Forscher entwickeln Flüssig-"Zahnräder" ohne jeglichen Verschleiß
Klassische Zahnräder leiden seit der Antike unter Reibung und Verschleiß, doch ein neues System hebelt diese Schwächen aus. Durch den Einsatz von Flüssigkeiten zur Kraftübertragung berühren sich die Bauteile nicht mehr, was sie immun gegen Abrieb macht.
Anstatt auf feste Bauteile zu setzen, nutzen die Wissenschaftler die Eigenschaften von Flüssigkeiten, um Bewegung zwischen zwei Rotoren zu übertragen. Das System kommt dabei völlig ohne physischen Kontakt der Bauteile aus.
Das Team um Jun Zhang, Professor für Mathematik und Physik, und Leif Ristroph entwickelte eine Versuchsanordnung, bei der zwei Zylinder in eine Lösung aus Wasser und Glycerin getaucht wurden. Wie Phys.org schreibt, wird durch die Rotation eines aktiven Zylinders die umgebende Flüssigkeit in Bewegung versetzt.
Diese Strömung überträgt die kinetische Energie auf den zweiten, passiven Zylinder. Die Viskosität und Dichte der Flüssigkeit spielen dabei eine entscheidende Rolle für die Effizienz der Kraftübertragung. Je nach Einstellung der Parameter ändert sich das Verhalten der Strömung und beeinflusst so die Interaktion der beiden Komponenten maßgeblich.
Die Experimente der Forscher offenbarten zwei unterschiedliche Funktionsweisen, die sich je nach Abstand der Zylinder und der Rotationsgeschwindigkeit ergeben. Befinden sich die Zylinder nah beieinander, wirkt die Flüssigkeit wie mikroskopische Zähne. Der passive Zylinder wird in die entgegengesetzte Richtung gedreht - exakt wie bei herkömmlichen Zahnrädern, die ineinandergreifen. Das Fluid füllt hierbei den Raum zwischen den Komponenten und überträgt das Drehmoment direkt durch die Scherkräfte der Flüssigkeitsschichten.
Der Verzicht auf feste Verzahnungen bietet signifikante Vorteile für spezifische Einsatzgebiete. Da sich die Bauteile nicht berühren, gibt es keinen Materialabrieb. Sollte ein Fremdkörper, etwa ein Sandkorn, in das System gelangen, führt das nicht zum Stillstand; die Flüssigkeit strömt schlicht um das Hindernis herum. Das macht das Konzept besonders robust für Umgebungen, in denen Wartungsarbeiten schwierig sind oder hohe Verschmutzungsgefahr besteht.
Ein primäres Anwendungsgebiet sehen die Forscher in der sogenannten Soft Robotics. Hier könnten starre Metallkomponenten durch diese fluidbasierten Systeme ersetzt werden, um flexiblere und widerstandsfähigere Maschinen zu bauen. Die detaillierten Ergebnisse der Studie wurden im Fachjournal Physical Review Letters veröffentlicht.
Glaubt ihr, dass Flüssigkeitsgetriebe in der Praxis bestehen können oder bleibt das reine Labortechnik? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare.
Siehe auch:
Mechanik ohne Berührung und Verschleiß
Zahnräder sind aus der modernen Mechanik nicht wegzudenken, doch das Grundprinzip hat sich seit der Bronzezeit kaum verändert: ineinandergreifende Zähne übertragen Kraft. Das führt unweigerlich zu Reibung, Verschleiß und einer hohen Anfälligkeit für Störungen durch Fremdkörper. Ein Forscherteam der New York University (NYU) hat nun jedoch einen Ansatz vorgestellt, der diese mechanischen Schwachstellen umgeht.Anstatt auf feste Bauteile zu setzen, nutzen die Wissenschaftler die Eigenschaften von Flüssigkeiten, um Bewegung zwischen zwei Rotoren zu übertragen. Das System kommt dabei völlig ohne physischen Kontakt der Bauteile aus.
Das Team um Jun Zhang, Professor für Mathematik und Physik, und Leif Ristroph entwickelte eine Versuchsanordnung, bei der zwei Zylinder in eine Lösung aus Wasser und Glycerin getaucht wurden. Wie Phys.org schreibt, wird durch die Rotation eines aktiven Zylinders die umgebende Flüssigkeit in Bewegung versetzt.
