Ex-Chef: Intel hat verlernt, ingenieurtechnisch zu arbeiten
Der frühere Intel-Chef Pat Gelsinger blickt mit ungewöhnlicher Schärfe auf seinen zweiten Anlauf an der Spitze des Chipkonzerns zurück. Er schildert tiefgreifende Probleme, die seinen ambitionierten Versuch zur Rettung des Konzerns verhinderten.
Doch schon bald musste er erkennen, dass der Konzern stärker beschädigt war, als er erwartet hatte, wie er im Gespräch mit der Financial Times ausführte. "In den fünf Jahren vor meiner Rückkehr wurde kein einziges Produkt pünktlich ausgeliefert", sagt er. Die internen Prozesse und grundlegenden Abläufe seien so vernachlässigt worden, dass er nach kurzer Zeit entsetzt festgestellt habe: "Wir wissen schlicht nicht mehr, wie man ingenieurtechnisch arbeitet."
Dieser Satz steht exemplarisch für Gelsingers Bilanz. Intel habe grundlegende Disziplinen verloren, von Projektführung bis Qualitätskontrolle, erklärte er. Beim prestigeträchtigen Fertigungsschritt 18A, der dem Unternehmen technologisch wieder Anschluss verschaffen sollte, dauerte es deutlich länger als geplant. Zugleich musste Intel ausgerechnet TSMC beauftragen, einige eigene Chips zu produzieren - ein Tiefpunkt in der Firmengeschichte.
Auch die Beziehungen zu Partnern litten. Gelsingers direkte Art, lange ein Markenzeichen von Intel, sei nicht überall gut angekommen. Rivalen wie Nvidia und Qualcomm hätten wenig Interesse gehabt, als Kunden der neuen Foundry-Sparte Intels aufzutreten. Kritik erntete er zudem für seine optimistischen Prognosen, die sich nicht erfüllten und das Vertrauen von Analysten kosteten.
Für Gelsinger selbst ist das Kapitel Intel jetzt endgültig geschlossen. Doch der Rückblick fällt eindeutig aus: Der Konzern, der die moderne Computerindustrie mit aufgebaut hat, stehe vor einem tiefgreifenden kulturellen und technologischen Neuaufbau. Ohne ihn, so Gelsingers Botschaft, sei Intel schlicht aus der Übung gekommen.
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Gelsinger quasi: "Ohne mich ging nichts mehr"
Der 63-jährige Gelsinger, der bereits als 18-Jähriger zu Intel kam und später zu den wichtigsten Technikern des Unternehmens zählte, kehrte 2021 nach mehr als einem Jahrzehnt Auszeit zurück. Sein Ziel war klar: Intel sollte technologisch wieder auf Augenhöhe mit TSMC und anderen asiatischen Marktführern kommen.Doch schon bald musste er erkennen, dass der Konzern stärker beschädigt war, als er erwartet hatte, wie er im Gespräch mit der Financial Times ausführte. "In den fünf Jahren vor meiner Rückkehr wurde kein einziges Produkt pünktlich ausgeliefert", sagt er. Die internen Prozesse und grundlegenden Abläufe seien so vernachlässigt worden, dass er nach kurzer Zeit entsetzt festgestellt habe: "Wir wissen schlicht nicht mehr, wie man ingenieurtechnisch arbeitet."
Dieser Satz steht exemplarisch für Gelsingers Bilanz. Intel habe grundlegende Disziplinen verloren, von Projektführung bis Qualitätskontrolle, erklärte er. Beim prestigeträchtigen Fertigungsschritt 18A, der dem Unternehmen technologisch wieder Anschluss verschaffen sollte, dauerte es deutlich länger als geplant. Zugleich musste Intel ausgerechnet TSMC beauftragen, einige eigene Chips zu produzieren - ein Tiefpunkt in der Firmengeschichte.
Auch die Beziehungen zu Partnern litten. Gelsingers direkte Art, lange ein Markenzeichen von Intel, sei nicht überall gut angekommen. Rivalen wie Nvidia und Qualcomm hätten wenig Interesse gehabt, als Kunden der neuen Foundry-Sparte Intels aufzutreten. Kritik erntete er zudem für seine optimistischen Prognosen, die sich nicht erfüllten und das Vertrauen von Analysten kosteten.
Neuaufbau nötig
Dennoch verteidigt Gelsinger sein Vorgehen, insbesondere seine Rolle bei der Durchsetzung des US-Chips-Acts, den er als Voraussetzung für eine Rückverlagerung der Halbleiterproduktion in die USA sieht. Dass der Intel-Vorstand ihn 2024 kurz nach milliardenschweren Förderzusagen dennoch absetzte, hält er für ironisch: Sein Nachfolger verfolge im Kern dieselbe Strategie.Für Gelsinger selbst ist das Kapitel Intel jetzt endgültig geschlossen. Doch der Rückblick fällt eindeutig aus: Der Konzern, der die moderne Computerindustrie mit aufgebaut hat, stehe vor einem tiefgreifenden kulturellen und technologischen Neuaufbau. Ohne ihn, so Gelsingers Botschaft, sei Intel schlicht aus der Übung gekommen.
Zusammenfassung
- Pat Gelsinger kehrte 2021 zu Intel zurück und fand tiefgreifende Probleme
- Intel hatte laut Gelsinger verlernt, wie man ingenieurtechnisch arbeitet
- Vernachlässigte Prozesse führten zu erheblichen Verzögerungen bei Produkten
- Der Konzern musste Konkurrent TSMC mit der Produktion eigener Chips beauftragen
- Gelsingers Rolle bei der Durchsetzung des US-Chips-Acts war bedeutsam
- Trotz Entlassung verfolgt sein Nachfolger im Kern dieselbe Strategie
- Intel steht vor einem grundlegenden kulturellen und technischen Neuaufbau
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