Aliens gefunden? Begeisterung war groß, jetzt folgt der Schlagabtausch

Auf dem Exoplaneten K2-18b könnten Spuren von Leben entdeckt worden sein - das war die Hoffnung. Doch mehrere neue Studien zweifeln die Interpretation der Daten an. Auch das Team um die Entdeckung rudert zurück.
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Exoplanet K2-18b: Der Alien-Hype zerfällt in Datenstaub

Was wie ein Wendepunkt in der Suche nach außerirdischem Leben klang, wird nun zur hitzigen Debatte: Im April hatten Forschende um Nikku Madhusudhan von der Universität Cambridge mit dem James-Webb-Weltraumteleskop mögliche Hinweise auf Dimethylsulfid (DMS) und Dimethyldisulfid (DMDS) auf K2-18b gemeldet. Beide Moleküle entstehen auf der Erde durch biologische Prozesse, etwa durch Algen in den Meeren. Solche sogenannten Biosignaturen gelten als potenzielle Anzeichen für Leben.

Doch mehrere Teams haben seitdem dieselben Spektraldaten neu ausgewertet - mit ernüchterndem Ergebnis. Unter anderem kamen Luis Welbanks (Arizona State University) und Matthew Nixon (University of Maryland), in einem Preprint zu dem Schluss: Bei Anwendung alternativer Modelle "verschwinden" die Hinweise auf Biosignaturen vollständig. In ihrer Version wurden 90 statt der ursprünglich 20 Moleküle als Erklärungsmöglichkeiten berücksichtigt.


Welbanks kommentierte kritisch: "Wenn man alles findet, hat man dann überhaupt etwas gefunden?" Die Autoren betonen aber, dass sie DMS nicht ausschließen - nur könne man auf Basis der bisherigen Datenlage keine Aussage treffen.

Madhusudhan verteidigt seine Auswertung: Seine Gruppe habe auf die Unsicherheiten hingewiesen und lediglich "Hinweise" präsentiert - umformuliert: Die Wahrscheinlichkeit, dass der beobachtete Effekt kein Zufall ist, läge bei 99,7 %. Auch er veröffentlichte inzwischen eine neue Analyse mit einem deutlich erweiterten Molekülkatalog (650 Varianten), wobei DMS erneut unter den drei wahrscheinlichsten Substanzen auftauchte - DMDS jedoch nicht mehr. Stattdessen fanden sich unter den Topkandidaten wenig plausible Verbindungen wie Methylacrylonitril, ein auf der Erde toxischer Stoff.

Fakten: Exoplanet K2-18b
  • Lage: 124 Lichtjahre entfernt im Sternbild Löwe
  • Typ: Möglicherweise "Hyzeanischer" Planet (mit Wasserstoffhülle und potenziellen Ozeanen)
  • Radius: etwa 2,6 Erdradien
  • Temperatur: Möglicherweise geeignet für flüssiges Wasser - abhängig von der Atmosphäre
  • Analyseverfahren: Transmissionsspektroskopie mit dem James-Webb-Weltraumteleskop (JWST)

Ein weiterer Preprint von Rafael Luque (University of Chicago), der zusätzlich Daten im mittleren Infrarotbereich auswertete, kommt ebenfalls zu dem Schluss: Keine statistisch signifikanten Hinweise auf DMS oder DMDS. Auch eine einfach gehaltene Analyse von Jake Taylor (Oxford) stützt diese Bewertung, so Phys.

Madhusudhan entgegnete, diese Tests berücksichtigten nicht alle physikalischen Effekte der Beobachtungsmethode. Trotzdem begrüßte er die Debatte: "Solche Argumente sind gesund." Denn Grundlage aller Analysen ist ein spezielles Verfahren namens Transmissionsspektroskopie: Wenn ein Planet vor seinem Stern vorbeizieht, lässt sich aus dem gefilterten Licht die chemische Zusammensetzung der Atmosphäre erschließen - zumindest indirekt.

Alien-Spuren nur Artefakte?

DMS ist eine der wenigen Substanzen, die auf der Erde - nach aktuellem Kenntnisstand - ausschließlich durch biologische Prozesse entstehen. Doch für andere Himmelskörper werden auch abiotische Entstehungswege diskutiert. Solche Prozesse könnten etwa in schwefelhaltigen Umgebungen unter extremen physikalischen Bedingungen ablaufen, sind aber bislang weder im Labor noch auf Planeten nachgewiesen worden. Deshalb ist DMS für viele Forscher immer noch ein Leuchtstern für die Suche nach Leben.

Ein Fazit zur aktuellen Debatte bleibt: Die anfangs vor allem auch durch Medien getragene Begeisterung über vermeintliche Biosignaturen auf K2-18b hat sich gelegt. Die Daten sind nicht falsch - doch ihre Interpretation bleibt umstritten. Neue Beobachtungen, etwa durch das James-Webb-Teleskop, werden in den kommenden Monaten mehr Klarheit bringen.

Zusammenfassung
  • Mögliche Lebensspuren auf K2-18b lösen wissenschaftliche Kontroversen aus
  • Neue Analysen stellen ursprüngliche Entdeckung von Biosignaturen infrage
  • Erweiterte Modelle lassen Hinweise auf Biosignaturen verschwinden
  • Madhusudhan verteidigt Ergebnisse trotz widersprüchlicher Erkenntnisse
  • James-Webb-Teleskop-Daten führen zu komplexen Interpretationen
  • Weitere Beobachtungen sollen in den nächsten Monaten Klarheit bringen

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