Vorbeifliegende Sterne können Sonnensystem massiv destabilisieren

Das Lebensende der Sonne ist nicht die einzige Option, durch die das Leben auf der Erde endgültig erlöschen kann. Auch ein vorbeiziehender Stern kann vorzeitig dafür sorgen, dass unser Planet dicht an oder gar in die Sonne wandert.
Weltraum, Weltall, Astronomie, Mars, Erde, Sonnensystem, Planeten, Sternensystem

Erde in Gefahr?

Ein solches Szenario wird auf Basis entsprechender Simulationen in einer neuen Forschungsarbeit gezeichnet. Zwar ist ein direkter Zusammenstoß eines anderen Planeten oder gar der Sonne mit der Erde höchst unwahrscheinlich, doch die Wahrscheinlichkeit für gravierende Störungen der Planetenbahnen liegt laut den Forschenden deutlich höher als bisher angenommen.

In der Fachzeitschrift Icarus veröffentlichten die Astronomen Nathan Kaib vom Planetary Science Institute in Iowa und Sean Raymond von der Universität Bordeaux die Ergebnisse ihrer Simulationen. Diese zeigen, dass sogenannte Feldsterne - also Sterne, die in der Nähe unseres Sonnensystems vorbeiziehen - die Bahnen der Planeten deutlich stärker beeinflussen könnten als bislang gedacht.


"Unsere Modelle deuten darauf hin, dass frühere Simulationen die langfristigen Veränderungen in den Umlaufbahnen der Gasriesen um mehr als das Zehnfache unterschätzt haben", schreiben Kaib und Raymond. Besonders Pluto, der ehemalige neunte Planet unseres Sonnensystems, könnte durch solche gravitativen Störungen seine stabile Bahn verlieren. Die Wahrscheinlichkeit für ein solches Szenario innerhalb der nächsten fünf Milliarden Jahre liegt laut der Studie bei rund fünf Prozent.

Noch höher ist das Risiko für Merkur. Die Wahrscheinlichkeit, dass dessen Bahn durch die Einflüsse vorbeiziehender Sterne instabil wird, liegt zwischen 50 und 80 Prozent. Auch für Mars und Erde sehen die Forscher ein gewisses Risiko. Die Chance, dass Mars durch eine Kollision sogar aus dem Sonnensystem geschleudert wird, liegt bei 0,3 Prozent - bei der Erde hingegen nur bei 0,2 Prozent.

Es geschah schon mal

Kaib weist jedoch darauf hin, dass diese Ereignisse trotz allem sehr unwahrscheinlich seien. Dennoch betonte die Planetologin Renu Malhotra von der Universität Arizona gegenüber Science News, dass die Erkenntnisse beunruhigend seien: "Es ist ein wenig beängstigend, wie anfällig unser Planetensystem für chaotische Entwicklungen ist."

Schon vor drei Millionen Jahren, so Kaib in einer früheren Studie, könnte ein vorbeiziehender Stern die Umlaufbahn der Erde leicht verändert haben. Solche "alltäglichen" Sternenbegegnungen sind nach kosmischen Maßstäben keineswegs selten - ihre langfristigen Folgen jedoch bleiben weiterhin ein großes Forschungsfeld.

Zusammenfassung
  • Vorbeiziehende Sterne können Planetenbahnen stärker stören als bisher angenommen
  • Wissenschaftler entdecken höhere Destabilisierungsrisiken für unser Sonnensystem
  • Pluto könnte mit 5-prozentiger Wahrscheinlichkeit seine stabile Bahn verlieren
  • Merkurs Bahn wird mit 50 bis 80 Prozent Wahrscheinlichkeit instabil werden
  • Erde und Mars könnten in seltenen Fällen aus dem Sonnensystem geschleudert werden
  • Schon vor drei Millionen Jahren veränderte ein Stern möglicherweise die Erdumlaufbahn
  • Forschungsergebnisse zeigen beunruhigende Anfälligkeit für chaotische Entwicklungen

Siehe auch:
Jetzt einen Kommentar schreiben


Alle Kommentare zu dieser News anzeigen
Tipp einsenden
❤ WinFuture unterstützen
Sie wollen online einkaufen? Dann nutzen Sie bitte einen der folgenden Links, um WinFuture zu unterstützen: Vielen Dank!