"Violence-as-a-Service":
Fast 200 Festnahmen rund um Miet-Gewalt

Europas Polizeibehörden haben in den vergangenen sechs Monaten einen deutlichen Schlag gegen ein neuartiges Kriminalitäts­phä­no­men geführt: Die sogenannten "Violence-as-a-Service"-Dienste, bei denen Gewalttäter vermietet werden.
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Europaweiter Trend

Dahinter stehen lose organisierte Gruppen, die vor allem Jugendliche über soziale Medien oder verschlüsselte Messenger anwerben, um Auftragsmorde, Einschüchterungen oder andere Gewalttaten auszuführen. Wie Europol mitteilt, wurden seit April nahezu 200 Verdächtige festgenommen, darunter auch zahlreiche Minderjährige.

Die Ermittler warnen, dass junge Menschen systematisch manipuliert oder unter Druck gesetzt werden. "Die Spannbreite reicht von Drohungen und Folter bis hin zu gezielten Tötungen", heißt es in einer am Montag veröffentlichten Erklärung Europols. Koordiniert wird der Einsatz unter dem Namen OTF GRIMM. An ihm sind Ermittler aus 13 Ländern sowie Fachleute von Europol und verschiedenen Internetdiensten beteiligt.


Die Bilanz der ersten sechs Monate zeigt das Ausmaß der Lage: 63 mutmaßliche Täter, die direkt an Gewalttaten beteiligt gewesen sein sollen, wurden festgenommen. Weitere 40 Personen gelten laut Europol als Unterstützer, die logistische Hilfe geboten oder entsprechende Dienste vermittelt haben. Mit 84 Festnahmen verzeichnet die Gruppe der mutmaßlichen Anwerber die meisten Zugriffe. Zudem nahmen die Behörden sechs mutmaßliche Drahtzieher fest, fünf davon stuften sie als besonders gefährlich ein.

Diverse Gruppen

Die Fälle reichen quer durch Europa. In den Niederlanden wurden zwei Verdächtige gefasst, die einen Mordversuch in Deutschland geplant haben sollen. In Spanien verhinderten Ermittler Anfang Juli mutmaßlich einen geplanten Mord, nachdem sie Waffen und Munition sicherstellten. Und in Dänemark stellten sich mehrere Jugendliche, die über verschlüsselte Chats andere Teenager für Auftragsmorde angeworben haben sollen.

Parallel beobachten Sicherheitsexperten einen starken Anstieg von Cyberkriminalität, die in physische Gewalt umschlägt. Ein besonders aufsehenerregender Fall ereignete sich im Januar in Frankreich, als der Mitgründer des Hardware-Wallet-Herstellers Ledger, David Balland, und seine Frau entführt wurden. Die Täter verstümmelten Balland und setzten das Umfeld des Unternehmens mit Lösegeldforderungen unter Druck.

Viele dieser Täter sollen Verbindungen zu "The Com" haben, einem lockeren Netzwerk aus Hackern, SIM-Swappern und Erpressern. Ein Ableger namens "IRL Com" geriet auch ins Visier des FBI, das im Sommer vor wachsender Gewaltbereitschaft und zunehmenden "Swatting"-Attacken warnte.

Zusammenfassung
  • Europol meldet 200 Festnahmen im Kampf gegen 'Violence-as-a-Service'
  • Kriminelle werben gezielt Jugendliche für bezahlte Gewalttaten an
  • Einsatz namens OTF GRIMM vereint Ermittler aus 13 europäischen Ländern
  • Unter den Verhafteten befinden sich Täter, Unterstützer und Anwerber
  • Cyberkriminalität schlägt vermehrt in physische Gewaltverbrechen um
  • Fälle umfassen Mordversuche, Einschüchterungen und Entführungen
  • Verschlüsselte Messenger dienen als Rekrutierungsplattform für Minderjährige

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