Neue Kohlenstoff-Elektroden machen Meerwasser effektiv trinkbar

Neue Technologie zur Meerwasserentsalzung: Kohlenstoff-Elektroden ersetzen teure Chemikalien bei der Borentfernung. Forscher haben ein umweltfreundlicheres und kostengünstigeres Verfahren für sauberes Trinkwasser entwickelt.
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Günstigeres Trinkwasser dank neuer Technologie

Die innovative Methode nutzt spezielle Kohlenstoff-Elektroden, um Bor aus Meerwasser zu entfernen. Bor, ein natürlicher Bestandteil von Meerwasser, kann bei konventionellen Entsalzungsverfahren mit Umkehrosmose-Membranen oft nicht vollständig herausgefiltert werden und stellt ein Gesundheitsrisiko dar.

Die Elektroden bestehen aus Kohlenstoffgewebe, das durch eine Behandlung mit Säure sauerstoffhaltige Strukturen erhält. Diese Strukturen binden gezielt Borat-Ionen (eine negativ geladene Form von Bor) in den Poren der Elektrode.

"Die meisten Umkehrosmose-Membranen entfernen nicht sehr viel Bor, daher müssen Entsalzungsanlagen typischerweise eine Nachbehandlung durchführen, um das Bor loszuwerden, was teuer sein kann."
Jovan Kamcev, Co-Autor der Studie
Der neue Prozess funktioniert durch Wasserspaltung zwischen zwei Elektroden. Dabei entstehen positive Wasserstoff- und negative Hydroxid-Ionen. Die Hydroxid-Ionen verbinden sich mit Bor, wodurch es negativ geladen wird und an den Einfangstellen in der positiven Elektrode haften bleibt. So kann Bor ohne zusätzliche chemische Behandlungen oder energieintensive Umkehrosmose-Schritte entfernt werden. Zudem ist das Verfahren anpassungsfähig und könnte in Zukunft auch zur Entfernung anderer Schadstoffe wie Arsen eingesetzt werden.


Jovan Kamcev, Co-Autor der in Nature Water veröffentlichten Studie, erklärt: "Wir haben eine neue Technologie entwickelt, die recht gut skalierbar ist und Bor im Vergleich zu einigen herkömmlichen Technologien energieeffizient entfernen kann." Die Methode könnte die Kosten demnach um bis zu 15% oder etwa 20 Cent pro Kubikmeter behandeltes Wasser senken und die Nutzung von Chemikalien deutlich reduzieren.

8 Mrd. sparen pro Jahr

Bei einer weltweiten Entsalzungskapazität von 109,5 Millionen Kubikmetern pro Tag (Stand 2024) könnten jährlich Milliarden Euro eingespart werden. Dies macht Meerwasser als Trinkwasserquelle zugänglicher und könnte helfen, die wachsende Wasserkrise zu lindern. Die recht einfache Technologie hat also tatsächlich das Potenzial, die globale Wasserversorgung zu verbessern.

Wie funktioniert Entsalzung?
Die häufigste Methode ist die Umkehrosmose, bei der Meerwasser unter hohem Druck durch spezielle Membranen gepresst wird. Diese Membranen halten Salz und andere Mineralien zurück, während reines Wasser hindurchfließt.

Eine weitere Methode ist die thermische Entsalzung, bei der das Meerwasser verdampft und anschließend kondensiert wird. Das Salz bleibt dabei zurück, während das gereinigte Wasser aufgefangen wird.
Was kostet entsalztes Wasser?
Die Kosten für einen Kubikmeter entsalztes Meerwasser liegen je nach Anlagengröße und Technologie zwischen 0,50 und 3 Euro. Hauptkostenfaktoren sind der Energieverbrauch und die Wartung der Membranen.

Moderne Anlagen arbeiten zunehmend mit erneuerbaren Energien, wodurch die Betriebskosten in den letzten Jahren deutlich gesunken sind. Dennoch bleibt Meerwasserentsalzung teurer als konventionelle Wassergewinnung.
Ist entsalztes Wasser trinkbar?
Entsalztes Meerwasser muss nach der Aufbereitung remineralisiert werden, da es für den menschlichen Konsum zu rein ist. Diesem Prozess werden wichtige Mineralien wie Calcium und Magnesium hinzugefügt.

Nach der Remineralisierung erfüllt das Wasser alle Qualitätsstandards für Trinkwasser und ist gesundheitlich unbedenklich. Regelmäßige Kontrollen stellen die Einhaltung der Trinkwasserverordnung sicher.
Wo wird Entsalzung eingesetzt?
Besonders in wasserarmen Regionen wie dem Nahen Osten und Nordafrika ist die Meerwasserentsalzung weitverbreitet. Allein Saudi-Arabien produziert etwa 20 Prozent des weltweit entsalzten Wassers.

Auch Inseln und Küstenregionen mit begrenzten Süßwasserressourcen setzen verstärkt auf diese Technologie. In Europa nutzen vor allem Spanien und Malta Entsalzungsanlagen zur Trinkwassergewinnung.
Welche Umweltfolgen gibt es?
Der hohe Energieverbrauch traditioneller Entsalzungsanlagen trägt zum CO2-Ausstoß bei. Zudem wird konzentrierte Salzlake ins Meer zurückgeleitet, was lokale marine Ökosysteme beeinträchtigen kann.

Neue Technologien und der Einsatz erneuerbarer Energien reduzieren die Umweltbelastung. Auch für die Verwertung der Salzlake werden zunehmend nachhaltige Lösungen entwickelt.
Wie effizient ist Entsalzung?
Moderne Umkehrosmose-Anlagen erreichen einen Wirkungsgrad von bis zu 50 Prozent. Das bedeutet, dass aus zwei Litern Meerwasser etwa ein Liter Trinkwasser gewonnen werden kann.

Die Effizienz hat sich in den letzten Jahrzehnten durch verbesserte Membrantechnologie und Energierückgewinnung deutlich gesteigert. Weitere Optimierungen sind durch neue Materialien und Verfahren zu erwarten.
Wie sieht die Zukunft aus?
Neue Entwicklungen wie Graphen-Membranen und solarbetriebene Anlagen versprechen höhere Effizienz bei niedrigeren Kosten. Auch die Kombination mit Meerwasser-Batterien zur Energiespeicherung wird erforscht.

Experten erwarten ein starkes Wachstum des Marktes, da der Klimawandel die Wasserknappheit in vielen Regionen verschärft. Bis 2030 könnte sich die globale Entsalzungskapazität verdoppeln.
Zusammenfassung
  • Kohlenstoff-Elektroden ersetzen teure Chemikalien bei Borentfernung
  • Säurebehandelte Kohlenstoffelektroden binden gezielt Borat-Ionen
  • Wasserspaltung erzeugt Ionen zur Borbindung an positiver Elektrode
  • Die Methode ist energieeffizient und spart bis zu 15 % der Kosten ein
  • Verfahren ist anpassungsfähig für Entfernung anderer Schadstoffe
  • Potenzial zur Einsparung von 8 Milliarden Dollar jährlich weltweit
  • Technologie könnte globale Wasserversorgung deutlich verbessern

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