Demonstration der Wasser-"Zahnräder" der New York University
Diese Strömung überträgt die kinetische Energie auf den zweiten, passiven Zylinder. Die Viskosität und Dichte der Flüssigkeit spielen dabei eine entscheidende Rolle für die Effizienz der Kraftübertragung. Je nach Einstellung der Parameter ändert sich das Verhalten der Strömung und beeinflusst so die Interaktion der beiden Komponenten maßgeblich.
Von der Antike zur modernen Physik
Zahnräder haben, wie anfangs erwähnt, eine lange Geschichte: Bereits um 3000 v. Chr. kamen sie in China bei sogenannten Kompasswagen für die Durchquerung der Wüste Gobi zum Einsatz. Diese nutzten komplexe Differenzialgetriebe, um eine Figur stets nach Süden zeigen zu lassen. Später waren Zahnräder essenzieller Bestandteil des berühmten Mechanismus von Antikythera im antiken Griechenland, der astronomische Ereignisse berechnete. Während diese historischen Vorbilder zwingend auf präzise gefertigte, ineinandergreifende Zähne angewiesen waren, eliminiert der neue Ansatz der NYU das Risiko von abgebrochenen Zähnen oder Blockaden durch Sand und Schmutz komplett.Die Experimente der Forscher offenbarten zwei unterschiedliche Funktionsweisen, die sich je nach Abstand der Zylinder und der Rotationsgeschwindigkeit ergeben. Befinden sich die Zylinder nah beieinander, wirkt die Flüssigkeit wie mikroskopische Zähne. Der passive Zylinder wird in die entgegengesetzte Richtung gedreht - exakt wie bei herkömmlichen Zahnrädern, die ineinandergreifen. Das Fluid füllt hierbei den Raum zwischen den Komponenten und überträgt das Drehmoment direkt durch die Scherkräfte der Flüssigkeitsschichten.
Potenzial für die Soft-Robotik
Erhöht man jedoch den Abstand oder die Geschwindigkeit, ändert sich das Verhalten der Strömung drastisch. Die Flüssigkeit bildet eine Schleife um den passiven Zylinder, ähnlich einem unsichtbaren Riemenantrieb. In diesem Modus dreht sich der zweite Rotor in die gleiche Richtung wie der Antrieb. Das System ermöglicht somit variable Übersetzungen und Richtungswechsel allein durch die Änderung der Parameter, ohne dass mechanische Teile ausgetauscht werden müssen. Das ist ein Novum in der Getriebetechnik, da klassische Mechanik für einen solchen Wechsel meist komplexe Kupplungen oder zusätzliche Zahnräder benötigt.Der Verzicht auf feste Verzahnungen bietet signifikante Vorteile für spezifische Einsatzgebiete. Da sich die Bauteile nicht berühren, gibt es keinen Materialabrieb. Sollte ein Fremdkörper, etwa ein Sandkorn, in das System gelangen, führt das nicht zum Stillstand; die Flüssigkeit strömt schlicht um das Hindernis herum. Das macht das Konzept besonders robust für Umgebungen, in denen Wartungsarbeiten schwierig sind oder hohe Verschmutzungsgefahr besteht.
Ein primäres Anwendungsgebiet sehen die Forscher in der sogenannten Soft Robotics. Hier könnten starre Metallkomponenten durch diese fluidbasierten Systeme ersetzt werden, um flexiblere und widerstandsfähigere Maschinen zu bauen. Die detaillierten Ergebnisse der Studie wurden im Fachjournal Physical Review Letters veröffentlicht.
Glaubt ihr, dass Flüssigkeitsgetriebe in der Praxis bestehen können oder bleibt das reine Labortechnik? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare.
Zusammenfassung
- NYU-Forscher entwickeln wassergetriebene Zahnräder ohne Berührung
- Flüssigkeiten übertragen Kraft zwischen Zylindern durch Strömungen
- System funktioniert je nach Abstand in zwei unterschiedlichen Modi
- Keine Materialabnutzung und hohe Widerstandsfähigkeit gegen Fremdkörper
- Traditionelle Zahnräder leiden seit der Antike unter Abrieb und Verschleiß
- Anwendungspotenzial besonders im Bereich der Soft Robotics
- Flüssigkeitsviskosität und -dichte beeinflussen die Übertragungseffizienz
Siehe auch:
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