Deutschlandweite Störung des Digitalfunks von Polizei und Feuerwehr

Deutschlandweit ist der Digitalfunk von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten von einer großflächigen Störung betroffen. Während einige Regionen bereits Entwarnung geben, suchen Experten noch nach der Ursache des Ausfalls.
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Bundesweiter Ausfall des Behördenfunks

In Deutschland kam es am Dienstagnachmittag zu einer großflächigen Störung des Digitalfunks der Sicherheitsbehörden wie unter anderem Focus berichtet. Betroffen waren Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste in zahlreichen Bundesländern. Das Bundesinnenministerium bestätigte den Ausfall, konnte jedoch zunächst keine Angaben zu Ausmaß und Ursache der Störung machen. Die ersten Ausfälle wurden gegen 17 Uhr in Bayern und in norddeutschen Bundesländern gemeldet.

Zu den betroffenen Regionen zählten unter anderem Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Brandenburg und Bayern. In einigen Bundesländern wie Niedersachsen und Bremen wurde bereits Entwarnung gegeben. Laut dem niedersächsischen Innenministerium dauerte die Störung im Raum Hannover nur wenige Minuten an.


Auswirkungen und Notfallmaßnahmen

Wie Focus weiter schreibt, ist der BOS-Digitalfunk (Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben) das zentrale Kommunikationsmittel für Einsatzkräfte und deckt mit mehr als 5.000 Basisstationen 99,2 Prozent der Fläche Deutschlands ab.

In Regionen, in denen das Funknetz auch für die Alarmierung von Einsatzkräften genutzt wird, wurden nach Bekanntwerden der Probleme Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. In Hessen wurden beispielsweise ehrenamtliche Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr vorsorglich in die Gerätehäuser beordert, da nicht sichergestellt werden konnte, dass sie im Notfall über Funk alarmiert werden können.

Technische Hintergründe und Zukunftspläne

Der aktuell genutzte Digitalfunk basiert auf der Tetra-Technologie, die in den 1990er-Jahren entwickelt wurde und mittlerweile als technisch überholt gilt. Die Datenübertragungsraten liegen lediglich auf dem Niveau analoger Modems. Seit 2023 verhandeln Bund und Länder über ein zukunftsfähiges, breitbandiges Digitalfunknetz für Sicherheitsbehörden, wobei die Finanzierungsfrage zu Verzögerungen führte.

Die großen deutschen Mobilfunkbetreiber rechnen sich Chancen aus, zumindest übergangsweise ein virtuelles Breitbandnetz für Sicherheitsbehörden zu betreiben. Allerdings fehlen kommerziellen Mobilfunknetzen noch wichtige Funktionen wie die Möglichkeit, in vordefinierten Sprechgruppen zu kommunizieren oder prioritäre Notrufe zu übermitteln.

Kritik von Sicherheitsexperten

Stephan Weh, Berliner Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), bezeichnete den Ausfall als "Super-Gau für unsere Sicherheitsbehörden". Er warnte: Kommunikation sei heute das wichtigste Einsatzmittel der Polizei, von dem "Ende des Tages Leben und Tod abhängen" könnten.

Der weitreichende Zusammenbruch des Digitalfunks ist der Super-Gau für unsere Sicherheitsbehörden und zeigt uns, wie anfällig unsere digitale Infrastruktur ist und wie fahrlässig es ist, sich auf Monopollösungen zu verlassen.
Stephan Weh
Es ist nicht der erste schwerwiegende Ausfall des Systems. Bereits während der Flutkatastrophe im Ahrtal hatte die Technik stellenweise versagt - teils durch Zerstörung der Infrastruktur durch die Fluten, teils durch Überlastung der verfügbaren Systeme.

Was haltet ihr von der Ausfallsicherheit unserer kritischen Infrastruktur? Ist es an der Zeit, in modernere Kommunikationssysteme für Rettungskräfte zu investieren? Teilt eure Meinungen und Erfahrungen in den Kommentaren!

Was ist der BOS-Digitalfunk?
Der BOS-Digitalfunk ist das zentrale Kommunikationssystem für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben in Deutschland. Es versorgt über eine Million Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten mit mehr als 5.000 Basisstationen und deckt 99,2% der Fläche Deutschlands ab.

Das System basiert auf der TETRA-Funktechnik aus den 1990er Jahren und ist komplett unabhängig von kommerziellen Mobilfunknetzen. Es ermöglicht die bundesweite und organisationsübergreifende Kommunikation, besonders wichtig bei komplexen Einsatzlagen und Katastrophenfällen.
Wie schwerwiegend war die Störung?
Die Störung trat bundesweit auf und betraf mehrere Bundesländer, darunter Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Brandenburg und Bayern. In einigen Regionen wie Niedersachsen und Bremen war die Störung nach wenigen Minuten behoben.

