Ubisoft spioniert Gamer aus:
'Heimliche Datenerfassung' ohne Erlaubnis
Ubisoft steht wegen willkürlicher Datensammlung in der Kritik. Denn selbst bei Single-Player-Spielen ohne Mehrspieler-Funktionen werden per Online-Zwang ohne explizite Zustimmung wohl massiv Nutzerdaten erfasst. Dem Spieleriesen droht eine Millionenstrafe.
Die Beschwerde stützt sich auf einen konkreten Fall. So hatte ein technisch versierter Spieler festgestellt, dass Far Cry Primal innerhalb von nur zehn Minuten 150 Verbindungen zu externen Servern aufbaute - darunter zu Google, Amazon und dem US-Analysedienst Datadog. Dabei wurden Daten wie Spielzeiten, Nutzungs-IDs und möglicherweise sogar Details zum Spielverhalten übermittelt. Die Daten wurden dabei verschlüsselt übertragen, sodass für den Nutzer nicht nachvollziehbar war, welche Informationen genau gesammelt werden. Auf Nachfrage wich Ubisoft mit einer Standardantwort aus.
Im Erfolgsfall könnte die Beschwerde weitreichende Folgen haben. Ubisoft droht eine Geldstrafe von bis zu 92 Millionen Euro. Das entspräche vier Prozent des Jahresumsatzes von rund 2,3 Milliarden Euro. Die Organisation fordert zudem, dass Ubisoft alle unrechtmäßig gesammelten Daten löschen und die Praxis einstellen muss.
Sollte die Datenschutzbehörde der Beschwerde stattgeben, könnte dies einen Präzedenzfall für die gesamte Spieleindustrie schaffen. Spieler würden dann möglicherweise nicht mehr gezwungen sein, für reine Single-Player-Erlebnisse online zu gehen.
Was haltet ihr von dieser Praxis? Stört es euch, dass Spieleunternehmen all eure Daten sammeln, oder fühlt ihr euch davon nicht gestört? Teilt eure Meinung in den Kommentaren mit uns!
Siehe auch:
Online-Zwang im Singleplayer
Spieler von Ubisoft-Titeln wie Assassin's Creed oder Far Cry kennen das Problem: Selbst, wenn man alleine spielen möchte, verlangt das Spiel eine Internetverbindung und einen Login. Während der Spielsitzung sammelt Ubisoft zudem offenbar heimlich umfangreiche Nutzerdaten, ohne sich vorher die Zustimmung eingeholt zu haben. Die österreichische Datenschutzorganisation noyb (None Of Your Business) hat deshalb bei der österreichischen Datenschutzbehörde eine formelle Beschwerde (PDF) gegen den französischen Spielegiganten eingereicht.Die Beschwerde stützt sich auf einen konkreten Fall. So hatte ein technisch versierter Spieler festgestellt, dass Far Cry Primal innerhalb von nur zehn Minuten 150 Verbindungen zu externen Servern aufbaute - darunter zu Google, Amazon und dem US-Analysedienst Datadog. Dabei wurden Daten wie Spielzeiten, Nutzungs-IDs und möglicherweise sogar Details zum Spielverhalten übermittelt. Die Daten wurden dabei verschlüsselt übertragen, sodass für den Nutzer nicht nachvollziehbar war, welche Informationen genau gesammelt werden. Auf Nachfrage wich Ubisoft mit einer Standardantwort aus.
Millionenstrafe könnte drohen
Die Verbraucherschützer von noyb argumentieren, dass Ubisoft damit gegen die Europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) verstößt. "Stell dir vor, der Monopoly-Mann säße an deinem Tisch und würde sich jedes Mal Notizen machen, wenn du ein Brettspiel spielen willst", erklärt Joakim Söderberg, Datenschutzanwalt auf der Webseite von noyb. Genau das passiere bei Videospielen. Die Daten würden gesammelt und analysiert.Im Erfolgsfall könnte die Beschwerde weitreichende Folgen haben. Ubisoft droht eine Geldstrafe von bis zu 92 Millionen Euro. Das entspräche vier Prozent des Jahresumsatzes von rund 2,3 Milliarden Euro. Die Organisation fordert zudem, dass Ubisoft alle unrechtmäßig gesammelten Daten löschen und die Praxis einstellen muss.
Branchenweites Problem
Das Problem betrifft nicht nur Ubisoft. Auch andere große Publisher wie Microsoft, Activision-Blizzard und Electronic Arts verlangen für viele ihrer Spiele eine Onlineverbindung, selbst wenn diese eigentlich keine Online-Funktionen bieten. Ubisoft wurde laut noyb als erstes Ziel ausgewählt, weil das Unternehmen zu den schlimmsten Übeltätern gehöre und als europäisches Unternehmen leichter zu belangen sei als US-Firmen.Sollte die Datenschutzbehörde der Beschwerde stattgeben, könnte dies einen Präzedenzfall für die gesamte Spieleindustrie schaffen. Spieler würden dann möglicherweise nicht mehr gezwungen sein, für reine Single-Player-Erlebnisse online zu gehen.
Ubisoft in der Krise
Für den französischen Spieleentwickler kommt die Beschwerde zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Nach finanziellen Schwierigkeiten und einem Wertverlust von mehr als 50 Prozent im Jahr 2024 könnte eine hohe Geldstrafe das Unternehmen empfindlich treffen. Um sich finanziell abzusichern, hat das Unternehmen seine Top-Marken gerade erst in eine eigene Firma ausgelagert, an der auch der chinesische Konzern Tencent einen großen Anteil hält. Zudem schlägt sich Ubisoft gleichzeitig mit einer weiteren Klage herum, in der es um die Abschaltung der Server des Rennspiels The Crew geht.Was haltet ihr von dieser Praxis? Stört es euch, dass Spieleunternehmen all eure Daten sammeln, oder fühlt ihr euch davon nicht gestört? Teilt eure Meinung in den Kommentaren mit uns!
Zusammenfassung
- Ubisoft sammelt ohne Zustimmung Nutzerdaten bei Single-Player-Spielen
- Datenschutzorganisation noyb reicht Beschwerde gegen Ubisoft ein
- Far Cry Primal baut in 10 Minuten 150 Verbindungen zu externen Servern auf
- Bei Erfolg der Beschwerde droht Ubisoft eine Strafe von bis zu 92 Mio. Euro
- Auch andere große Publisher verlangen oft Onlineverbindung für Solo-Spiele
- Präzedenzfall könnte Auswirkungen auf die gesamte Spieleindustrie haben
- Ubisoft kämpft bereits mit finanziellen Schwierigkeiten und weiteren Klagen
Siehe auch:
- Assassin's Creed: Ubisoft bereitet sich auf Hass auf Entwickler vor
- Ubisoft-Fiasko: Assassin's Creed Shadows vor Release komplett geleakt
- Ubisoft-Chaos: 'Feindliche Übernahme' soll unbedingt verhindert werden
- Nach nur 7 Monaten: Ubisoft gibt Free-to-Play-Shooter XDefiant auf
- Star Wars-Debakel: Ubisoft will peinliche Steam-Spielerzahlen verbergen
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