Celsius schützen. Bei der unbemannten Mission Artemis I im Jahr 2022 traten jedoch unerwartete Schäden auf, Teile der Beschichtung platzten ab und hinterließen Krater im Material. Ursache war laut NASA die geringe Gasdurchlässigkeit des Avcoats, wodurch sich eingeschlossene Gase beim Erhitzen ausdehnten und das Material von innen beschädigten.

Physik als Problemlöser

Wie Ars Technica berichtet, verzichtet die NASA-Führung vor allem auf einen Austausch des Hitzeschildes, da dies den Zeitplan um Jahre verzögert hätte. Auch ein Tausch mit der Hitzeschutz-Einheit der für Artemis III vorgesehenen Kapsel, die bereits über verbesserte Avcoat-Blöcke verfügt, wurde geprüft. Laut Amit Kshatriya, einem leitenden Manager des Mond-zu-Mars-Programms, scheiterte dies jedoch an der hohen technischen Komplexität. Stattdessen setzt die NASA auf Anpassungen bei Software und Flugprofil.

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Geplant ist ein nun deutlich veränderter Wiedereintritt. Die Orion-Kapsel soll in einem steileren Winkel in die Atmosphäre eintreten, um die Dauer der maximalen thermischen Belastung von etwa 14 auf rund acht Minuten zu verkürzen. Simulationen und Tests zeigen, dass so der Gasdruck im Avcoat so reduziert wird. Analysen ergaben zudem, dass die darunterliegende Kompositstruktur der Kapsel selbst bei teilweisem Versagen des Hitzeschildes stabil bleiben würde.

Die rund 20,4 Milliarden Dollar (etwa 17,1 Milliarden Euro) teure Entwicklung der Orion-Kapsel muss nun im realen Einsatz zeigen, ob die Berechnungen passen.

Würdet ihr euch unter diesen Umständen an Bord der Orion wagen oder haltet ihr das Risiko für zu hoch? Teilt eure Gedanken zur NASA-Strategie gerne mit uns in den Kommentaren.

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Was ist das Problem mit dem Hitzeschild?
Bei der unbemannten Testmission Artemis I zeigte der Hitzeschild der Orion-Kapsel unerwartete Schäden. Das Schutzmaterial, genannt Avcoat, verkohlte beim Wiedereintritt nicht gleichmäßig, sondern verlor ganze Stücke (Spallation) und bildete Risse.

Da die Orion-Kapsel für die bemannte Mission Artemis II bereits fertiggestellt ist, kann der Schild nicht einfach ausgetauscht werden. Dies führt zu einer Debatte darüber, ob das Risiko für die vier Astronauten an Bord akzeptabel ist.
Wie wird das Problem gelöst?
Anstatt den Hitzeschild zu ersetzen, hat die NASA das Wiedereintrittsprofil der Kapsel geändert. Durch einen steileren Eintrittswinkel soll die Zeit, in der das Material kritischen thermischen Belastungen ausgesetzt ist, verkürzt werden.

Umfangreiche Tests und Simulationen, sogenannte "Arc Jet Tests", deuten darauf hin, dass diese angepasste Flugbahn die Rissbildung im Material deutlich reduzieren wird.
Was kritisieren Experten an den Plänen?
Nicht alle Experten sind überzeugt. Der ehemalige Shuttle-Astronaut und Ingenieur Charlie Camarda bezeichnet den Plan als "verrückt". Er kritisiert, dass die NASA das Problem nur umgeht ("kicking the can down the road"), anstatt es grundlegend zu beheben.

Camarda warnt davor, sich zu sehr auf vereinfachte Simulationsmodelle zu verlassen, die das Risswachstum möglicherweise nicht korrekt vorhersagen. Er sieht Parallelen zur Kultur bei der NASA vor dem Columbia-Unglück.
Warum versagte das Material bei Artemis I?
Die Untersuchung ergab, dass das Avcoat-Material bei Artemis I zu "undurchlässig" war. Gase, die während der extremen Hitzeentwicklung entstanden, konnten nicht entweichen (ausgasen), was den Druck im Inneren erhöhte und das Material aufsprengte.

Dies wird auf eine Änderung im Fertigungsprozess zurückgeführt. Während früher eine Wabenstruktur genutzt wurde, setzt man für Artemis auf große Blöcke, um die Produktion effizienter zu gestalten.
Wann startet die Artemis II Mission?
Der Start der Mission ist aktuell für Anfang 2026 geplant, frühestens jedoch für den 6. Februar. Die Verzögerungen im Zeitplan dienten unter anderem dazu, die Hitzeschild-Daten gründlich auszuwerten und die Risiken neu zu bewerten.

Es handelt sich um die erste bemannte Mondmission seit Jahrzehnten, bei der die Astronauten den Mond umrunden, aber nicht auf ihm landen werden.
Zusammenfassung
  • NASA plant erste bemannte Mondumrundung seit 50 Jahren für Februar 2026
  • Hitzeschild der Orion-Kapsel zeigt unerwartete strukturelle Probleme
  • Startfreigabe trotz Bedenken zum beschädigten Hitzeschild erteilt
  • NASA wählt steileren Wiedereintrittswinkel statt Schildaustausch
  • Kürzere Hitzeexposition soll Abplatzungen am Hitzeschild verringern
  • Experten bewerten Risiko unterschiedlich - Vergleich mit Columbia-Unglück
  • Orion-Kapsel muss nun ihre Sicherheit im Weltraum unter Beweis stellen

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