Besonders kritisch war die Situation in Regionen, die das Funknetz zur Alarmierung von Einsatzkräften nutzen. In Hessen beispielsweise war zeitweise unklar, ob Freiwillige Feuerwehren im Alarmfall erreicht werden konnten. Als Vorsichtsmaßnahme wurden in einigen Kommunen die ehrenamtlichen Kräfte präventiv in die Gerätehäuser beordert.
Gibt es alternative Kommunikationswege?
Ja, die Einsatzkräfte können auf alternative Kommunikationssysteme ausweichen. Die Berliner Feuerwehr bestätigte beispielsweise, dass sie trotz der Störung durchgehend handlungsfähig blieb und andere Systeme zur Kommunikation nutzen konnte.

Allerdings warnt die Gewerkschaft der Polizei (GdP) vor der Abhängigkeit von solchen "Monopollösungen" und betont, dass die Kommunikation heute das wichtigste Einsatzmittel ist, von dem im Extremfall Leben und Tod abhängen können.
Wie sicher ist der Digitalfunk?
Der BOS-Digitalfunk ist eigentlich auf besondere Ausfallsicherheit ausgelegt und operiert unabhängig von kommerziellen Netzen. Allerdings zeigten sowohl die aktuelle Störung als auch frühere Vorfälle wie bei der Flutkatastrophe im Ahrtal Schwachstellen im System.

Die GdP bezeichnet den Ausfall als "Super-GAU für Sicherheitsbehörden" und warnt vor der Anfälligkeit der digitalen Infrastruktur. Die genaue Ursache der aktuellen Störung ist noch unklar - ob technischer Defekt oder möglicher Hackerangriff wird noch untersucht.
Wie ist der aktuelle Stand?
Nach Angaben der Bundesanstalt für den Digitalfunk (BDBOS) arbeiten alle Partner mit höchster Priorität an der Ursachenanalyse. Erste Regionen wie Bremen und Niedersachsen meldeten bereits kurz nach dem Auftreten der Störung Entwarnung.

Das Bundesinnenministerium bestätigte den bundesweiten Ausfall, konnte aber zunächst keine konkreten Informationen zu den Gründen der Störung geben. Die Schadensaufnahme läuft und alle beteiligten Stellen und Firmen sind informiert.
Gibt es Pläne für ein neues System?
Ja, Bund und Länder verhandeln seit 2023 über ein zukunftsfähiges, breitbandiges Digitalfunknetz. Die Planungen wurden zwischenzeitlich wegen Finanzierungsstreitigkeiten gestoppt. Große Mobilfunkbetreiber hoffen, übergangsweise ein virtuelles Breitbandnetz betreiben zu können.

Die neue Lösung soll auf 5G-Technologie basieren und spezielle Funktionen wie Mission Critical Communications (MCx) bieten. Diese ermöglichen Gruppenkommunikation und prioritäre Notrufe - Funktionen, die für Einsatzkräfte essentiell sind.
Wer ist von Ausfällen betroffen?
Der Digitalfunk wird von mehr als einer Million Sicherheitskräften aller deutschen Blaulichtorganisationen genutzt. Dazu gehören Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste und andere Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS).

Besonders kritisch sind Ausfälle für Regionen, die das System nicht nur zur Sprachkommunikation, sondern auch zur Alarmierung von Einsatzkräften nutzen, wie beispielsweise bei der Freiwilligen Feuerwehr.
Welche Technik steckt dahinter?
Der aktuelle Digitalfunk basiert auf der TETRA-Funktechnik aus den 1990er Jahren. Die Datenübertragungsrate liegt dabei nur auf dem Niveau analoger Modems, was für moderne Anforderungen nicht mehr ausreichend ist.

Zukünftig soll das System durch moderne 5G-Technologie mit MCx-Erweiterungen ersetzt werden. Diese neuen Standards wurden speziell für sicherheitskritische Kommunikation entwickelt und bieten deutlich höhere Übertragungsraten sowie spezielle Funktionen für Einsatzkräfte.
Zusammenfassung
  • Deutschlandweite Störung des Digitalfunks von Polizei und Rettungsdiensten
  • Bundesinnenministerium bestätigt Ausfall, Ursache zunächst unbekannt
  • Mehrere Bundesländer betroffen, teilweise bereits Entwarnung gegeben
  • BOS-Digitalfunk deckt 99,2 Prozent der Fläche Deutschlands ab
  • Aktuelles System gilt als technisch überholt, Verhandlungen über Erneuerung
  • Gewerkschaft der Polizei bezeichnet Ausfall als 'Super-Gau'
  • Diskussion über Investitionen in modernere Kommunikationssysteme



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