Milliardengrab: US Navy zieht Reißleine beim Fregatten-Deal

Verzögerung, Kostenexplosion, Designchaos: Aus einer bewährten italienischen Fregatte sollte ein komplett neues Schiff mit 500 Tonnen Mehrgewicht und sieben Meter längerem Rumpf werden. Doch nun ist das Constellation-Programm der US Navy Geschichte.
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Ende des Constellation-Programms

Die US Navy vollzieht einen drastischen Kurswechsel und stoppt das Programm für die Constellation-Klasse weitgehend. Marineminister John Phelan verkündete am Dienstag das Ende für die geplanten Fregatten, die eigentlich das Rückgrat der modernen Flotte bilden sollten. Statt wie geplant eine große Anzahl neuer Schiffe zu bauen, realisiert die Regierung die letzten vier vertraglich vereinbarten Einheiten nicht. Washington will keine weiteren Mittel für Systeme bereitstellen, die nicht zeitnah die Einsatzbereitschaft erhöhen oder im Wettbewerb mit globalen Rivalen bestehen können, so die offizielle Begründung.

Hintergrund der Entscheidung sind massive Verzögerungen und explodierende Kosten, die das Projekt zunehmend unwirtschaftlich machen. Die US-Regierung reagiert damit auf die vor allem zeitliche Notwendigkeit, die Flottenstärke schneller auszubauen. Der Fokus verschiebt sich nun auf Schiffsklassen, die effizienter produziert und ausgeliefert werden können. Dieser Schritt gilt laut Militärexperten als direkte Antwort auf das rasante Wachstum der chinesischen Marine, die ihre Kapazitäten in den letzten Jahren enorm erweitert hat.

Wie das Fachportal USNI News berichtet, einigten sich die Navy und die Industrie darauf, die Verträge für die letzten vier Schiffe aufzulösen. Lediglich die ersten beiden Einheiten, die "USS Constellation" (FFG-61) und die "USS Congress" (FFG-62), werden weitergebaut. Diese Entscheidung dient primär dazu, die Auslastung der Werft Fincantieri Marinette Marine im Bundesstaat Wisconsin zu sichern.

Technische Hürden statt Standard

Das Scheitern des Programms ist auf technischer Ebene besonders lehrreich für IT- und Engineering-Profis. Ursprünglich sollte das Design auf der bewährten italienischen FREMM-Fregatte basieren, um Entwicklungskosten zu sparen und Risiken durch einen "Off-the-Shelf"-Ansatz zu minimieren. Doch die Anpassungen an US-Standards, insbesondere an die strengen Level II Survivability-Vorgaben der Navy für Beschussfestigkeit, uferten vollständig aus. Dies führte zu einem sogenannten Design-Drift, bei der sich das Endprodukt massiv vom Ausgangsentwurf entfernte:

  • Verlängerung des Rumpfes um gut sieben Meter und komplette Umgestaltung des Aufbaus.
  • Reduktion der baulichen Gemeinsamkeiten zum italienischen Mutterdesign von angestrebten 85 Prozent auf unter 15 Prozent.
  • Gewichtszunahme um rund 500 Tonnen, was komplexe neue Triebwerkskonfigurationen und eine Verstärkung der Spanten erforderlich machte.

Diese umfangreichen Modifikationen führten dazu, dass sich die Auslieferung des ersten Schiffes von ursprünglich 2026 auf 2029 verschieben soll. Die Kosten pro Einheit kletterten von geplanten 1,1 Milliarden Dollar (etwa 954 Millionen Euro) auf zuletzt geschätzte 1,4 Milliarden Dollar (etwa 1,21 Milliarden Euro). Kritiker bemängelten zudem, dass die Schiffe selbst bei Fertigstellung kaum Überlebenschancen gegen moderne Bedrohungen wie Drohnenschwärme hätten, ähnlich wie es bereits bei den umstrittenen Littoral Combat Ships (LCS) der Fall war.

Reaktion auf China

Ein wesentlicher Treiber für den Abbruch ist wie bereits erwähnt der Blick nach Asien. Während chinesische Werften Kriegsschiffe in hohem Tempo produzieren und die Flotte der Volksbefreiungsarmee bereits rund 400 Einheiten umfasst, kommt die US Navy mit aktuell etwa 240 Schiffen kaum hinterher. Verteidigungsexperten warnen, dass in einem Konflikt oft die bloße Anzahl der Plattformen und der verfügbaren Raketenschächte (VLS) entscheidend sein kann.

Das Scheitern der Constellation-Klasse zeigt deutlich, wie riskant es sein kann, bestehende Systeme zu stark modifizieren zu wollen. Haltet ihr den kompletten Abbruch für die richtige Entscheidung oder hätte man das Design retten können? Schreibt uns eure Meinung dazu in die Kommentare!

Zusammenfassung
  • US Navy stoppt Bau der Constellation-Fregatten nach massiven Verzögerungen
  • Nur zwei statt aller sechs vertraglich vereinbarten Schiffe werden fertiggestellt
  • Umfangreiche Anpassungen an US-Standards führten zu 500 Tonnen Mehrgewicht
  • Auslieferungstermin verschob sich von 2026 auf 2029 mit erheblicher Kostensteigerung
  • Ursprünglich sollte Design auf bewährter italienischer FREMM-Fregatte basieren
  • Designänderungen reduzierten Gemeinsamkeiten mit italienischem Mutterdesign auf 15 %
  • Chinas wachsende Marine mit etwa 400 Schiffen erhöht Druck auf US-Flottenstärke

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